Ein wenig unter die Flügel greifen

Jäger kümmert sich um Fasanenbestand in seinem Revier

Schnappschuss mit der Wildkamera: Stefan Kaufmann freut sich über die Fasane in seinem Jagdrevier, für die er Futterstellen errichtet hat. Fotos: liz/p
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Schnappschuss mit der Wildkamera: Stefan Kaufmann freut sich über die Fasane in seinem Jagdrevier, für die er Futterstellen errichtet hat.

Manchmal hört man ihn aus dem Raps rufen. Oder man sieht ihn auf einem Ausflug mit seiner Liebsten: den Fasan.

Dietzenbach – Während die erdfarbene Henne eher ungesehen über die Felder rund um den Geschichtspfad an der Verlängerung der Ober-Rodener-Straße huscht, fällt der Gockel mit kräftig blauem Hals und roter Gesichtszeichnung vielmehr ins Auge. In den Morgenstunden gehen die Hühnervögel gerne auf den Wiesen des Jagdgebietes drei spazieren.

Der Jäger Stefan Kaufmann hat auf den rund 200 Hektar zwischen Vélizystraße und Kreisquerverbindung bislang vier Hähne und zwei Hennen gezählt. Zu wenig in den Augen des 54-Jährigen, der Mitglied in der Jagdgenossenschaft ist. Und Grund genug, den gefiederten Mitbürgern ein wenig unter die Flügel zu greifen. In den Wintermonaten hat Kaufmann bereits Fütterungen aufgestellt, damit die Fasane genügend Nahrung finden. Die selbst gebauten Spender hat der Jäger regelmäßig überprüft. „Sie wurden sehr gut angenommen – ein Zeichen also, dass die Zahl der Tiere beständig ist“, sagt er, „das motiviert“. Mit den wärmeren Temperaturen nimmt die Beliebtheit der Futterstellen ab, weil die Fasane nun mehr Samen und Blumen finden. Diese mögen zwar ein erwachsenes Tier sättigen, Küken aber brauchen zum Großwerden proteinreichere Kost. Aus diesem Grund hat Kaufmann nun an verschiedenen Stellen kleine Misthaufen abgesetzt, um Insekten anzulocken. Das freut nicht nur Fasane: Auch Fledermäuse und Eidechsen bedienen sich an dem Büffet. Zudem dient der Misthaufen in kühlen Nächten als warmer Schlafplatz für die Hühnervögel.

Fasane sind sogenannte „Nestflüchter“. Das bedeutet, dass sich die Küken direkt nach dem Schlüpfen mit der Mutter auf Nahrungssuche begeben – und nicht, etwa wie Amseln, behütet im Nest bleiben und gefüttert werden. Außerdem nisten die Tiere am Boden. „Umso wichtiger ist es, dass Hundehalter in der Brut- und Setzzeit auch wirklich Rücksicht nehmen“, betont Kaufmann.

Als einer von rund 470 000 ehrenamtlichen Jägern ist ihm der Naturschutz wichtig. „Jäger sein bedeutet nicht, einfach nur ‚Trophäen‘ zu schießen, auch wenn das Bild leider in vielen Köpfen festsitzt“, sagt der 54-Jährige. Nicht umsonst werde die Jägerprüfung auch als das „grüne Abitur“ bezeichnet. „Für den Jagdschein lernt man wirklich über Jahre hinweg“, erläutert Kaufmann. Die Dietzenbacher Jagdgenossenschaft hat die Fläche der Kreisstadt in vier Gebiete aufgeteilt, die zwischen 200 und 250 Hektar groß sind. Auf diesen rund 1000 Hektar kümmern sich die Jäger und Mitglieder um den Erhalt der Natur und bessern beispielsweise Feldwege aus. „Wenn ich unterwegs bin und Spaziergänger sehe, die quer durch ein Naturschutzgebiet laufen, spreche ich diese auch mal an“, erzählt Kaufmann. Oft zeigen sich die Menschen nach kurzen Erklärungen einsichtig. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch solche, die die Sprossen der Hochsitze ansägen oder diese mit Parolen beschmieren. „Das ist dann natürlich ärgerlich, weil viele nicht sehen, dass wir auch helfen.“ An der Fuchsräude etwa, die bei erkrankten Tieren zum Tod führen kann, können sich auch Haushunde anstecken. Deswegen sei es für den Naturschutz und den eigenen Schutz am besten, sich auf den Feld- und Waldwegen aufzuhalten. Kaufmann informiert: „Nicht nur Bodenbrüter wie Fasane werden sonst verscheucht, sondern auch anderes Wild.“ Dass der Mensch neugierig – und vielleicht auch übergriffig – ist, zeigt sich an der Schneise, die die Fallböe vergangenen August Richtung Nieder-Roden hinterlassen hat. Dort wurde das Totholz nun entfernt und viel Fläche freigelegt. „Da spazieren jetzt viele entlang, weil es ein neuer Einblick in den Wald ist – aber eben auch in den Lebensraum von vielen Tieren.“

VON LISA SCHMEDEMANN

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