Netzwerker im Rathaus in Dietzenbach

Dieter Kliem leitet seit Juni die Abteilung Jugendhilfe und Soziale Arbeit

Schnittstelle im Rathaus: Dieter Kliem, Leiter der Abteilung Jugendhilfe und Soziale Arbeit. 
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Schnittstelle im Rathaus: Dieter Kliem, Leiter der Abteilung Jugendhilfe und Soziale Arbeit. 

Zu Dieter Kliems Berufsalltag gehört es, über die Sogwirkung eines Videospiels wie Fortnite auf Kinder genau so Bescheid zu wissen wie über Förderrichtlinien. Seit Juni ist er Leiter der Abteilung Jugendhilfe und Soziale Arbeit in Dietzenbach. 

Dietzenbach – In seinen Zuständigkeitsbereich fallen damit etwa die Sozialarbeit in der Schule, die Ferienspiele, das Quartiersmanagement oder das Bildungshaus. Auch mit Beratungsangeboten wie „Richtig orientiert im Kreis Offenbach“ ist er befasst.

Bevor er in Dietzenbach anfing, hatte er mit der Kreisstadt hauptsächlich zu tun, wenn es um Fußball ging – früher, bei Derbys der TSV Heusenstamm gegen die Fußballer aus Steinberg. Geboren in Frankfurt und aufgewachsen in Heusenstamm, sah es durch eine kaufmännische Ausbildung ja eigentlich erst nicht so aus, als würde er einmal auf solch einem Posten im Rathaus sitzen. „Ich habe aber gemerkt, dass ich in diesem Berufsfeld nicht in Rente gehen will“, sagt Kliem. Und so studierte er Sozialpädagogik, arbeitete in der Jugendpflege in Erzhausen sowie in einem Jugendhaus und als Leiter eines Mehrgenerationenhauses in Hanau.

Von Anfang an habe er versucht, so viele Menschen wie möglich kennenzulernen und sich auszutauschen. „Ich bin auf eine große Offenheit gestoßen und will nun gemeinsam mit der Abteilung und den Akteuren der Stadtgesellschaft die Dinge weiterentwickeln.“ In „der Pipeline“ habe man etwa das Förderungsprogramm „Soziale Stadt“, mit dem man auch städtebauliche Projekte anstoßen könne. „Da geht es auch darum, die Menschen vor Ort zu beteiligen.“ Spannend finde er es, wie sich die Sportvereine in Dietzenbach engagieren, etwa die SG, die mit der Kita VII (Kinderburg) zusammenarbeitet, oder der FC, der mit einer FSJ-Stelle etwas für den Mädchenfußball macht.

In diesem Beruf, sagt der 49-Jährige, sei kein Tag wie der andere. „Allein die Gesellschaft entwickelt sich immer weiter. Was vor 40 Jahren galt, kann heute nicht als Grundlage unseres Handelns dienen.“ Bei Dietzenbach handle es sich um eine besonders junge Stadt, 17 Prozent der Bevölkerung seien noch keine 15 Jahre alt. „Da müssen wir uns Gedanken machen, wie wir mit steigenden Schülerzahlen umgehen und auch mit dem Rechtsanspruch auf Betreuung für Grundschulkinder, der kommen wird.“

Ähnlich wie bei der Erziehung sei der Arbeitsmarkt für Stellen, die seine Abteilung betreffen, leer. Umso glücklicher sei er, wenn man auch längerfristige Beschäftigungsverhältnisse anbieten könne. Viele Stellen sind schließlich gefördert. Gerade bei seinen Schwerpunkten könne es auch zu Brüchen in der Beziehungsarbeit kommen, wenn man den Mitarbeitern nur Stellen anbiete, die eher kurzfristig angelegt sind.

Zu Kliems Zuständigkeiten gehört auch die Gemeinwesenarbeit Süd-Ost und die Beratungsstelle Süd-Ost-Europa. An Letztere wenden sich Hilfesuchende etwa, wenn es um Transferleistungen oder Sprachkurse geht. So manches, was gut gemeint ist, weiß er, muss nicht zwangsläufig auch ankommen. „Man kann viele Flyer machen, aber das ist längst nicht so erfolgversprechend, als wenn jemand in seinem Freundeskreis von einem Angebot erzählt.“

Was die Grundschulen angehe, so sei es eine Besonderheit, dass man in Dietzenbach an jeder einzelnen Schulsozialarbeit anbieten könne. Generell, auch an den weiterführenden Schulen, werde außerdem das Internet inzwischen als großes Thema wahrgenommen. Man sehe die Gefahren, wenn sich etwa schon Grundschüler an Online-Videospielen versuchen, die für sie noch nicht geeignet sind, aber auch das Potenzial. Eltern seien sich der Tragweite nicht immer bewusst, auch sie müsse man ins Boot holen. „Voraussetzung für unser Handeln muss immer auch sein, was in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen wichtig ist.“

VON CHRISTIAN WACHTER

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