Sozialdemokrat mit Technikvorliebe

Halbes Jahr im Magistrat in Dietzenbach - Zwischenfazit von Cengiz Hendek

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Volle Identifikation mit Dietzenbach: Cengiz Hendek gehört dem Magistrat der Kreisstadt an. 

Cengiz Hendek ist seit einem halben Jahr ehrenamtliches Mitglied im Magistrat. In den rund sechs Monaten war einiges los, Zeit für ein Zwischenfazit.

Dietzenbach – Es ist viele Jahre her, dass Cengiz Hendek gesagt hat, die Integration in Dietzenbach sei dann gelungen, wenn sein Name als deutscher wahrgenommen werde. Seitdem hat sich viel getan, gesellschaftlich, im öffentlichen Diskurs und in der Parteienlandschaft. Es sei wohl noch ein weiter Weg, bis man von gelungener Integration sprechen kann, sagt er heute. „Meinen Namen zumindest können aber mehr Leute aussprechen als damals."

Seit etwas mehr als einem halben Jahr sitzt Hendek inzwischen im ehrenamtlichen Magistrat der Kreisstadt. Es hätte wohl ruhigere Zeiten für die ersten Monate einer Amtszeit geben können, in welche die mit viel Aufmerksamkeit bedachten und verworfenen Pläne des Quarzsandabbaus gehörten, das Fischesterben im Angelweiher, die Pläne zur 800-Jahr-Feier oder jüngst das Unwetter. Aber auch, wenn es Schwierigkeiten gebe, betont der 40-jährige Sozialdemokrat, so wolle er die Chance nutzen, das, was er aus der Bevölkerung mitbekomme, in den Magistrat zu tragen.

Dieztenbach: Seit einem halben Jahr im Magistrat

Hendek ist Dietzenbacher so lange er sich erinnern kann. In den 70er-Jahren zog sein Vater von der Türkei nach Deutschland, dann kamen Cengiz Hendeks älteste Schwester und seine Mutter nach. Er und eine weitere Schwester wurden dann in Groß-Gerau geboren. Schon als Cengiz Hendek so alt war wie sein eigenes Kind heute, anderthalb Jahre, ging es in die heutige Kreisstadt.

Der Ort, aus dem seine Familie einst nach Deutschland zog, hat indes immer noch Potenzial, gerade im Kreis Offenbach für Verwirrung zu sorgen. „Of“ heißt er; wenn’s um den Fußball geht, bevorzugen die Menschen dort dann allerdings doch eher ein weinrot-hellblaues als ein rot-weißes Trikot. Schließlich gehört Of zur Provinz Trabzon im Nordosten des Landes, in der man um Trabzonspor als Lieblingsclub nur schwer herumkommt. Entsprechend hält er es mit dem Fußball in der Region. „Ich freue mich, egal ob Frankfurt, Offenbach oder Darmstadt gewinnen, da bin ich Lokalpatriot.“

Hendek arbeitet in der IT bei der Pro Arbeit in Dreieich. Das technische Interesse weckte sein Vater, der zeigte ihm früh, wie ein Schalter oder eine Lampe funktionieren. Er erinnert sich noch gut, wie ihm „Die Sendung mit der Maus“ ganz kindgerecht das binäre System vermittelte oder er seinen ersten CD-Brenner für 500 Mark kaufte.

Hendek ist Dietzenbacher durch und durch

In Dietzenbach habe er sich immer wohlgefühlt. „Ich weiß die guten Seiten zu schätzen, ohne die schlechten auszublenden.“ Gerade, wenn man dort aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, sei man automatisch gut vernetzt, kenne viele Leute. „Und es gibt viele nette Menschen hier, ich mag das Familiäre.“ Nachholbedarf gebe es auch an so mancher Stelle, etwa beim Verhältnis von Bedarf und Angebot in der U3-Betreuung. Das bekomme er derzeit selbst zu spüren. Als Hendek anfing, sich in Dietzenbach zu engagieren, war er noch ein gutes Stück weit davon entfernt, von derlei selbst betroffen zu sein. 2001, kurz nach dem Hessentag, trat er dem Ausländerbeirat bei, dessen Vorsitzender er später werden sollte. Bis in den Februar dieses Jahres hinein hatte er das Amt erneut inne. Irgendwann sei es an der Zeit gewesen, sich zu entscheiden, ob man mehr will, sagt er. Hendek bejahte diese Frage für sich und schloss sich 2010 der SPD an. Durch seinen neuen Posten müsse er an mancher Stelle etwas kürzer treten, weshalb er seinen Platz im Kreisausländerbeirat abgegeben hat.

Politisch seien die Sozialdemokraten damals wie heute seine politische Heimat. „Es gibt einfach die größte Schnittmenge.“ Aber auch persönliche Kontakte haben eine große Rolle gespielt, gerade zum 2011 verstorbenen Peter Gussmann, der die Lokalpolitik lange prägte. Hendek ist freilich nicht entgangen, dass die SPD generell in der Gunst der Wähler schon einmal höher angesiedelt war. Oft, sagt er, seien es auch bundesweite Ereignisse, die ihren Einfluss auf die kommunale Ebene haben. „Ich weiß aber auch, dass wir in Dietzenbach der Politik der Partei treu bleiben.“ Eine gute Bildung für alle sei so eines dieser klassischen Themen. Es sei wichtig, früh damit anzufangen und Perspektiven zu vermitteln. Ein wichtiger Schlüsselpunkt seien die Vereine. „Die öffnen Türen, auch ins Netzwerk einer Stadt.“ Zudem gelte es, Firmen nach Dietzenbach zu locken, „am besten mit dem Hauptsitz“.

Was die Entwicklung bei der Infrastruktur und der Einwohnerzahl angehe, so sei Dietzenbach weit fortgeschritten. „Wir müssen uns aber den Herausforderungen stellen, alleine werden wir das nicht schaffen. Immer wieder bekommen wir Aufgaben zugeteilt und dürfen dann zusehen, wie wir die Finanzierung regeln.“

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