"Partizipi" nach zwei Jahren ausgelaufen

Jugend verschafft sich Gehör

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Die „lange Nacht der Jugend“ im Bildungshaus war nur eines der Projekte, das die Partizipi-Teilnehmer auf die Beine gestellt haben. Dazu gesellten sich auch ein „Fifa“-Turnier sowie äußerst erfolgreiche U18-Bundestags- und Europawahlen.  

Dietzenbach -  „Man könnte sagen: Das Projekt ist tot, es lebe das Projekt!“ Bernd Blesenkemper, Vorsitzender des Vereins „Kinder- und Jugendwelten“, lächelt kurz, bevor er anhebt, einen Blick in die nähere Zukunft zu werfen. Von Nina Beck 

Denn „Partizipi“, das auf zwei Jahre angelegte Partizipationsprojekt für Jugendliche, das der Verein bereits im September 2012 ins Leben gerufen hatte, ist zwar zum Jahresende ausgelaufen. Doch einem der erklärten Ziele, nämlich eine Jugendplattform – Jugendbeirat oder -parlament – in der Kreisstadt zu gründen, sind die engagierten Jugendlichen in dieser Zeit ein großes Stück nähergekommen.

Und auch ein weiteres Anliegen steht kurz vor dem Abschluss: Etwas abhängig von der Wetterlage soll voraussichtlich schon im kommenden Monat ein Jugendtreff auf dem Farmgelände an der Schilflache eröffnet werden, wie Blesenkemper jetzt im Rahmen eines Pressegesprächs mitteilte. Eine kleine Arbeitsgruppe von Jugendlichen, die an Partizipi teilgenommen hatten, sei gerade noch „etwas am Strukturieren“, aber bis hin zur Finanzierung – es gibt eine Anschubfinanzierung seitens des Landes, wie Projektleiter René Bacher erläuterte – stehe bereits alles. Ein offener Austausch soll bei diesem zunächst 14-tägig angebotenen Treff möglich sein, an diesem „Ort zum Verweilen“ mit Naturanschluss.

Umgesetzt: "Ein Platz für uns"

Auch damit setzen Dietzenbacher Jugendliche um, was vielen von ihnen bislang gefehlt hat – „ein Platz für uns“, wie Abdul Butt, 17 Jahre alt und unterdessen Zwölftklässler der Max-Eyth-Schule, sagt. Er gehörte, neben ein paar anderen, zum „Stammpersonal“ bei Partizipi, war die ganzen zwei Jahre über dabei. Der eine oder andere Stadtverordnete mag sich noch an seinen Auftritt im Februar vergangenen Jahres zu Beginn einer Parlamentssitzung erinnern. Damals übergab er einen Brief an den Bürgermeister, den Ersten Stadtrat und die Fraktionsvorsitzenden mit Wünschen und Anregungen der Jugendlichen, welchen die Partizipi-Teilnehmer erarbeitet hatten. Und er hielt auch eine kleine Rede. „Das war gar nicht lang, vielleicht eine Minute, aber das war mein persönlicher Höhepunkt“, erinnert sich Abdul heute. „Alle Augen sind da auf einen gerichtet, und das war schon ein großes Erfolgsgefühl, dass uns jemand wahrgenommen und uns zugehört hat.“ Die zwei Jahre Partizipi, die hätten sich jedenfalls gelohnt, zieht er für sich Bilanz. Er habe viel gelernt, „über Lokalpolitik, über die Strukturen“. Und so wichtig er beide Anliegen – den Aufbau einer Jugendplattform wie auch das Errichten eines Jugendtreffs – findet, er persönlich werde sich wohl auf Ersteres konzentrieren, sagt der Zwölftklässler.

„Ich fand es wichtig, nicht nur was für mich zu tun, sondern auch etwas für die Gemeinschaft“, erzählt er, wie er zu Partizipi gekommen ist. Und Gelegenheit dazu gab es gleich zu Beginn. Denn das erste Projekt, das die Jugendlichen erarbeitet haben, war die Ausrichtung einer Fifa-Spielkonsolen-WM. Wie berichtet, hatten im Juni 2013 rund 40 Jugendliche daran teilgenommen. „Ich bin sehr stolz darauf, dass wir das geschafft haben. Das war eine große Motivation“, sagt Abdul. „Und wir werden heute noch darauf angesprochen: ‘Macht Ihr das nochmal?’“

Jugendliche an politische Strukturen heranführen

Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren an gesellschaftliche und politische Strukturen heranzuführen, sie dabei zu unterstützen, ihre Interessen zu artikulieren und Vorhaben selbstständig umzusetzen – diese Zielsetzung ist aus Sicht Blesenkempers und Bachers voll aufgegangen. Wie berichtet, war Partizipi eines von insgesamt 17 Projekten in Hessen, die das Sozialministerium im Rahmen des Aktionsprogramms „Stärkung der Partizipation und Teilhabe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ (PTJM) gefördert hat. Und es war eines der wenigen in kommunaler Trägerschaft, wie Blesenkemper sagt, also getragen von einem ehrenamtlichen Verein, Stadt und Kreis. Die meisten anderen hätten mit großen Verbänden zusammen gearbeitet, wie er bei der Abschlussveranstaltung in Frankfurt erfuhr. „An unserem Projekt ist positiv aufgefallen, dass die Jugendlichen hier durch eigenes Handeln lernten“, so Bacher. Und Blesenkamper ergänzt: „Dass hier Jugendliche etwas für Jugendliche gemacht haben und nicht etwa Erwachsene, das war ein Alleinstellungsmerkmal.“

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