Lieber Grün als Geld

Pläne zum Quarzsand-Abbau: Fraktionen sind skeptisch

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Das Stück Wald im Südosten der Stadt ist Gesprächsthema bei Dietzenbachs Politikern.

Es war eine Präsentation mit Nachhall: Im Februar stellte Peter Ruhm, Generalbevollmächtigter bei der Firma Q-Sand, zusammen mit zwei Gesellschaftern Pläne vor, unweit der Willersinn’schen Grube, dort wo sich Kreisquerverbindung und Vélizystraße treffen, Quarzsand abzubauen.

Dietzenbach – Spruchreifes gibt es zwar längst nicht, Bedenken, Dietzenbach könnte zugunsten einer etwas volleren Stadtkasse unwiederbringlich Naturraum verlieren, wurden aber schnell laut. 75 Cent je Tonne würde die Kreisstadt bekommen, und das zweimal, weil der Betrag auch fürs Verfüllen anfällt. Wir haben bei den Fraktionen nachgefragt, was die ersten Gedanken zu den Plänen waren, ob das in Aussicht gestellte Geld verhältnismäßig ist und wie sie zu den Bedenken stehen.

  • Die SPD weist darauf hin, dass es zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Bericht der Verwaltung, geschweige denn einen Antrag oder eine Vorlage gibt, über die die Stadtverordneten sprechen könnten. Der Vorsitzende Jerome Alex betont aber auch: „Keinesfalls dürfen hier leichtfertig irgendwelche Entscheidungen getroffen werden. Es müssen alle Informationen und alle Sichtweisen und Bedenken auf den Tisch.“ Um das Thema zu erörtern, habe man eine Arbeitsgruppe gegründet. Was den Betrag angeht, den der Abbau einbringen könnte, so handle es sich bislang um Schätzungen. „Unklar ist zu diesem Zeitpunkt, inwieweit mittelbare Kosten und Probleme wie etwa beschädigte Straßen und eine Überbelastung des Straßenverkehrs dabei berücksichtigt sind.“ Für die Natur dürften keinesfalls irreparable Schäden entstehen, ganz gleich, um welche Summen es sich handelt.

"Wald ist für wirtschaftliche Interessen nicht zu opfern"

  • Bei Manuel Salomon, Fraktionsvorsitzender der CDU, hat die Idee „erhebliche Bedenken“ geweckt. Das Thema habe man mit der Fraktion und dem Vorstand bei einer Klausurtagung eingehender erörtert und sei sich einig gewesen, dass man keinen Quarzsandabbau wolle. „Die Natur um Dietzenbach ist ein wesentlicher Vorzug der Kreisstadt und von hoher Bedeutung für die Bürger. Insbesondere der Wald ist für wirtschaftliche Interessen nicht zu opfern.” Ein jährlicher Ertrag von 300.000 Euro könne die Nachteile nicht ausgleichen, auch ein höherer Betrag nicht. „Wir brauchen eine Wirtschaftspolitik mit Augenmaß und daher ist es zielführender, anderweitige wirtschaftliche Betätigungen zur fördern, die für die Bürger Dietzenbachs weniger nachteilig sind.”
  • Harald Nalbach, Fraktionsvorsitzender der WIR-BfD argumentiert, eine richtungsweisende, positive Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung hätte unter Umständen Folgen für Generationen. „Eine sorgfältige Prüfung aller vorgelegten Daten ist genauso wichtig wie die Berücksichtigung der Bürgermeinung und den zukünftigen Möglichkeiten der Rohstoffgewinnung.“ Ob der angebotene finanzielle Betrag verhältnismäßig sei, ließe sich derzeit allerdings genauso wenig beantworten wie Fragen nach Schäden für die Natur.
  • Wenig überraschend: Bei den Grünen sorgt die Idee nicht für Beifall. Man habe viel innerhalb der eigenen Fraktion darüber gesprochen, aber auch mit Mitgliedern und Bürgern. „Wir sehen eine große Gefahr für unsere Dietzenbacher Natur, wenn diese Pläne umgesetzt werden. In der Animation, die im Bauausschuss gezeigt wurde, war klar zu sehen, wie die Landschaft verändert wird, wie die Bäume abgeholzt werden, wie der Kahlschlag aussieht und die anschließende geplante Renaturierung ablaufen könnte“, sagt die Fraktions-Chefin Andrea Wacker-Hempel. Das „beste“ Negativbeispiel dafür finde man in Langen.
  • Die Fraktion der Linken positioniert sich ebenfalls eindeutig gegen den Abbau. Das Geld, das dadurch in die Stadtkasse fließen könnte, „deckt nicht einmal die Reinigungskosten der Straßen und Wege ab, ganz zu schweigen von den Schäden, die die Lkw verursachen werden”, findet der Vorsitzende Vecih Yasaner. Manche könne man zwar beheben, andere wiederum aber seien irreparabel für Flora und Fauna.

„Eine Hypothek auf die Zukunft“

  • Für Heinrich Eckert (AfD) wäre das Unterfangen „eine Hypothek auf die Zukunft“. Würde er als Fraktionsvorsitzender im Fall einer Abstimmung „Ja“ sagen, kündigten die Fraktionskollegen ihm die Freundschaft. „Die Beträge, die wir erhalten würden, und das Risiko stehen in keinem Verhältnis. Und die Nachwelt braucht ja auch noch was – unsere Enkel würden uns wohl später fragen, ob wir noch ganz gesund sind.“
  • Auch bei Jens Hinrichsen, Fraktionsvorsitzender der DL/FW-UDS, haben die Pläne keine Begeisterung hervorgerufen. Gerade im Vergleich zu anderen Kommunen sei auch der Betrag, den man dafür angeboten bekomme, nicht verhältnismäßig. Durch die Emissionen würden die negativen Effekte überwiegen. „Dietzenbachs Waldanteil ist schon heute kleiner als bei den Nachbargemeinen.“
  • Als Sven Hartmann, Fraktionsvorsitzender der FDP, von dem Ansinnen erfuhr, sei ihm klar gewesen, „dass es zu emotionalen und intensiven Diskussionen führen würde.“ Und, dass es sich um ein sehr ambitioniertes Projekt handle. Sowohl innerhalb der Fraktion als auch beim Ortsverband habe man diskutiert, wegen den „nicht ausreichenden Informationen“ allerdings noch keine Entscheidung treffen können. Dafür müssten „die Risiken besser untersucht und beziffert werden“. Die vorgestellte Summe sei schließlich nur ein Vorschlag des Unternehmens und müsse nach Vorlage aller Fakten noch ausverhandelt werden. „Aber grundsätzlich wären höhere Einnahmen natürlich wünschenswert.“ Bevor genaue Ergebnisse von Umweltverträglichkeitsprüfungen vorliegen, seien Schlüsse nicht angebracht. „Aber wir werden auf eine intensive Prüfung drängen.“
  • Artus Rosenbusch betont, dass es in Deutschland Waldbestände gebe, um die man in vielen anderen Ländern beneidet werde. „Bei uns sollte eigentlich der Abbau von Wald in der Größenordnung von 70 Hektar einen so gewaltigen Protest nicht auslösen, wenn hierdurch ein sehr beachtlicher wirtschaftlicher Gewinn – verbunden mit Arbeitsplatzzuwachs – erzielt werden kann, denn rund um dieses Terrain bleiben herrliche Waldgelände erhalten.“

VON CHRISTIAN WACHTER

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