„Eine lächerliche Kreisstadt“

Im Netz regt sich Ärger über das geschlossene Waldschwimmbad

Die Entscheidung ist gefallen: Was Waldschwimmbad soll diesen Sommer leer bleiben.
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Die Entscheidung ist gefallen: Was Waldschwimmbad soll diesen Sommer leer bleiben.

Das Waldschwimmbad bleibt diese Saison zu. Wut und Enttäuschung darüber hallen vor allem im Netz nach.

Dietzenbach – Ein Shitstorm – also laut Duden „ein Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“ – ist es noch nicht, was etwa auf der Facebook-Seite des Waldschwimmbads breitgetreten wird. Aber es bewegt sich in die Richtung. Der Unmut bei Teilen der Dietzenbacher über die Entscheidung der Stadtverordneten, das Waldschwimmbad diese Saison geschlossen zu lassen (wir berichteten), ist groß: „Langsam schämt man sich für diese Stadt“, „ein Witz diese Entscheidung gegen den Bürger“ oder „eine Schande für unsere Stadtväter“ ist auf der Waldschwimmbad-Seite zu lesen. Auch von Redakteurskollegen aus den umliegenden Kommunen ist zu vernehmen, dass die Entscheidung für das Nicht-Öffnen des Freibads für Kopfschütteln bei den Nachbarstädtern sorgt. Das Einzugsgebiet des Waldschwimmbads ist ja bekanntlich groß und endet nicht an der Stadtgrenze.

Das sieht auch Grünenfraktionschefin Andrea Wacker-Hempel so, die zusammen mit der DL/FW-UDS und den Linken für eine Öffnung des Bads, vor allem aus sozialer Perspektive, gekämpft hatte. „Die, die hier nicht schwimmen können, gehen in die anderen Kommunen und nehmen den Bürgern dort im Schwimmbad die Plätze weg.“ Man könne diese Entscheidung nicht einfach so stehen lassen und zum Tagesgeschäft übergehen. Sie verstehe nicht, warum man sich nicht mit anderen Kommunen, deren Bäder öffnen, kurzgeschlossen habe. „Ich vermisse die Fantasie“, sagt Wacker-Hempel enttäuscht. Ein Facebook-Nutzer teilt diese Einschätzung auf der Waldschwimmbad-Präsenz: „Ich bezweifle sehr, dass den Verantwortlichen die Entscheidung schwer gefallen ist, denn es ist die mit Abstand einfachste Lösung.“

Jens Hinrichsen, DL/FW-UDS-Fraktionschef, ärgert sich ebenfalls noch heute über die vergangenen Freitag mit den Stimmen von CDU, SPD, WIR-BfD, AfD und FDP getroffene Entscheidung. Er ist immer noch der Ansicht, dass die vorgelegte Kalkulation der badbetreibenden Städtischen Betriebe schlichtweg falsch sei. Die Mehrkosten von 290 000 Euro seien viel zu hoch veranschlagt. Seinen Berechnungen zufolge, die zu Hinrichsens Enttäuschung aber weder im Ausschuss diskutiert wurden, noch sich im Protokoll der Sitzung wiederfanden, würde eine Schwimmbadöffnung nur zu einer Ergebnisverschlechterung von rund 70 000 bis 100 000 Euro führen. „Es ist frustrierend, dass keine Sachdiskussion stattgefunden hat“, sagt er. „Der Wert des Schwimmbads wird runtergespielt.“ Grüne, DL/FW-UDS und Linke hatten vor allem Familien und Jugendliche im Blick, für die während der coronabedingten Einschränkungen ein „attraktives Sommerangebot dringend geboten“ sei – auch angesichts der Ausschreitungen im Spessartviertel Ende Mai. Trotz hoher Kostenbelastung „halten wir es aus sozialpolitischer Sicht für dringend geboten, das Bad zu öffnen“, betont Hinrichsen für seine Fraktion.

Ein Nutzer auf op-online unterstreicht diese Einschätzung mit seinem Kommentar: „Es ist schon erstaunlich, dass eine Stadt, die bundesweit wegen sozialer Unruhen in den Schlagzeilen steht, für die gesamte Ferienzeit ihr Schwimmbad geschlossen hält. Da können die verantwortlichen Politiker nur hoffen, dass das Wetter weiterhin durchwachsen bleibt, sonst steht ihnen wohl ein wahrlich ,heißer Sommer’ bevor.“ Auch Verwunderung macht sich breit: „Da stehen jetzt diese Schwimmbecken gefüllt mit Wasser und keiner darf rein? Das ist total absurd“, schreibt eine Dietzenbacherin.

Unter anderem die Mehrkosten und ein erheblicher Aufwand bei Umsetzung des Hygienekonzeptes wurden für die Nicht-Öffnung aufgeführt. Auch sei durch eine weit geringere Besucherzahl Unzufriedenheit vorprogrammiert. Es gehe vor allem um die Sicherheit der Bürger, argumentiert die CDU. Bei der Umsetzung des dafür nötigen Konzepts bliebe „vom erhofften Familienspaß nichts“. Die SPD meint, das Bad sei bei Öffnung unter den Vorgaben nur ein Schatten seiner selbst.

Die Meinung teilen nicht alle: „Die Einwohner Dietzenbachs sind zu recht stinksauer, eine lächerliche Kreisstadt“, findet ein Facebook-Nutzer, worauf ein weiterer kommentiert: „Im März sind Kommunalwahlen.“ VON RONNY PAUL

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