Verwirrung

Quarzsandabbau im Eulerwald: Sind die Pläne nun vom Tisch? 

+
Irritationen um Quarzsandabbau im Eulerwald: Kommt er jetzt doch? 

Das Thema Quarzsandabbau im Eulerwald scheint noch nicht vom Tisch. Zwei weitere Fraktionsanträge wollen das Vorhaben von Q-Sand verhindern. Das Unternehmen wirbt weiter für seine Pläne.

Dietzenbach – Kaum ein Thema ist in der Kreisstadt Dietzenbach in den vergangenen Monaten so hochgekocht wie der mögliche Quarzsandabbau im sogenannten Eulerwald. Doch so richtig klar scheint noch nicht, ob es trotz Stadtverordnetenbeschluss zum Quarzsandabbau kommt oder die Pläne der Firma Q-Sand nun auf Eis liegen. Da gibt es unterschiedliche Ansichten.

Die Bürgerinitiative „Hände weg vom Sand im Wald“ meint: Bei der Stadt Dietzenbach liegt nach Bundesberggesetz die Entscheidungsgewalt. Zudem hat die Bürgerinitiative beim Regierungspräsidium Darmstadt und bei der Stadt Dietzenbach Akteneinsicht beantragt – man wisse ja nicht, was drin steht – und wartet nun auf einen Termin.

Quarzsandabbau im Eulerwald in Dietzenbach: Grüne mit Antrag

Die Fraktion der Grünen hat für die kommende Stadtverordnetenversammlung am Freitag, 28. Juni, einen Antrag eingereicht, dass der Magistrat „kein planungsrechtliches Einvernehmen zum möglichen Sandabbau im Dietzenbacher Eulerwald erteilt“. Nach dem einstimmigen Beschluss, keinen Sandabbau im Eulerwald zuzulassen, zeigen sich die Grünen irritiert, dass es vonseiten des Bürgermeisters hieß, die Kreisstadt sei lediglich Beteiligte des dazu gehörigen Planungsverfahrens.

Die Prüfung werde weitergehen. Die Entscheidung liege beim Regierungspräsidium, hatte Jürgen Rogg betont. Die Grünen dagegen erachten einen weiteren Beschluss als „dringend notwendig“, um Klarheit für alle Seiten zu schaffen. Die Fraktion DL/FW-UDS hat zu dem Grünen-Vorstoß einen Änderungsantrag eingereicht und möchte den Magistrat damit beauftragen, „durch den Hessischen Städtetag oder den Hessischen Städte- und Gemeindebund zeitnah ein Gutachten erstellen zu lassen, durch das mit Bezug auf die Pläne zum Quarzsandabbau eindeutig die verwaltungstechnischen Abläufe sowie die gegebenenfalls notwendigen juristischen Maßnahmen dargelegt werden“. Auch die DL/FW-UDS zeigt sich irritiert „in der technisch und juristisch anspruchsvollen Thematik“.

Quarzsandabbau im Eulerwald in Dietzenbach: Q-Sand hält an Antrag fest 

Peter Ruhm, Generalbevollmächtigter der Firma Q-Sand, möchte an seinem Antrag an das Regierungspräsidium festhalten und wartet auf einen Termin. Zuständig für den Rohstoffabbau ist das Regierungspräsidium Darmstadt. „Genehmigungen werden nur an Unternehmen erteilt, die eine notwendige Fachkompetenz, Erfahrung und eine ausreichend finanzielle Ausstattung haben, um einen ordnungsgemäßen Abbau zu gewährleisten“, betont Ruhm.

Für die bereits im Eulerwald erfolgten Bohrungen, Rohstoffanalysen, geologischen Erkundungen und Behördenkosten habe Q-Sand bereits rund 200. 000 Euro ausgegeben, „ohne eine einzige Tonne Sand zu fördern“. Ruhm betont, „der Eulerwald ist nicht der einzige Wald in Dietzenbach“. Der Waldanteil in der Kreisstadt betrage mit etwa 632 Hektar rund ein Drittel der Gesamtfläche.

Quarzsandabbau im Eulerwald in Dietzenbach: 200 Hektar von Hessen-Forst bewirtschaftet

„Von diesen Waldflächen werden bereits 200 Hektar nicht mehr von Hessen-Forst bewirtschaftet – ohne eine positive Umweltverträglichkeitsprüfung gibt es keine Abbaugenehmigung in Dietzenbach“, sagt Ruhm, der darauf verweist, dass die notwendigen Rodungen in Abstimmung mit Hessen-Forst vorgenommen würden und der Trockenabbau wieder mit unbelastetem Boden verfüllt würde. „Oberboden und Humus werden abgetragen und in Mieten gelagert, bis die Flächen wieder verfüllt sind.“ Er erläutert weiter: „Etwa 50 Prozent der Abbauflächen wurden später in Naturschutzgebiete verwandelt, weil sich zwischenzeitlich dort wertvolle Biotope entwickelt hatten.“

Der CDU-Stadtverbandschef Stephan Gieseler sieht das Ganze gelassen: „Die Bürger können sich entspannen.“ Die Stadtverordneten haben eine klare Botschaft an den Magistrat gesendet, dass im Eulerwald kein Abbau stattfinden soll.

Quarzsandabbau im Eulerwald in Dietzenbach: Das sagt das Regierungspräsidium

„Das bedeutet, die Stadt muss in allen Verfahren Nein sagen.“ Und nirgends dürfe ohne Zustimmung des Eigentümers geschürft werden, betont Gieseler. Bürgermeister Jürgen Rogg sagt auf Nachfrage, die Stadt habe grundsätzlich noch keinen Kontakt mit dem Regierungspräsidium in der Sache gehabt. Sollte Q-Sand ein Verfahren anstrengen, werde die Stadt als Prozessbeteiligter gefragt. Und da betont Rogg: „Natürlich werde ich die Meinung der Stadtverordneten vertreten.“

Auf Nachfrage beim Regierungspräsidium heißt es: „Es läuft bei uns aktuell noch kein diesbezügliches bergrechtliches Verfahren. Nach dem Beschluss der örtlichen Gremien gehen wir davon aus, dass auch kein entsprechender Antrag mehr bei uns gestellt wird. Denn: Dieser müsste von uns abgelehnt werden, da absehbar kein Zugriff auf die fraglichen Flächen besteht.“ Sprich: Sollten die Stadtverordneten nicht von ihrem Veto abweichen, kommt es zu keinem Sandabbau. Denn das würde einer Enteignung gleichkommen.

VON RONNY PAUL

Lesen Sie auch:

Der Wald und sein Wert

Trotz eines entsprechenden Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung ist der Quarzsandabbau im Eulerwald noch nicht vom Tisch. Letztlich entscheidet das Regierungspräsidium Darmstadt. Naturschützer Rudolf Keil will deutlich machen, was dabei alles auf dem Spiel steht.

Fraktionen einig bei Plänen im Eulerwald: Finanzieller Rahmen für 800-Jahr-Feier steht

Wenn sich auf der Tribüne mehr Zuschauer eingefunden haben als es Stühle gibt, und die Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer die Besucher bittet, von Beifallsbekundungen abzusehen, wird schnell klar.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare