Heiße Eisen und ein Jubiläum

Vor 50 Jahren stellte Dietzenbach von Stadt- auf Erdgas um

Im April 1970: Die Gastwirtschaft Eckert an der Babenhäuser Straße feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit Prominenz und Freibier.
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Im April 1970: Die Gastwirtschaft Eckert an der Babenhäuser Straße feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit Prominenz und Freibier.

Vor einem halben Jahrhundert war Dietzenbach noch eine kleine Gemeinde mit rund 10 .300 Einwohnern. In dieser Zeit wurden die Weichen gestellt für die rasante Entwicklung des Ortes.

Dietzenbach – Anhand zeitgenössischer Beiträge in der Offenbach-Post und der Gemeinde- Post zeigen wir, was die Bürger damals bewegt hat.

Im April 1970 steht Dietzenbach kurz vor der Umstellung von Stadt- auf Erdgas. Die Gemeinde-Post berichtet: „Dietzenbach ist die erste Gemeinde im Bereich des Gasversorgungsverbandes Obertshausen, in der umgestellt wird. Zum Gasversorgungsverband Obertshausen gehören außer Dietzenbach die Stadt Heusenstamm, die Gemeinden Hausen, Lämmerspiel, Obertshausen, Weiskirchen, Hainhausen und Jügesheim.“ Eine Stadtgasbelieferung stehe nicht mehr zur Verfügung. Alle Dietzenbacher seien bereits zu einer Geräteüberprüfung aufgesucht worden. „Es musste und muss festgestellt werden, welche Gasgeräte noch umstellbar sind und welche Geräte für die Erdgasbelieferung nicht mehr verwendet werden können.“ Sei ein Herd noch geeignet, könne für die Dauer des Umbaus zum Preis von fünf Mark Mietgebühr wöchentlich ein Leihkocher gestellt werden. Die Umbaukosten müsse der Abnehmer zahlen, sie umfassten je nach Gerät zwischen 40 und 330 Mark. Auch eventuelle neue Geräte müssten selbst finanziert werden.

Dietzenbach: Gastwirtschaft Eckert feiert 100-Jähriges

100-jähriges Bestehen feiert indes die Gastwirtschaft Eckert an der Babenhäuser Straße. Die Gemeinde-Post schreibt: „Und diese 100 Jahre wurden zu einem wahren Volksfest, denn viele Dietzenbacher ließen es sich nicht nehmen, Ludwig Eckert und seinem Sohn Alfred Eckert, der seit 1968 die Gastwirtschaft führt, zu gratulieren. Sogar die Prominenz, Bürgermeister Hermann Kocks, Erster Beigeordneter Jürgen Heyer und Gemeindevertretervorsitzender Karl Deller waren gekommen. Freibier gab es auch, allerdings lieferte die Brauerei erst am nächsten Tage an. Doch das tat der Freude keinen Abbruch.“

Anlässlich eines „kommunalpolitischen Frühschoppens“ der SPD-Arbeitsgemeinschaft Steinberg gibt Bürgermeister Hermann Kocks einen Bericht zum Stand der Baumaßnahmen der Kindertagesstätte Steinberg, in der Plätze für bis zu 100 Kinder vorgesehen sind. Die Zeitung schreibt: „Termingemäß soll sie bis Ende August fertiggestellt sein und in Betrieb genommen werden. Allerdings hat der lang andauernde Winter hier einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, und die Handwerker werden natürlicherweise etwas Schwierigkeiten haben, diesen Termin einzuhalten. Auf der anderen Seite natürlich werden alle verantwortlichen Stellen bemüht sein, bei diesem Termin zu bleiben.“ Genügend Kindergärtnerinnen habe die Gemeinde bereits eingestellt. „Diese Frage war unbedingt zu lösen, da ja zu etwa gleicher Zeit der allerdings in Fertigbauweise zu erstellende Kindergarten im Hexenberggebiet in Betrieb genommen werden soll.“

Dietzenbach: Jungsozialisten packen „heißes Eisen“ an

Ein „heißes Eisen“ packen laut der Gemeinde-Post die Jungsozialisten in einer öffentlichen Veranstaltung an. „Dozent Hans Branscheidt wird über das Thema ‘Strategie der Arbeiterklasse in spätkapitalistischen Gesellschaften’ referieren.“ Unter diesem Thema gehe es beispielsweise um die Situation der lohnabhängigen Bevölkerung in Südamerika. „Werden dort allein soziale Reformen genügen oder verlangt die Bevölkerung die Abschaffung der bestehenden Systeme? Es wird über den Konflikt zwischen Arbeit und Kapital gesprochen werden und über die Formen der Auseinandersetzung der beiden Kontrahenten über die Zielvorstellungen des DGB: Ausweitung der Mitbestimmung und bessere Möglichkeiten zur Vermögensbildung für Arbeitnehmer.

VON BARBARA SCHOLZE

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