Gefeiert wird vorerst nicht

Jubiläum ohne Gäste: Blumenladen in Dietzenbach feiert 10-Jähriges

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„Ich denke in Blumen“, sagt Floristin Christine Eschmann. Vor genau zehn Jahren verwirklichte sie sich den Traum vom eigenen Laden. Bis sie das Jubiläum feiern kann, dauert es nun leider.

Ihr Jubiläum hat sich Christine Eschmann aus Dietzenbach anders vorgestellt. Mit Sekt vielleicht, mit Blumen gewiss und auf jeden Fall mit ihren Stammkunden.

Dietzenbach – Ihr Blumengeschäft „Art Floral Design“ in der Frankfurter Straße 78 musste jedoch wegen der Corona-Krise geschlossen bleiben. Im März hätte die Floristin gerne den zehnten Geburtstag ihres Ladens gefeiert. Stattdessen hat sie ihre Zeit mit Aufräumen verbracht.

„Ein bisschen sentimental wird man da ja schon“, gibt die 53-Jährige zu. Aber diese Gedanken habe sie schnell beiseitegeschoben, denn schließlich wäre das ja nicht das erste Mal, dass etwas nicht genau nach Plan läuft. „Um den Laden zu öffnen, musste ich einen Businessplan aufstellen“, erzählt Eschmann. Als sie sich kurz an den Plan erinnert, muss sie schmunzeln. „Gar nicht mehr vergleichbar mit dem, was daraus geworden ist“, meint sie und winkt lachend ab. Und das ist gut so.

Jubiläum in Dietzenbach: „Ich denke immer in Blumen“

Den Gedanken, eines Tages einen eigenen Blumenladen zu eröffnen, hat Eschmann lange in sich getragen. Zwar war sie bereits in Eschborn Filialleiterin eines Geschäfts, doch richtig frei war sie dort nicht. Zwischen Familienplanung und dem Vorhaben, nach Amerika auszuwandern, war „Art Floral Design“ stets präsent. Bis die Frankfurterin im Jahr 2010 den Schritt schließlich gewagt hat. „Am meisten genieße ich daran, mein eigener Herr zu sein“, sagt die Floristin. Für diesen Freiraum hat sie sich mit ihrem Laden verwirklich.

Christine Eschmann gibt sich gern Dingen hin, bei denen man geneigt ist, sie eher als Kunst denn als floristisches Werk zu bezeichnen. Bei ihr verwässert diese Grenze. „Das bin eben ich“, sagt sie entschlossen. Sie nimmt neue Ideen gerne auf und entwickelt ihre eigenen daraus. „Und ich denke immer in Blumen“, beschreibt die 53-Jährige. Sie kam schon früh in Berührung mit dem Beruf, als Jugendliche hat sie an einem Marktstand für Schnittblumen gearbeitet.

Während Eschmann in Erinnerungen schwelgt, halten ihre Hände nicht still. Aus einem Nylonfaden und hellbraunem Packpapier für Blumensträuße bastelt sie mit wenigen Handgriffen Vögel. Noch ein letzter Knoten und der nächste geflügelte Kamerad kann sich zu den übrigen gesellen, die bereits von der Decke des kleinen Ladens hängen. Neben der kreativen Freiheit hat sich Eschmann mit der Präsenz auf Wochenmärkten ein zweites Standbein geschaffen. „Das stand zwar nicht auf dem Plan, aber das erinnert mich an meine Anfangszeit.“

Blumenladen in Dietzenbach: Freud und Leid liegen nah beieinander

Im Beruf des Floristen sind Freud und Leid besonders nah beieinander. Eschmann genießt die Nähe zu ihren Kunden: Sie sieht deren Familien wachsen und auseinanderbrechen. Es fängt an mit dem Verlobungssträußchen, das heimlich bestellt wird und den Ring verwahren soll. Wenn die Angebetete Ja sagt, ist der Brautstrauß nicht mehr weit. Eschmann vergießt Freudentränen, wenn die ersten Ultraschallbilder gezückt werden und die Blumendeko für die Taufe des Nachwuchses bestellt wird. „Man erlebt hier wirklich einiges“, findet die Frankfurterin. Zu ihrem Repertoire gehört auch die Trauerfloristik. Doch auch die habe ihre schönen Seiten, wenn die Lieblingsblumen im Kranz eingearbeitet oder noch letzte Botschaften dem Verstorbenen mit auf den Weg gegeben werden. „Besonders schlimm ist es aber, wenn Kinder sterben“, sagt Eschmann ernst. Manche Schicksale berühren sie noch viele Jahre später.

Diese Verbundenheit zu ihrer Stammkundschaft ist der Floristin wichtig. „Da ist es eben schade, am Jubiläum allein im Laden zu stehen“, sagt sie. „Aber eigentlich ist doch auch egal, wann ich feiere – für die Form habe ich mich eh noch nicht entschieden.“ Es kann genauso gut passieren, dass sich die 53-Jährige wieder eine kleine Werbeaktion ausdenkt. Bisher hat sie etwa kleine Portemonnaies mit Gutscheinen drin „ausgesetzt“ oder kleine Blumenzwiebeln als Frühlingsgruß vor die Türen gelegt. Seit Montag hat Eschmann wieder ihre Ladentür offen. „Das Sortiment ist zwar nicht so groß, aber wenigstens etwas“, informiert sie.

VON LISA SCHMEDEMANN

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