So grün ist Dietzenbach

In der Kita Rodgaustraße erfahren Kinder die Natur

Auch in der Ferienzeit wollen die Pflanzen in der Kita gepflegt werden. Das übernehmen Erzieher Lukas Schneider und Naturpädagogin Andrea Ullrich gerne.
+
Auch in der Ferienzeit wollen die Pflanzen in der Kita IX in Diezenbach gepflegt werden. Das übernehmen Erzieher Lukas Schneider und Naturpädagogin Andrea Ullrich gerne.

Wer Dietzenbach hört, denkt nicht zuerst an Wälder, Wiesen und Natur. Dabei ist zum Beispiel mehr als ein Drittel der Gemarkungsfläche bewaldet. Und auch darüber hinaus ist Dietzenbach grüner, als man glaubt. Wir schauen uns in den kommenden Wochen in der Natur um, sprechen mit Menschen, die sich für deren Schutz und Erhalt einsetzen und nehmen einschlägige Projekte unter die Lupe.

Dietzenbach – „Früher war alles einfach nur ,igitt’ und jede Biene ein Grund wegzurennen“, erzählt Andrea Ullrich. Die ausgebildete Naturpädagogin versteht es aber, Kindern einen anderen Blick auf ihre Umwelt, auf Pflanzen und Lebewesen zu vermitteln. Seit einem Jahr betreut sie gemeinsam mit Erzieher Lukas Schneider den sogenannten Außenbereich in der Kita IX an der Rodgaustraße. Draußen zu arbeiten und sich in der Natur zu tummeln, das ist nun nicht mehr einem passenden Moment überlassen. Rausgehen nach Konzept ist fester Bestandteil im Kita-Programm.

Andrea Ullrich: „Bei unserem Programm geht es immer auch darum, eine gewisse Achtsamkeit zu üben“

„Es geht um Naturerfahrungen, aber auch darum, dass die Kinder das Leben außerhalb der Kita kennenlernen“, sagt Barbara Spahn, Leiterin der Einrichtung. Neben einer Krippe und einer Hortgruppe gibt es dort fünf Kita-Gruppen für Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt. Seit dem vergangenen Jahr ist auf dem Gelände ein Blühgarten angelegt, Futtersäulen für Vögel, ein Kartoffelbeet und ein Kräutergarten vervollständigen das Bild der kleinen Oase inmitten von viel Beton. „Es ist ein Genuss zu beobachten, wie die Kinder mit den Händen in der Erde wühlen“, sagt Andrea Ullrich. „Bei unserem Programm geht es immer auch darum, eine gewisse Achtsamkeit zu üben.“ Also die Umgebung wahrzunehmen, den Moment zu registrieren und sich auf das einzulassen, was um einen herum lebt.

„In diesem Sinne versuchen wir, den Kindern möglichst viele positive Erfahrungen zu vermitteln“, sagt Erzieher Lukas Schneider. Also machen sich die Jungen und Mädchen mit ihren erwachsenen Betreuern regelmäßig auf, Dietzenbach von allen Seiten her zu erleben, Menschen und Orte in der Stadt kennenzulernen. „Wir waren auf den Feldern von Beeren Knecht und haben kleine rote Erdbeeren, Johannisbeeren und Himbeeren in allen Facetten kennengelernt“, berichtet Ullrich. Ein Besuch bei der Gärtnerei Gall brachte Erkenntnisse über Gewächshäuser und Gemüsesorten wie Zucchini und Co., im Blumengeschäft Brokmeier in der Altstadt durften die Gruppen Restblumen abstauben. Ein Ausflug in den Kirchgarten der evangelischen Christuskirche verband eine Lektion zu den dortigen Anpflanzungen mit Erholungsmomenten. „Wir haben die Hängematte mitgenommen und in den Bäumen dort aufgehängt“, berichtet Ullrich.

Andrea Ullrich: „Umweltschutz ist Grundlagenarbeit“

„Die Kinder kennen leider oft nur ihre eigene Umgebung“, begründet auch Lukas Schneider die Ausflüge. Und sie sollten lernen, in die Ferne zu schauen und nicht nur das Smartphone vor der Nase zu haben. „Das ist nachhaltige Bildung“, sagt Schneider. Für viele der Kleinen sei es schon eine völlig neue Erfahrung, mit nackten Füßen durch das Gras zu laufen. Etwa entlang des Geschichtspfads, ebenfalls eines der Ausflugsziele der Gruppen. „Dort haben wir nicht nur Wildkräuter kennengelernt, sondern auch Schafe getroffen“, erzählt Schneider. Alle Besuche seien immer gut geplant, aber keinesfalls wetterabhängig. „Wir gehen bei jeder Witterung raus, es ist wichtig, dass die Kinder ein Gefühl für das Wetter bekommen“, meint der Erzieher. „Außerdem wird so das Immunsystem gestärkt“, ergänzt Ullrich. Darüber hinaus haben die Ausflügler stets Zangen und Müllsäcke im Gepäck. Die Naturpädagogin betont: „Umweltschutz ist Grundlagenarbeit und wir nutzen jede Gelegenheit, in der Natur ein bisschen aufzuräumen.“

Mittlerweile stellen die Pädagogen Erfolge bei ihren Schützlingen fest. „Die Kinder verstehen die Zusammenhänge, sie verlangen nach weiterem Wissen und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen“, erzählt Lukas Schneider. Darüber hinaus seien sie fitter geworden, fördere das Programm doch auch Bewegungsfähigkeit und Sprache. „Wir werden ganz sicher unsere Konzepte weiterentwickeln“, kündigen die Pädagogen an. (Barbara Scholze)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare