Gedenken

Nach Anschlag in Hanau: Familie fordert Mahnmal für Sedat Gürbüz

Als stete Mahnung für Hanau hatte Fedi Choukair nach dem Anschlag dieses Kerzenbild ins Netz gestellt.
+
Als stete Mahnung für Hanau hatte Fedi Choukair nach dem Anschlag dieses Kerzenbild ins Netz gestellt.

Ziemlich genau acht Monate ist es her, dass Emis Gürbüz und ihr Mann Selahattin ihren Sohn verloren haben. Ihr zweiter Sohn seinen Bruder, viele andere einen Freund. Am 19. Februar wurde Sedat Gürbüz in Hanau ermordet, war eines der Opfer jener rassistisch motivierten Tat, bei der elf Menschen starben, darunter der Täter und dessen Mutter. Die Grausamkeit, mit der die Opfer aus dem Leben gerissen wurden, ist unvergessen.

Dietzenbach – Damit das auch in Zukunft so bleibt, fordert Emis Gürbüz, dass eine Gedenkstelle aufgestellt wird, die an ihren Sohn erinnert. Und daran, welche Folgen Rassismus haben kann. „Damit alle wissen, dass Rassismus Menschen umbringt“, sagt Emis Gürbüz. Außerdem möchte sie, dass die Ruhestätte ihres Sohns auf dem Friedhof den Status eines Ehrengrabs erhält. Die Gräber der drei Opfer, die in Hanau bestattet sind, wurden bereits im Juni per Magistratsbeschluss zu Ehrengräbern ernannt. Neben Gedenktafeln soll dort auch ein Mahnmal errichtet werden. Derzeit ist ein Wettbewerb rund um dessen Gestaltung ausgeschrieben. „Das will ich auch in Dietzenbach für meinen Sohn“, sagt Emis Gürbüz.

Unterstützung bekommt sie vom Ausländerbeirat, der nun entsprechende Anträge für die nächste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung einbringt. Zum einen wird der Magistrat darin aufgefordert, dem Wunsch der Familienangehörigen zu entsprechen und dem Aufstellen einer Gedenkstelle auf dem Platz am Stadtbrunnen zuzustimmen. Der „Rote Platz“, in dessen unmittelbarer Nähe Sedat Gürbüz aufgewachsen ist, sei der zentrale Platz, der mit ihm Verbindung gebracht werde, und ein wichtiger Ort der Erinnerung, begründet der Ausländerbeirat den Antrag. Weiter heißt es: „Mit der Stelle am Roten Platz wird rassistische Gewalt aus ihrer Anonymität geholt und ein Gedenken für Opfer wie Sedat in den Alltag der Dietzenbacher integriert.“

Zudem soll der Magistrat damit beauftragt werden, die Grabstätte von Sedat Gürbüz zum Ehrengrab zu ernennen. Das soll „zur Erinnerung beitragen, damit solche Taten sich nie wiederholen“.

„Die Familie hat sich das von Anfang an gewünscht“, sagt Helga Giardino, Vorsitzende des Ausländerbeirats. Man wolle sie unterstützen und gleichzeitig ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Geplant sei, die Stelle gegenüber der Parfümerie am Stadtbrunnen aufzustellen, dort, wo auf einer kleinen Grünfläche auch ein Baum angepflanzt ist, berichtet Helga Giardino. Über die Gestaltung des Mahnmals spricht die Familie derzeit mit Dietzenbacher Künstlern. Fest stehe, dass auf der einen Seite ein Foto von Sedat Gürbüz zu sehen sein soll, auf der anderen eine Inschrift, die vor Rassismus warnt, sagt Giardino. Die Kosten trage die Stiftung Demokratie Leben. Die Stadt müsste lediglich für Transport und Aufbau aufkommen.

Emis Gürbüz hofft, dass die Stadtverordneten ihrer Forderung nach einer Erinnerungsstätte und dem Ehrengrabstatus nachkommen. Nicht nur der Ausländerbeirat, sondern auch die Familien der übrigen Opfer stehen hinter ihrem Anliegen. „Die sagen alle, dass Sedat das auch zusteht, sie haben jetzt gemeinsam einen Brief geschrieben und unterzeichnet“, erzählt sie. Am Montag wolle sie das Schreiben im Rathaus abgeben.

Eigentlich habe sie keine Kraft, dafür zu kämpfen, hätte sich gewünscht, dass die Stadt von sich aus mehr tue zum Gedenken an ihren Sohn: „Mein Kind war Dietzenbacher, wir sind Dietzenbacher.“ Anfangs sei ihr so viel versprochen worden, von allen Seiten, bisher habe sie davon wenig bemerkt. „Mit dem Bürgermeister habe ich vergangenen Monat zum ersten Mal gesprochen, er hat sich nie bei uns gemeldet.“

Die Entscheidung über die Anträge des Ausländerbeirats soll in der Sitzung der Stadtverordneten am Freitag, 23. Oktober, 19 Uhr, im Capitol fallen. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, ruft der Ausländerbeirat vor der Sitzung um 18 Uhr zu einer Mahnwache auf dem Europaplatz auf. „Auch die anderen Opferfamilien werden da sein, damit wir den Stadtverordneten verdeutlichen, wie wichtig das Thema ist“, sagt Helga Giardino. (Von Lena Jochum)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion