Es war einmal vor langer Zeit

Kita St. Martin in Dietzenbach feiert 40-jähriges Bestehen und blickt auf die Vergangenheit

Im kleinen Kreis, aber mit Torte und Luftballons: Wegen Corona muss das große Fest zum 40-jährigen Bestehen der Kita St. Martin ausfallen. Pfarrer Stefan Barton, Kinder und Personal ließen sich eine Feier aber nicht nehmen.
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Im kleinen Kreis, aber mit Torte und Luftballons: Wegen Corona muss das große Fest zum 40-jährigen Bestehen der Kita St. Martin ausfallen. Pfarrer Stefan Barton, Kinder und Personal ließen sich eine Feier aber nicht nehmen.

Was eigentlich ein großes Fest sein sollte, wird in der Corona-Pandemie im kleinen Kreis gefeiert: Die Kita St. Martin in Dietzenbach wird 40 Jahre alt.

Dietzenbach – „Ihr wisst ja, wenn der Pfarrer kommt, gibt es was zu feiern.“ Stefan Barton braucht nur ein paar Sekunden, um die Aufmerksamkeit der wuselnden Schar von Jungen und Mädchen auf sich zu ziehen. Die Kinder der katholischen Kita St. Martin haben sich im Garten versammelt, um im kleinen Kreis einen feierlichen Anlass zu begehen, der eigentlich ein großes Fest sein sollte: Vier Jahrzehnte wird die Kita alt und trotz Corona-Pandemie sollen nun wenigstens die jungen Nutzer das Geburtstags-Feeling erleben.

Vier Mal also hebt Pfarrer Barton seine zehn Finger hoch in die Luft, damit die Kinder die Menge an Jahren verstehen können. Dazu erzählt er, dass bereits die Eltern einiger der anwesenden Kleinen den Kindergarten besucht haben. Doch Barton hat mehr in petto als Rechenbeispiele. Gisela Wanzek-Siek, die zuständige Vertreterin der Gemeinde St. Martin für die Einrichtung, hat eine Geburtstagstorte in Form der Zahl 40 gebacken, die der Pfarrer unter lautem Jubel anschneidet. Die einzige Sorge der Geburtstagsgemeinschaft ist, ob der Kuchen wohl für alle Kinder reicht.

Die spannende Geschichte der Kita St. Martin hat Erzieherin Simone Voirin in Erzählform aufgeschrieben. „Es war einmal vor langer Zeit ein Städtchen mit dem Namen Dietzenbach“, beginnt die Schilderung. Dort habe man 1979 beschlossen, der Gemeinde St. Martin die Trägerschaft für einen Kindergarten zu überlassen. Von da an geht es ganz schnell: Bereits ein Jahr später beginnt das bunte Treiben in der Einrichtung mit drei Gruppen je 25 Kindern und einer Hortgruppe. Voirin schreibt: „Im Fokus der Kita stand das Kind, das Ziel der konfessionellen Arbeit sollte sein, ein im Glauben begründetes Bild von der Welt und den Menschen zu schaffen.“

In ihren Anfangsjahren folgt die Kita heute ungewohnten organisatorischen und pädagogischen Vorgaben. Die Kinder halten im Turnsaal ihren Mittagsschlaf, wer nicht schlafen soll oder kann, wird zuweilen auch von der Küchenkraft betreut. Die Räume sind etwa 40 Quadratmeter groß, im Rückblick heißt es: „Schon damals haben sich die Erzieherinnen mehr Platz gewünscht.“ Der in der Dachkammer residierende Hort hat anfangs noch nicht einmal Fenster. Die Kinder besuchen feste Gruppen, die sich nicht mischen dürfen. Voirin erzählt: „Eingewöhnung kennt man nicht. Die Kinder werden gebracht und bleiben in der Kita, bis ihre Mütter sie wieder abholen. Sie müssen sauber sein, dürfen also keine Windel mehr tragen, und ihr Frühstück selbst mitbringen.“

Doch ebenso wie das Haus sich durch manche Nachrüstung verändert, entwickelt sich auch das pädagogische Konzept im Laufe der Jahre. So gibt es dann rund 20 Jahre nach der Gründung zwar immer noch feste Gruppen, aber die Kinder dürfen sich gegenseitig besuchen und sind auch beim gemeinsamen Frühstück beisammen. Niemand bringt mehr Essen mit, im sogenannten Kinderrestaurant wird themenbezogen ein zuckerfreies und ausgewogenes Frühstück für alle angeboten. Den kleinen Neulingen werden nun Eingewöhnungszeiten angeboten und auch das Windelverbot gehört seit Langem der Vergangenheit an.

Heute ist das einst geschlossene Arbeiten in der Kita St. Martin einem modernen offenen Konzept gewichen. Mehr noch: Seit einiger Zeit arbeiten die Gemeinde als Träger und das Kita-Team an der Entwicklung zu einem Familienzentrum als Anlaufstelle mit niedrigschwelligen Angeboten. „Dabei befinden wir uns in einem ständigen Prozess, gibt es doch immer wieder neue Ideen und Bedarfe“, stellt Kita-Leiterin Melanie Schneider fest. Entsprechend ist die Kita eingebettet in ein festes Netz aus Gemeinde, Pädagogen, Therapeuten, Schulen und Beratungsstellen. Und in einen Jahreslauf mit vielen Festen zu Erntedank, Nikolaus, Weihnachten, Ostern und natürlich dem namensgebenden Martinstag. Ebenso ruht die Einrichtung auf einem Alltag mit zahlreichen Ehrenamtlichen, die etwa beim Frühstück helfen, vorlesen oder basteln.

„Ein großer Dank geht an alle Erzieherinnen und Erzieher, die in der Kita tätig sind und waren“, betont Pfarrer Barton entsprechend. Zu Besuch gekommen am Ehrentag der Einrichtung ist auch Ruth Jäger, die vom ersten Tag an und insgesamt 26 Jahre lang in der Kindertagesstätte gearbeitet hat. Immer noch zum Team gehört Jutta Braun und das seit 37 Jahren. „Wir haben eine tolle Gemeinschaft und sind gut aufgestellt“, folgert Kita-Leiterin Schneider. (Von Barbara Scholze)

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