Zeugin hat keine Zweifel an der Tat

Im Vergewaltigungs-Prozess gegen einen Dietzenbacher wird es für die Verteidigung schwer

+
Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

Vor dem Schöffengericht in Offenbach ging es weiter im Prozess gegen einen 36-Jährigen, dem die Staatsanwältin vorwirft, am 2. Mai 2018 im Dietzenbacher Wald eine Frau vergewaltigt zu haben.

Dietzenbach – Im Zeugenstand steht die Freundin der Nebenklägerin, die kurz nach dem Geschehen auf die mutmaßlich Geschädigte traf.

Der Angeklagte erzählte zuvor von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr. Die 32-jährige Nebenklägerin hingegen erklärte in einer nicht öffentlichen Aussage, der Dietzenbacher habe gegen ihren erklärten Willen unter Anwendung von Gewalt den Koitus an ihr vollzogen. Die Zeugin, die am jüngsten Verhandlungstag aussagt, ist nicht nur eine enge Freundin der Nebenklägerin, sondern auch Polizistin.

Die 38-Jährige berichtet, am 2. Mai 2018 habe die Freundin sie weinend angerufen. Es habe gedauert, bis sie den Grund für ihren Zustand habe nennen können: „Ich hatte eben ungewollten Sex.“ Sie habe sich sofort auf den Weg gemacht. Ihre Freundin habe sie in deren Auto sitzend angetroffen, „sie hatte einen Weinkrampf. Ihre Leggings-Hose hing auf der Höhe der Oberschenkel. Die Bluse war geöffnet, eine Brust lag frei“. Sie habe die Geschädigte ins Krankenhaus gebracht. Dort sei sie gynäkologisch untersucht worden und habe die „Pille danach“ genommen. Nicht als Polizistin, sondern als Vertrauensperson habe sie ihre Freundin zur anschließenden Vernehmung begleitet.

Am nächsten Tag habe sie in deren Wohnung ihre Hämatome fotografiert. Die hätten sich mit der Schilderung zum Tathergang gedeckt. Richter Manfred Beck fragt nach, ob sie Zweifel am geschilderten Tathergang hege. „Nicht im Mindesten“, antwortet die Zeugin. Zum einen habe alles zusammen gepasst. Zum anderen beschreibt die Polizistin ihre Freundin als einen Charakter, dem es nicht leicht falle, sexuelle Themen zu verbalisieren: „Ich musste ihr die Einzelheiten aus der Nase ziehen“. Auf die Frage, ob sich die Nebenklägerin seit dem Tag verändert habe, antwortet die Polizistin ähnlich wie eine Zeugin beim ersten Prozesstag. Sie habe stark abgenommen, schreibe morgens um drei Uhr Textnachrichten, weil sie nicht schlafen könne. Oft wirke sie in sich gekehrt, habe mit Panikattacken zu kämpfen.

Später sagt die Schwester der Nebenklägerin aus, „früher war sie der Clown in der Familie. Heute wirkt sie niedergeschlagen“. Sie war in der Offenbacher Diskothek am 30. April 2018 dabei, als sich die mutmaßlich Geschädigte und der Angeklagte kennenlernten. Damals war der Angeklagte mit einem Freund unterwegs. Den Angeklagten und dessen Kumpel habe sie vor einigen Wochen in der Diskothek wieder gesehen, sagt die Schwester außerdem. Der verheiratete Angeklagte selbst habe am 30. April 2018 „wie ein Single-Mann gewirkt, der eine Frau kennenlernen will“.

Für Rechtsanwalt Onur Türktorun gestaltet sich nach der Aussage der Polizistin und Freundin der Nebenklägerin die Verteidigung noch schwerer. Türktorun weist auf vermeintliche Widersprüche hin, fragt etwa, warum die Nebenklägerin in der ersten offiziellen Aussage nicht von allem berichtetet habe, was passiert sein soll. „Wie ich schon sagte, musste die Vernehmung aufgrund ihrer psychischen Lage abgebrochen werden“, antwortet die Zeugin.

Der Prozess dürfte zum nächsten Termin nach einer weiteren Zeugenaussage mit dem Urteil enden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare