Zuhause hoch über dem Boden

Kolping-Naturschutzgruppe stellt Nistplattform für Störche auf

Mit Hilfe eines Krans wird das Nest aufgestellt. In sieben Metern Höhe ziehen bestenfalls bald Störche ein.
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Mit Hilfe eines Krans wird das Nest aufgestellt. In sieben Metern Höhe ziehen bestenfalls bald Störche ein.

Bei vielen Dietzenbachern war die Freude groß, als im Oktober vergangenen Jahres Störche auf dem Dach der Alten Schule gesichtet wurden. Dort oben nisteten die Vögel schließlich schon in den 50er-Jahren. Damals war an der heutigen Polizeistation eine Plattform für den Nestbau angebracht. Die Rückkehr der Störche nahmen einige Kreisstädter zum Anlass, sich erneut eine solche Nisthilfe auf dem Gebäude an der Darmstädter Straße zu wünschen, um die Tiere zum Bleiben zu bringen.

Dietzenbach – Rudolf Keil, Mitglied der Kolping-Naturschutzgruppe und Vogelexperte, beobachtet seit Jahren Störche in Dietzenbach und der Umgebung. Auch die jüngsten Diskussionen um ein Storchennest in der Altstadt verfolgte er. „Ich hatte aber Bedenken, eine Plattform zu errichten, die die Vögel in die Stadt holen soll“, sagt er. Er vermutet, dass die Freude bei den wenigsten Anwohner anhalte, wenn sie sich tatsächlich mitten in der Stadt niederlassen würden. „Viele beschweren sich schon über den Dreck, den Schwalben machen“, sagt er. „Da kann man sich vorstellen, was die über die Hinterlassenschaften von Störchen sagen.“ Die großen Vögel machten eben auch entsprechend viel Dreck.

Dennoch treiben die Gedanken über eine Nisthilfe für Störche auch Keil und seine Mitstreiter schon länger um. „Schon 2016 haben wir den passenden Standort gefunden“, erzählt er. Die Wiese gegenüber des Reiterhofs Akita, die ebenfalls dessen Betreibern, der Familie Weidenbusch-Baist, gehört. Als es dann an die konkrete Planung des Vorhabens ging, wurde allerdings klar, dass die Idee schwer umzusetzen ist. „Zum einen hatten wir das Geld dafür nicht und auch die behördlichen Vorgaben konnten wir nicht erfüllen“, erinnert sich Rudolf Keil. Ende 2016 entschied sich die Naturschutzgruppe, das Projekt auf Eis zu legen.

Anfang dieses Jahres nahm das Vorhaben dann wieder an Fahrt auf, als das zuständige Forstamt sich meldete und einen Lerchenstamm für die geplante Nistplattform anbot. Der Baum sei dem Unwetter im vergangenen Jahr zum Opfer gefallen. Und auch der Rest fügte sich. „Die Sparkasse Langen-Seligenstadt, die von unserem Vorhaben gehört hatte, spendete dafür 1000 Euro, und schließlich konnten wir auch mit den Behörden eine Einigung finden“, erzählt Keil. Dank weiterer Zuschüsse von der Maingau Energie und den Städtischen Betriebe von jeweils 500 Euro ging es dann also an die Umsetzung.

Rudolf Keil ist dankbar für so viele Unterstützer. Etwa vom Schlosser Eduard Arndt, der sich bereit erklärte, das Nest zu schweißen, dem früheren Schlossermeister Wilhelm Baun, der auch entscheidende Ideen beisteuerte, sowie Christian Wehner, Alfred Zimmermann, Klaus Sponagel, Gerhard Baist sowie Eberhard Bartke. Weil unerwartet viele dann sogar ehrenamtlich geholfen haben, bleibe jetzt wohl sogar etwas von dem eingeplanten Geld übrig, berichtet Keil, für andere Projekte.

Vergangene Woche war es dann soweit: Der Stamm, der die Nistplattform trägt, wurde mit Hilfe eines Kranwagens in die Erde eingelassen, ragt nun sieben Meter in die Höhe. Im Grunde ist also alles für den Einzug einer Storchenfamilie gerichtet. Ob tatsächlich Vögel auf der Wiese gegenüber dem Reiterhof ein neues Zuhause finden, zeigt sich aber erst im kommenden Jahr, dann wenn die Vögel aus ihren Winterquartieren in Spanien oder Afrika zurückkehren. Je nachdem, ob es erfahrene Tiere sind oder Jungstörche und von wo sie zurückreisen, könne es schon Anfang Februar soweit sein, meint Rudolf Keil.

„Aber es ist nur ein Versuch, wir müssen abwarten, ob das Nest angenommen wird“, sagt der Vogelexperte. Bisher seien Versuche, Störche zum Nisten zu bringen, in der Umgebung immer gescheitert. Am Hofgut Patershausen und auf der Götzenhainer Wiese hinter dem Waldschwimmbad seien schon vor Jahren ebenfalls Storchennester aufgestellt worden. Immer wieder hätten sich dort zwar auch Vögel eine Zeit lang aufgehalten. „Aber gebrütet haben sie nie“, sagt Rudolf Keil. Das könne an mangelnder Nahrung liegen oder aber daran, dass sie gestört wurden.

Mäuse, Insekten und Würmer, von denen sich die Vögel ernähren können, gibt es rund um die neue Nisthilfe genug, davon geht Rudolf Keil aus. Um zu verhindern, dass die Störche, die sich dann bestenfalls dort niederlassen, gestört fühlen, rät der Vogelexperte, Natur und Tiere nach Möglichkeit in Ruhe zu lassen. „Einfach mal nur von Weitem beobachten.“ (Lena Jochum)

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