Vor 50 Jahren

Evangelische Kirche in Dietzenbach eingeweiht – Eine Stätte der Besinnung

In ganz Dietzenbach sang und klang es am „Tag des Liedes“ im Juni 1970. Am Taunusplatz in Steinberg sang Germania Frohsinn unter der Leitung von Georg Christian Keim. REPRO: SCHOLZE

Vor einem halben Jahrhundert war Dietzenbach noch eine kleine Gemeinde. In dieser Zeit wurden die Weichen gestellt für die rasante Entwicklung des Ortes.

Dietzenbach – Vor einem halben Jahrhundert war Dietzenbach noch eine kleine Gemeinde mit rund 10 300 Einwohnern. In dieser Zeit wurden die Weichen gestellt für die rasante Entwicklung des Ortes. Anhand zeitgenössischer Beiträge in der Offenbach-Post und der Gemeinde-Post zeigen wir, was die Bürger damals bewegt hat.

Nach „monatelangem fleißigem Wirken der Handwerker, Sorgen der Verantwortlichen und der vorübergehenden Verbannung der Gläubigen aus ihrem Gotteshaus“ wird im Juni 1970 die frisch renovierte evangelische Kirche eingeweiht. „Unter festlichem Glockenläuten zogen Probst Ernst Dondorf, an seiner Seite der Steinberger Pfarrer Klaus Keller, der die pfarrerlose Gemeinde Dietzenbach betreut, und die Herren des Kirchenvorstandes in die bis auf den letzten Platz besetzte Kirche ein.

In dem folgenden Einweihungsgottesdienst seien verschiedene Festredner ausführlich auch auf die Kritik eingegangen, man habe so viel Geld in eine Kirche gesteckt, anstatt damit etwas „Vernünftiges“ zu tun, wie einen Kindergarten zu bauen oder das Geld für Hungernde zu verwenden. Laut der Gemeinde-Post habe sich der Probst in seiner Antwort vor allem an die örtlichen Politiker gewandt: „Wollt ihr in diesem Jahr der Stadtwerdung an dieser Stelle ein Schmuckkästchen oder einen Schandfleck stehen haben? Wollt ihr das einzige historische Bauwerk dieser Stadt verkommen lassen?“ In diesem Sinne wünsche er dem Gotteshaus für die Zukunft, dass es eine Stätte der Besinnung, der Einkehr, des Trostes und des Friedens, des Lebens und des Dankes sein solle.

Als weiterer Redner habe der für die Renovierung zuständige Architekt, Dr. Johannes Sommer, neue Erkenntnisse zu dem Gebäude mitgeteilt: „Die Kirche ist, wie wir jetzt mit Sicherheit wissen, im 9. Jahrhundert erbaut worden. Wir können mit Recht statt einer 750-Jahr-Feier eine tausendjährige begehen, wenn wir auf die Stimme der Steine, also der nicht geschriebenen Dokumente hören würden.“ So seien beim Ausschachten gar Zeugnisse gefunden worden, die auf noch viel ältere Zeiten hinweisen würden, etwa die Römerzeit. Aus dem älteren Kirchlein, das zuvor an dieser Stelle gestanden habe, stammten „mit Sicherheit“ der Opferstock und die Empore mit den wiederhervorgeholten Aposteln. Die Zeitung zitiert den Architekten: „Wir haben so viel Mühe und Sorgfalt aufgewendet, weil wir der Meinung sind, dass es nicht unbillig ist, dass eine christliche Gemeinde, die ihre heutige Existenz erfüllt, sich ihrer tausendjährigen Tradition bewusst ist.“

Ganze zwei Seiten widmet die Gemeinde-Post in dieser Ausgabe ebenso dem „Dietzenbacher Sängertreffen“, das ein „unvergessliches Erlebnis“ für alle Teilnehmer gewesen sei: „Einen der Höhepunkte der Festlichkeiten zur 750-Jahr-Feier der Gemeinde Dietzenbach schuf die Turngesellschaft mit dem internationalen Chorfestival am vergangenen Samstag. Schwedische, niederländische und tschechoslowakische Sängerinnen und Sänger waren nach Dietzenbach gekommen, aus Anlass einmal des 750. Geburtstages der künftigen Stadt Dietzenbach, zum anderen des 85-jährigen Bestehens der Turngesellschaft.“ Für die ausländischen Gäste habe die Gemeinde in der SG-Halle einen großen Empfang ausgerichtet.

Über „Sang und Klang“, dieses Mal „auf allen Straßen“, berichtet die Gemeinde-Post ebenfalls: „Zum Tag des Liedes hatten die Dietzenbacher Gesangsvereine vormittags auf verschiedene Plätzen innerhalb der Gemeinde eingeladen, am Nachmittag sangen der evangelische Kirchenchor Steinberg und der katholische Kirchenchor vor der Waldkapelle Steinberg.“ Pünktlich um 11 Uhr habe das „große Singen“ in Dietzenbach begonnen: „Auf dem Taunusplatz in Steinberg war die Germania Frohsinn, am Rondell in der Wiesenstraße der Arbeitergesangverein Vorwärts, auf dem Marktplatz die Turngesellschaft mit ihren schwedischen und niederländischen Gästen, auf dem Hexenberg der Gesangverein Sängerkranz. Überall ernteten die Sängerinnen und Sänger viel und herzlichen Beifall.“

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