Betrieb im Thesa 2.0 läuft nicht weiter wie bisher

Immer weniger Orte für gemütliche Tasse Kaffee

Dietzenbach - Ganz vorbei ist es mit dem Thesa 2. 0 noch nicht. Dennoch muss Reiner Wagner den Aufwand deutlich reduzieren. Es wäre nicht das erste Café, das die Kreisstadt verliert. Von Christian Wachter

Von Kaffee und Kuchen alleine überleben, das ist nicht einfach – für solch eine Erkenntnis braucht es keinen Ernährungsberater. Und auch Dietzenbachs Theater-Häuptling Reiner Wagner musste mit seinem Thesa 2.0, das im Juni vergangenen Jahres an der Schäfergasse eröffnete, nun diese Erfahrung machen. „Ich habe die Personalkosten einfach überschätzt“, berichtet er. „Damit sich das Ganze lohnt, bräuchte man eine Abendgastronomie.“ Trotz einiger Gruppen – seien es Vhs-Kurse oder Lehrerinnen – habe es unter dem Strich dann doch zu wenige Besucher gegeben. Die Konsequenz: Zum Monatsende ist es erst einmal vorbei mit dem inzwischen doch für viele lieb gewonnenen Betrieb. „Es geht aber vorerst weiter, auf andere Art und Weise.“ Wagner hat vor, noch dreimal die Woche – unter Berücksichtigung fester Buchungen wohl mittwochs bis freitags – halbtags zu öffnen. Die große Kaffeemaschine soll einer kleineren weichen, so manche Sitzgelegenheit einem Stehtisch.

Bis Ende Mai will sich Wagner ein Bild davon gemacht haben, ob sich der Betrieb so stemmen oder sich eine komplette Schließung nicht verhindern lässt. „Wenn Miete und Energie bezahlt sind, dann bin ich voll zufrieden.“ Die Schichten übernimmt er selbst. „Mit den Leuten sprechen, das kann ich ja.“ Auch der Ticketverkauf über den Anbieter „AD Ticket“ soll weitergehen. Es brauche aber eben seine Zeit, bis es in den Köpfen der Menschen ankomme, dass sich so Karten für so gut wie jedes Konzert erwerben lassen, bedauert Wagner. Auch am Anbieter Eventim sei er dran gewesen, allerdings mit recht einseitiger Kommunikation.

Mit der kompletten Personalstärke kann Wagner indes nicht weitermachen. Den zwei Minijobbern kann er zwar eine äquivalente Beschäftigung im Thesa-Hauptsitz am Harmonieplatz anbieten, mehr wäre für die derzeitig Vollbeschäftigte im Thesa 2.0 aber auch nicht drin. Das tut mir natürlich leid, aber ich kann da nicht über meine Verhältnisse leben.“

Den hinteren Raum will Wagner nach wie vor als Lagerfläche für Requisiten nutzen. Das sei ohnehin der ursprüngliche Plan gewesen. Schließlich lagerten Militärmäntel, Hüte, Schminke und Co. zuvor verteilt auf zwei Garagen, Wagners Keller und hinter der Bühne des Theaters Schöne Aussichten.

In jedem Fall fortgeführt werden soll das Thesa-Quizzing. Selbst wenn es doch ganz vorbei wäre mit dem Thesa 2.0, würde er es an den Harmonieplatz verlegen, wegen der höheren Kapazität dort dann an einem statt an zwei Abenden im Monat. Fest geplant sind auch zwei Lesungen. Dass das Thesa 2.0 nicht das einzige Café ist, in dem es nicht wie gehabt weitergeht, bedauert so mancher Kreisstädter. Schließlich sind in der jüngeren Vergangenheit schon das Künstlercafé Mocca, das Café Pinguin und das Café Central weggebrochen.

Ist Kaffee Teufelszeug oder ein Wundermittel?

Jemand, der sich dort immer gerne aufgehalten hat, ist Horst Schäfer. „Es ist ein Stück Kultur, in einem Café zu sitzen, gerade in einer Zeit, in der alles immer schneller geht, hat man die Gelegenheit, auch mal zu rasten.“ Das Café Mocca sei Kult gewesen, ein Ort auch für Ausstellungen und Lesungen in dem er schon selbst musiziert habe. Das Café Pinguin wiederum habe einen Wiener Charme gehabt und auch das Thesa 2.0 sei „wunderschön“. Dass solche Angebote nicht immer angenommen werden, sei traurig, wo doch gerade in der Altstadt jeder danach lechze.

Wagner würde das Thesa 2.0 im Rückblick dennoch wieder eröffnen. „In kleinerem Rahmen allerdings, und ich mache es ja auch nicht zu, sondern erfinde es neu.“

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