Ausnahmezustand 

Unwetter: Dietzenbacher Bürgermeister beruft Krisenstab ein

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Spur der Verwüstung: Überschwemmte und mit Geäst verstopfte Straßen, zerstörte Schaufenster- und Autoscheiben und ein umgekippter Lkw-Anhänger zeigen das Ausmaß des sogenannten Downbursts.

Am Tag danach: Verwüstung an allen Ecken der Kreisstadt. Bürger kehren Scherben und Geäst weg, die Feuerwehr ist unermüdlich im Einsatz. So richtig glauben mag noch niemand, was da am Sonntag in nur wenigen Minuten über Dietzenbach hereingebrochen ist.

Dietzenbach – Den 18. August 2019 werden viele Kreisstädter so schnell nicht vergessen. „Das war ganz schrecklich, ich kann mich an viele schlimme Gewitter erinnern, aber so eine Verwüstung habe ich noch nie erlebt“, sagt eine Augenzeugin des sogenannten Downbursts, der um kurz nach 18 Uhr über Dietzenbach hinweggefegt ist und große Spuren der Verwüstung hinterlassen hat. Bereits um 18. 07 Uhr rückte der erste Trupp der Freiwilligen Feuerwehr aus, um erste Schäden zu beseitigen. Bis etwa 3 Uhr nachts folgten rund 110 weitere Einsätze, insbesondere wegen umgestürzter Bäume und herabfallenden Dachziegeln.

Der Sturm zerstörte zahlreiche Autos in Dietzenbach. 

Umgestürzte Bäume überall

Ein Baum bremste die S-Bahn zwischen den Stationen „Mitte“ und „Steinberg“ aus, als dieser auf den durchfahrenden Zug fiel. Die S-Bahn mit rund 25 Fahrgästen musste evakuiert werden, die Feuerwehr begleitete die Bahnfahrer zur nächsten Haltestelle. Auch an der Kreuzung Richtung Waldacker – die gestern teilweise noch gesperrt war – stellten umgestürzte Bäume ein großes Problem dar. Etwa 50 wurden von den Einsatzkräften bereits in der Nacht auf Montag entfernt, rund 100 weitere müssen noch von den Fahrbahnen beseitigt werden. Hilfe bei den nächtlichen Einsätzen bekam die Dietzenbacher Wehr von den Kollegen aus Neu-Isenburg und Obertshausen sowie vom Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes. Insgesamt waren rund fünfzig Ehrenamtler über mehrere Stunden im Einsatz.

Spuren der Verwüstung werden am nächsten Tag in gemeinsamer Arbeit beseitigt.

Auch Bürgermeister Jürgen Rogg reagierte umgehend und alarmierte einen Krisenstab der Stadtverwaltung, um erste Gefahrenabschätzungen an den öffentlichen Gebäuden vorzunehmen und eventuelle Gefahren möglichst rasch zu beseitigen. So sind etwa Schäden an der Rathausfassade entstanden und die Tiefgarage des Verwaltungssitzes mit Wasser vollgelaufen. „Glücklicherweise hält sich die Schadensbilanz an den öffentlichen Gebäuden in Grenzen, wobei zahlreiche Mitarbeiter noch im Stadtgebiet unterwegs sind, um die Schäden aufzunehmen und deren Beseitigung vorzunehmen“, teilt der Rathauschef mit. Die städtischen Kitas konnten ihren Betrieb wie gewohnt aufnehmen, wobei die meisten Außenflächen zunächst aus Sicherheitsgründen geschlossen blieben.

Schulen weitestgehend unbeschädigt

Auch die kreisstädtischen Schulen waren gestern geöffnet. Ein wohl von Schülern am Montagmorgen gestreutes Gerücht, die Heinrich-Mann-Schule bleibe wegen größerer Schäden am Gebäude mehrere Tage geschlossen, entpuppte sich als Ente. Vonseiten des Kreises Offenbach heißt es, die Schulen hätten keine erheblichen Schäden gemeldet.

Wobei die erste Stunde an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule dazu genutzt wurde, um Wasser aus einigen Klassenzimmern zu entfernen. Auch in die Polizeistation ist laut dem stellvertretenden Dienststellenleiter Andreas Bamberg Wasser eingedrungen. Bei der Fahrschule Lendjel ist ein Lkw-Anhänger umgestürzt.

Der Sturm in Dietzenbach hat selbst Lkw-Anhänger umkippen lassen. 

Am Tag nach dem Sturm arbeiteten auch Stadtwerke und Städtische Betriebe Hand in Hand. „Besonders betroffen hat es unter anderem das Waldschwimmbad und den Friedhof, sodass wir leider bekannt geben müssen, dass beide Einrichtungen aus Verkehrssicherungsgründen bis auf Weiteres geschlossen bleiben“, teilt Christian Locke mit, Geschäftsführer der Stadtwerke und Kaufmännischer Betriebsleiter der Städtischen Betriebe. Auch der Aussichtsturm bleibt zunächst gesperrt, bis eine umfangreiche Prüfung stattgefunden hat und Gefahren für Besucher ausgeschlossen werden können. Positiv sei dagegen zu vermelden, dass sowohl im Frischwasser- wie im Abwasserbereich keine Schäden aufgetreten sind. „Die Kanäle haben gehalten und die Bieber ist auch nicht über das Ufer getreten.“

Prinzip „Schadensabarbeitung nach Priorität“

Gestern waren die Mitarbeiter dabei, die Straßenabläufe zu säubern. Grundsätzlich verfahren auch die Teams der Stadtwerke und der Städtischen Betriebe nach dem Prinzip „Schadensabarbeitung nach Priorität“. Kontrolliert sind die Spielplätze. „Auch da müssen wir leider aus Sicherheitsgründen zwei Plätze schließen und zwar an der Kurt-Schumacher-Allee und der Grenzstraße“, betont Locke.

Es müssen unter anderem alle Bäume im Stadtgebiet geprüft werden. „Da befinden sich auch im oberen Geäst wahrscheinlich lockere Zweige.“ Entsprechend sind die Bürger vor allem dort zur besonderen Achtsamkeit aufgerufen, wo Bäume stehen oder auch Dächer von dem Sturm betroffen sind. „Manche Gefahrenquelle ist noch unentdeckt, also lieber mal nach oben schauen“, empfiehlt Locke.

„Trotz der teilweise sehr umfangreichen Schäden, die sich quer durch unser Stadtgebiet ziehen, gab es glücklicherweise nur geringe Personenschäden: Offensichtlich hatte ein Schutzengel seine schützende Hand über Dietzenbach gehalten“, sagt Bürgermeister Rogg. Nach derzeitigen Angaben gab es eine schwer verletzte Person, die massive Schnittverletzungen durch herumfliegende Glassplitter erlitten hat. Eine weitere leicht verletzte Person wurde mit einer Platzwunde am Kopf von den Helfern des Deutschen Roten Kreuzes versorgt. Die Teilnehmer des Jugendfußballturniers „EDIE-Cup“ am Waldstadion blieben alle unversehrt und bekamen Unterschlupf im angrenzenden Waldschwimmbad.

Bürgermeister Rogg schockiert

Bürgermeister Rogg war gestern im Stadtgebiet unterwegs, um sich von den Auswirkungen ein Bild zu machen. Ein Augenmerk legt er dabei unter anderem auf die Vereinsgebäude. „Ich bin schockiert über die zum Teil immensen Schäden, die der Sturm in unserer Stadt angerichtet hat. Ungeachtet des materiellen Schadens werden die Aufräumarbeiten noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“

von Ronny Paul

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