Angriff auf Einsatzkräfte

Gewalt in Dietzenbach: Die Justiz duldet im Spessartviertel einen rechtsfreien Raum

Straßenschlacht in Dietzenbach: Was im Spessartviertel passiert ist, macht fassungslos.
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Straßenschlacht in Dietzenbach: Was im Spessartviertel passiert ist, macht fassungslos.

Was in der Nacht zum Freitag im Dietzenbacher Spessartviertel passiert ist, macht fassungslos. Ein Kommentar.

  • Mob greift bei Straßenschlacht im Spessartviertel Polizei und Feuerwehr an
  • Sozialer Brennpunkt in Dietzenbach lodert weiterhin
  • Die Justiz lässt in dem Stadtteil einen rechtsfreien Raum zu und spricht keine Urteile

Dietzenbach – „Wer Einsatzkräfte angreift, gehört in den Knast.“ Punkt. Den Worten von Innenminister Peter Beuth sei noch der Zusatz seines CDU-Parteikollegen Ismail Tipi angefügt: „Wer Polizei und Rettungsmannschaften angreift, greift damit auch die gesamte Gesellschaft und unsere Demokratie an.“

War es eine Falle, die die rund 50 Männer Polizei und Feuerwehr gestellt haben? Ein Racheakt, weil Anfang der Woche ein Lager mit Diebesgut (unter anderem rund 250 Fahrräder) in einem der fünf Hochhäuser des Spessartviertels ausgehoben wurde? Haben die coronabedingten Einschränkungen, das fehlende Training im Box- oder im Fußballverein, gar Langeweile zu der Gewaltexplosion geführt? Alles Mutmaßungen.

Dietzenbach: Straßenschlacht im Spessartviertel – „Geschichte wiederholt sich“

„Geschichte wiederholt sich“, war der erste Gedanke eines Kollegen, als er von den Vorfällen hörte. Der Juli 2005 war ihm sofort wieder präsent. Egal, wie sich die Verantwortlichen der Kreisstadt bemühen, positive Schlagzeilen zu schreiben: Immer wieder rufen Ereignisse im Spessartviertel in Dietzenbach ins Gedächtnis, dass der soziale Brennpunkt weiterhin lodert.

Es ist seit den Ausschreitungen 2005 zwar viel im ehemaligen Starkenburgring passiert. So hat etwa das Landesprogramm Soziale Stadt zur Aufwertung des Quartiers beigetragen. Stadt und Polizei haben präventiv viel Arbeit und Personal aufgewandt und „Druck auf die Straße gebracht“. Doch darf dieser nicht nachlassen, muss vielleicht sogar intensiviert werden.

Gewalt in Dietzenbach: Nur oberflächlich hat sich etwas im Spessartviertel getan

Oberflächlich hat sich also in den vergangenen Jahren in der Tat vieles zum Besseren gewendet. Doch im Verborgenen (und oft auch für jedermann sichtbar auf der Straße in Dietzenbach) ist das Drogen- und Dealerproblem nach wie vor latent, die Fluktuation der Bewohner hoch. Hausverwaltungen und Hausmeister haben dort über Jahre ein Regiment aufgebaut, gegen das die gegensteuernden Akteure machtlos scheinen.

Denn egal wie gut die Vorarbeit von Polizei und Stadt ist, das Schneckentempo der Gerichte macht alles wieder zunichte. Einige Eigentümer haben daher mittlerweile einen getrübten Glauben an den Rechtsstaat. Seit rund zehn Jahren haben sich im Quartier Parallelstrukturen bilden können, ohne dass Protagonisten das Handwerk gelegt werden konnte.

Spessartviertel in Dietzenbach: Urkundenfälschung, veruntreute Gelder und Drohungen

Von mutmaßlicher Urkundenfälschung bei Vollmachten, von veruntreuten Geldern und Drohgebärden bei Eigentümerversammlungen berichtet unsere Zeitung seit Jahren. Die nun publik gewordene halbe Million Euro Verbindlichkeiten der WEG Rosenpark GmbH bei zwei städtischen Tochtergesellschaften ist da nur ein Punkt von vielen. Und das Rad dreht sich jedes Jahr weiter.

Die Wahlen der jeweiligen Hausverwaltungen, hinter denen sich bei genauerem Hinsehen immer die gleichen Personen mit neuem Namenslabel verstecken, werden regelmäßig vom Amtsgericht Offenbach für ungültig erklärt, und doch bleiben die gleichen Strippenzieher weiter am Ruder. Viele Klagen gegen die Machenschaften der Hausverwaltungen bleiben unangetastet ob der Komplexität der Sachverhalte.

Straßenschlacht in Dietzenbach: Die Justiz lässt im Spessartviertel einen rechtsfreien Raum zu

Solange die Justiz im Spessartviertel in Dietzenbach einen rechtsfreien Raum zulässt und keine Urteile spricht, laufen alle Bemühungen von Polizei und Stadt ins Leere. So bildet sich der Nährboden für solch unfassbare Taten gegen Menschen, die Menschen dienen. Die Gerichte sollten nicht nur im Verfahren gegen die Täter von Freitagnacht Siebenmeilenstiefel schnüren, sondern auch endlich im Kampf gegen die Parallelstrukturen in der Hausverwaltung des Spessartviertels.

VON RONNY PAUL

Der Angriff auf Polizei und Feuerwehr in Dietzenbach hat bundesweit für Entrüstung gesorgt. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) findet drastische Worte.

„Das war einfach schrecklich“, erzählt ein Bewohner des Spessartviertels in Dietzenbach nach der Straßenschlacht. Im Parlament werden politische Konsequenzen gefordert*. 

Die Straßenschlacht in Dietzenbach ist ein Extremfall. Doch Statistiken zeigen: Gewalt gegen Polizisten in Deutschland kommt zunehmend vor.

Dietzenbach, 2005: Die Horror-Nacht im Spessartviertel sorgt für schockierende Aussagen.*

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