Jede Menge Nachholbedarf

Teilnehmer des ADFC-Fahrradklimatests stellen Dietzenbach schlechtes Zeugnis aus

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Nur die Radfahrer haben grünes Licht: Im Zuge der Sanierung der Rathauscenter-Kreuzung wurden auch Schutzstreifen angebracht. Diese enden allerdings relativ abrupt.

Versetzung gefährdet. Zumindest, wenn es nach den 65 Teilnehmern des ADFC-Fahrradklimatests geht. Die stellen der Kreisstadt mit der 4,4 nach dem Schulnotensystem kein gutes Zeugnis aus.

Dietzenbach –  Einzig die Fahrradmitnahme im öffentlichen Nahverkehr geht mit einem verbesserten Ergebnis im Vergleich zum letzten Test von 2016 hervor. Doch hat sich die Situation für die Velofahrer in Dietzenbach wirklich verschlechtert? Die Stadt relativiert: „Die Beteiligung am Fahrradklimatest beträgt weniger als 0,2 Prozent im Verhältnis zur Einwohnerzahl Dietzenbachs. “ In der Tat ist die Teilnehmerzahl von 86 auf 65 gesunken. „Es ist schade, dass sich trotz der Aufrufe nur wenig beteiligen“, bedauert Christina Bröcker vom hiesigen ADFC-Vorstand.

Im Ranking der Städte von 20. 000 bis 50.000 Einwohnern belegt die Kreisstadt Platz 286 von 311. Besonders schlecht schneiden Breite (5,0) und die Oberfläche (5,1) der Radwege ab. Aber auch die Ampelschaltungen (5,0) und der Winterdienst (4,8) kommen nicht gut weg. Eine Verringerung der Dienstleistungen auf den Wegen habe es, nach Angaben der Stadt, allerdings nicht gegeben. „Diese Verschlechterungen lassen sich anhand der Zahlen nicht erklären“, heißt es aus dem Rathaus. Seit etwa vier, fünf Jahren stehe das Thema Radverkehr in Dietzenbach besonders im Fokus. Erste Ergebnisse seien im Stadtgebiet erkennbar, größere Maßnahmen stünden jedoch kurz vor der Umsetzung, „sodass sich diese noch nicht positiv auf die Umfrage auswirken konnten“. Und in der Tat ist der Punkt „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ um 0,5 Notenpunkte von 4,9 auf 4,4 verbessert worden.

Claude Walter ist das zu theoretisch. Er betreibt den viel geklickten Blog cycling.claude.de. 2017 wurde er zum besten Fahrrad-Blog Deutschlands gewählt (wir berichteten). „Die Stadt hat im Dezember das Planungskonzept für die L3001 präsentiert und ich war echt überrascht, wie gut das ist“, sagt er. Man habe viele wichtige Komponenten beachtet, doch man hänge zu sehr in der „Denke der ewig gestrigen Politik“. Anstatt, dass man praktisch mit kleinen Schritten anfange, müsse alles immer erst groß geplant werden. „Da vergeht zu viel Zeit“, meint er. „Man könnte mit einfachen Fahrrad-Piktogrammen viel erreichen. Wieso die Stadt sich da die Erlaubnis nicht einholt, verstehe ich nicht.“ Andere schlechte Notenpunkte sind für ihn ganz logisch. „An der Offenbacher Straße hören die Fahrradstreifen irgendwann auf“, erläutert er. „Dann weichen die Fahrer auf die Bürgersteige aus. Dort sind Bordsteine zu überfahren und der Untergrund ist logischerweise nicht optimal.“ Christina Bröker verweist auf die kommenden Bauphasen. „Es kommt so langsam in die Gänge, aber da muss sich noch einiges tun.“ Es hapere an einigen Ecken und Enden. Dennoch sei der Austausch mit der Stadt positiv zu erwähnen. „Besonders im vergangenen Jahr wurden wir gut einbezogen und auch bei der Einweihung des Radrundweges RuDi war die gegenseitige Unterstützung groß“, sagt sie.

Seit 2015 gibt es in der Stadt einen Arbeitskreis Radverkehr, in dem neben Bürgermeister Jürgen Rogg und Erstem Stadtrat Dieter Lang Vertreter der Stadtverordnetenversammlung, Stadtverwaltung, Polizei, ADFC und des Seniorenbeirats dabei sind. Aus dem Rathaus heißt es: „Ziel ist es, künftig eine durchgängige, geschützte und schnelle Radverkehrsführung auf der Fahrbahn der L3001 anzubieten. Für die Umgestaltung stehen kostenintensive bauliche Veränderungen als Variante ebenso auf der Agenda wie kostengünstige Markierungen und Ausschilderungen.“

Die bereits vorgenommenen Maßnahmen seien ein Beleg, dass der Radverkehr eine wichtige Rolle einnimmt. „So wird derzeit von unserer Straßenverkehrsbehörde geprüft, welche Einbahnstraßen für den Radverkehr geöffnet werden können.“ Ein Punkt, der im Test noch als Hauptkritikpunkt aufgeführt wird. Genau wie die Leihfahrradsituation (5,4). Doch auch da sei der Hintergrund einfach zu erklären: In der Kreisstadt gibt es keine. „Die Erfahrungen aus den Nachbarkommunen zeigen, dass die anfängliche Euphorie in Mittelzentren wie Dietzenbach nicht lange anhielt und sich die Unternehmen zurückgezogen haben.“ Grundsätzlich sei die Verwaltung offen für private Initiativen zu Leihrädern respektive alternativen Beförderungsmöglichkeiten.

Wenig Teilnehmer, schlechte Benotung. Und wie geht man damit um? Von Seiten der Stadt heißt es dazu: „Die Ergebnisse werden, wie in den Vorjahren auch, analysiert und in den zukünftigen Planungen berücksichtigt.“ Christina Bröcker würde sich mehr Mitarbeit wünschen. „Es wird immer schnell gemeckert, aber nicht mitangepackt – das ist schade.“

VON PATRICK EICKHOFF

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