Umfangreiches Zahlenwerk

Jens Hinrichsen präsentiert Gemeindestatistik – „Ich will Neugierde schaffen“

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Lokalpolitiker mit Zahlenaffinität: Jens Hinrichsen von der DL/FW-UDS. 

In Dietzenbach hat sich Jens Hinrichsen die aktuelle Hessische Gemeindestatistik angesehen und daraus ein umfassendes Dokument erstellt.

Dietzenbach – Wer schon mal einen Ausschuss oder eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung besucht hat, dem könnte es durchaus aufgefallen sein: Jens Hinrichsen (DL/FW-UDS) hat eine Affinität zu Zahlen – und zu Tabellenkalkulationen. 

Einmal mehr hat er sich nun die aktuelle Hessische Gemeindestatistik angesehen und daraus ein umfassendes Dokument erstellt. Damit lassen sich für jede Kommune nicht nur Werte für verschiedene Kategorien abrufen, Beschäftigungszahlen oder Daten aus der Landwirtschaft zum Beispiel, auch ein Vergleich ist möglich, sei es nun ein zeitlicher oder einer mit dem Kreis oder dem Land.

„Es geht darum zu schauen, wo wir im Verhältnis zu den anderen stehen, gerade im Vergleich zu Orten, die ähnlich strukturiert sind“, sagt Hinrichsen. Ein besonderer Reiz liege aber auch darin, sich Werte für unterschiedliche Jahre anzuschauen. So liefern die Tabellen neben den aktuellen Daten auch jene für 2014 und 2009. Ein Zeitraum von fünf oder zehn Jahren bietet sich laut Hinrichsen schon deshalb an, weil manche Daten nicht in jedem Jahr neu erfasst werden. „Mein Credo ist es, andere dazu zu bewegen, mit Zahlen zu argumentieren“, sagt der promovierte Betriebswirtschaftler und Diplom-Kaufmann im Ruhestand. So gelte es etwa, gerade bei den Bevölkerungszahlen auch deshalb genau hinzuschauen, weil sich daraus ergebe, ob es Veränderungen bei der Infrastruktur braucht.

Hat man sich in Dietzenbach bei der Grundsteuer B mit einem Hebesatz von 600 Prozent dem Mittelfeld angenähert, blickt Hinrichsen auf so manch andere Zahl schon sorgenvoller. 20,5 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer haben laut dem Dokument keinen beruflichen Ausbildungsabschluss, das sind deutlich mehr als im Kreis Offenbach (13,7) und im Land Hessen (13,3).

Mit 12 496 gibt es in Dietzenbach 17 Prozent mehr Sozialversicherungspflichtige als noch vor zehn Jahren. Allerdings: Der Wert im Kreis ist im gleichen Zeitraum um 17,4, der im Land um 20,2 Prozent gewachsen. Ins Grübeln bringen Hinrichsen auch die Zahlen für das Bauhauptgewerbe. Um 40,2 Prozent sind die Arbeitsstunden in diesem Sektor in den vergangenen fünf Jahren angestiegen, Lohn und Gehalt stiegen im selben Zeitraum allerdings nur um 28,9 Prozent. Zum Vergleich: Im Kreis gab es mit 40,3 Prozent einen fast identischen Anstieg der Stunden zu verzeichnen, bei Lohn und Gehalt allerdings steht ein Plus von 53,3 Prozent zu Buche.

Dass Dietzenbach eine junge Stadt ist, lässt sich durch die Statistik problemlos belegen. 7,0 Prozent der rund 34 000 Einwohner sind noch keine sechs Jahre alt, mehr als im Kreis (6,0) und im Land (5,7). Älter als 64 Jahre sind 19,2 Prozent – weniger als im Kreis (21,2) und im Land (20,6). Gerade der Blick auf die Altersstruktur könne auch für viele Unternehmen von Interesse sein, etwa in der Touristikbranche, betont Hinrichsen. Auch dafür, dass man die Grünflächen nicht reduzieren solle, findet Hinrichsen in dem Zahlenwerk Argumente. So hat Dietzenbach mit einer Waldfläche von 798 Hektar und damit 36,8 Prozent im Vergleich zu den Werten in Kreis (43,0) und Land (39,8) das Nachsehen.

Statistikaffin war Hinrichsen schon, als er in Zeiten von Lochkarten und Zentralrechnern, in denen mit EDV nur eine Handvoll Leute etwas anfangen konnte, bei der Lufthansa arbeitete. Warteschlangenanalysen und später Luftverkehrsdaten waren seine Zuständigkeitsbereiche, als es für das Flugunternehmen etwa zu klären galt, wie rentabel Flüge von Frankfurt nach Houston sein könnten. „Keine Statistik ist vollständig und fehlerfrei“, sagt der Lokalpolitiker. Arbeit sei das Erstellen der aktuellen Tabellen aber nicht für ihn. „Ich will Neugierde schaffen.“

Info

Die komplette Statistik mit Erläuterungen zur Anwendung gibt es online.

VON CHRISTIAN WACHTER

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