Mobilität

Kein Stadtbus mehr? Gemischte Gefühle in Dietzenbach

Die Hopper fahren im Ostkreis bereits. In Dietzenbach wird der Ruf-Bus voraussichtlich Mitte 2023 eingeführt. Arcvhiv: Hampe
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Die Hopper fahren im Ostkreis bereits. In Dietzenbach wird der Ruf-Bus voraussichtlich Mitte 2023 eingeführt. Arcvhiv: Hampe

Die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) will auch in Dietzenbach einen Kleinbus auf Bestellung einführen.

Dietzenbach –  „Wir sollen entscheiden, ob wir dieses Angebot in der Kreisstadt einführen wollen. Doch die Entscheidung ist uns durch den Kreis Offenbach eigentlich bereits abgenommen worden“, sagt Ahmed Idrees, Fraktionsvorsitzender der SPD. Egal ob der Ruf-Bus in der Stadt eingeführt werde oder nicht, die Kommune müsse ihn über die Kreisumlage in jedem Fall mitfinanzieren. Deshalb, so ist sich Idrees mit Manuel Salomon (CDU) einig, führt kein Weg an der Etablierung des Hopper vorbei.

Die weiß-türkisen Autos sollen, so die derzeitige Überlegung, das erste Mal Mitte 2023 durch Dietzenbach fahren. Bis Ende des Jahres schlagen sie dann mit einem Eigenanteil der Stadt von 102 726 Euro zu Buche und sind ein zusätzliches Angebot zu den Stadtbussen. Letztere indessen sollen, so die derzeitigen Überlegungen, Ende 2023 eingestellt werden. „Zu dieser Zeit laufen die Verträge mit den Busunternehmen aus“, erklärt Salomon. Und um die Kosten für den ÖPNV möglichst gering zu halten, sei es sinnvoll, diese nicht zu verlängern, sondern bestehende Linien der kvgOF auszubauen. Diese sollen dann insbesondere den Schüler- und Pendlerverkehr abdecken.

Kreis Offenbach: Dietzenbachs zu zahlende Summe sei noch offen

Der von den Stadtwerken Dietzenbach (SWD) betriebene Nahverkehr hinterlässt aktuell ein Minus von 800 000 Euro in der Kasse des städtischen Betriebs. „Die Summe wird jedoch in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich auf eine Million Euro steigen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Salomon. Die Ausgaben für den Hopper werden in Form der Kreisumlage nach den derzeitigen Berechnungen auf dem bisherigen Niveau von 800 000 Euro bleiben. Gezahlt wird die Summe dann allerdings von der Stadt selbst und nicht länger von den SWD.

Vonseiten des Kreises heißt es zum Thema der Finanzen allerdings, dass die von Dietzenbach zu zahlende Summe derzeit noch offen sei. Bis Ende 2024 etwa wird der ÖPNV noch durch Land und Bund subventioniert. Zudem überprüft der Kreis derzeit, welche Fördermöglichkeiten es im Anschluss gibt.

Kreis Offenbach: CDU bedauert späte Informationen

Da sich die Höhe der Ausgaben, zumindest nach der städtischen Prognose, also nicht maßgeblich ändern wird, sehen Jens Hinrichsen (FW-UDS) und Christdemokrat Manuel Salomon die finanzielle Frage in der Debatte um den Hopper als nicht entscheidend an. Hinrichsen bemängelt jedoch, dass man die Bürger und Bürgerinnen vor vollendete Tatsachen stelle. Schließlich habe man nicht in Erfahrung gebracht, ob die Dietzenbacher das Angebot überhaupt nutzen wollen. Zudem kritisiert er, wie auch Sozialdemokrat Ahmed Idrees, dass auf die Nutzer des Hoppers zusätzliche Kosten zukommen. „Wenn ich etwa eine Monats- oder Jahreskarte habe, muss ich für das On-Demand-Angebot zusätzlich eine Grundgebühr zahlen“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. Dies sei bei den Bussen hingegen nicht notwendig. So müssen Ticketinhaber für eine Distanz von bis zu fünf Kilometern zusätzlich einen Euro und im Anschluss für jeden angefangenen Kilometer 0,30 Cent bezahlen. „Das ist für sich genommen nicht viel. Doch mit der Zeit summieren sich die Kosten“, ergänzt Idrees. CDU-Fraktionschef Salomon sieht hingegen keinen Anlass für Kritik. „Für Pendler, die ein Langzeitticket haben, werden voraussichtlich nach wie vor die Busse der kvg-Linien bereitstehen“, macht er deutlich. Auch insgesamt bewertet er den Hopper als ein attraktives und modernes Angebot, das individuell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sei.

Allerdings bedauert der CDUler, wie Hinrichsen und Idrees auch, dass die Stadtverordneten spät informiert wurden. Der Kreis teilt hierzu auf Nachfrage mit, dass die kvgOF die Kommunen bereits Ende März gefragt habe, ob sie den Ruf-Bus einführen wollen. Die Stadt wiederum begründet die späte Information damit, dass zunächst die Finanzierung der Stadtbusse sowie der Linien von kvgOF und RMV geklärt werden musste. Nachdem der Kreistag im Juni sich jedoch abschließend für die Einführung des Hopper aussprach, habe man umgehend alles in die Wege geleitet, um die Stadtverordnetenversammlung zu informieren. (Von Anna Scholze)

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