„Jagdfieber“ ergreift Hobby-Archäologen

Vor 50 Jahren: Gräberfunde im östlichen Dietzenbach - Jubiläum für Handballer Wehnert

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„Blütenpracht im Neubaugebiet“ betitelte im Mai des Jahres 1970 die Gemeinde-Post dieses Bild. 

Vor 50 Jahren packte Hobby-Archäologen in Dietzenbach das Jagdfieber. Auch ein Handballjubiläum gab es. Ein Rückblick.

Dietzenbach – Vor einem halben Jahrhundert war Dietzenbach noch eine kleine Gemeinde mit rund 10 .300 Einwohnern. In dieser Zeit wurden die Weichen gestellt für die rasante Entwicklung des Ortes. Anhand zeitgenössischer Beiträge in der Offenbach-Post und der Gemeinde-Post zeigen wir, was die Bürger damals bewegt hat.

Im Mai des Jahres 1970 kann einer der erfolgreichsten Dietzenbacher Handballer ein kleines Jubiläum feiern: Wie die Gemeinde-Post mitteilt, hat Herbert Wehnert zum 25. Mal das Trikot der Nationalmannschaft angezogen. Indes wird ebenso berichtet, dass er mit seinen Dietzenbacher Mannschaftskameraden vor einem schweren Auswärtsspiel steht: „Nach der Zwangspause von Pfingsten geht es für die Handballer der Sportgemeinschaft Dietzenbach in der Bundesliga, Gruppe Süd, mit Volldampf weiter.“ So müsse man gegen Großwallstadt in ein „schweres Derby“ gehen. Abteilungsleiter Friedel Deller habe sich folgendermaßen geäußert: „Für Großwallstadt ist das Spiel gegen uns der letzte Aufhänger. Verliert man, dann ist sowohl der erste als auch der zweite Platz vergessen. Dazu kommt für uns noch die bekannte Heimstärke der Unterfranken. Es wird hart werden, doch ich habe Vertrauen zu meiner Mannschaft.“

Neben der Frage, ob sich die Trainingspause positiv oder negativ auswirke, gehe es auch darum, dass bei den Dietzenbachern „nervliche Probleme“ auftauchen könnten: „Im Bundesligaaufstiegsspiel gegen Milbertshofen wurden gerade hier die Mängel mehr als deutlich. Viel Selbstvertrauen und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein gehören zu den Grundvoraussetzungen für ein Bestehen in der Großwallstädter Jahnkampfbahn. Im Vorjahr verlor die SGD dort mit 15:20 Toren. Heute hat man aber einen Herbert Wehnert, der an guten Tagen die Lücken von damals alleine schließt. Schließen kann, wenn er sich in den Dienst des Teamworks stellt. Gegen Soli auf Zeit ist nichts einzuwenden, doch auf die Dauer sollte er sich umstellen, wenn der Erfolg nicht eintritt. Das gilt aber nicht nur für Wehnert, in gleichem Maße auch für Rettig, Baum und die anderen Angreifer.“

Gräberfund aus der Urnenfeldzeit

Einer ganz anderen Seite des Ortes Dietzenbach haben sich zeitgleich einmal mehr Dietzenbacher Hobby-Archäologen gewidmet. Wie es im Jahr 1970 bereits seit fünf Jahren Brauch ist, waren unter Regie von Kreisbodendenkmalpfleger Klaus Ulrich der örtliche Vertrauensmann Werner Raab, der Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins, Heinrich Berz, und mehrere Bürger zusammengekommen, um in einem Grabfeld im östlichen Dietzenbach fündig zu werden. 

Dabei wurde unerwartet sogar ein Grab aus der Urnenfelderzeit (Anm. d. Red.: etwa 1300 bis 800 vor Christus) entdeckt. Die Gemeinde-Post berichtet: „Das Zelt war praktisch schon abgebaut, die Kocher waren eingepackt, da wurde Alarm gegeben und das Jagdfieber ergriff die Archäologen.“ Interessant sei in diesem Jahr vor allem die Berufsskala der Teilnehmer gewesen: „Da waren Lehrer, Verwaltungsbeamte, sogar ein Regierungsrat. Ein Elektrotechniker war dabei, ein Elektroniker, ein Meteorologe, weiter ging es mit einem Messerschmied, einem Hafnermeister, einem Lufthansa-Steward. Zum Teil waren auch ihre Frauen mitgekommen, auch die Kinder und die Waldis haben nicht gefehlt.“

Vorsichtig sei man ans Werk gegangen, sorgfältig sei die Fläche katastermäßig eingemessen worden. „Suchgräber wurden angelegt, ganz flach musste gegraben werden, denn die eventuell vorhandenen Gräber liegen verhältnismäßig flach unter dem heutigen Erdboden. Und wenn dann plötzlich vielleicht ein bisschen Leichenbrand oder Spuren von Bronze oder irgendein alter Scherben gefunden wird, dann wird es spannend.“

Gefunden habe man Reste von vier Gräbern aus der Latène-Zeit und eben das eine aus der Urnenfelderzeit, das noch mal 100 Jahre älter sei und mit dem man an der Stelle nicht gerechnet habe. „35 Gräber wurden in den letzten fünf Jahren in dem Dietzenbacher Gräberfeld gefunden“, teilt die Zeitung mit. So habe der Ort in Fachkreisen inzwischen eine „gewisse Berühmtheit“ erlangt.

VON BARBARA SCHOLZE

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