Vorwürfe gegen Rogg

Ärger um Dietzenbachs Bürgermeister: Hochzeit im Waldschwimmbad sorgt für Furore

Bürgermeister Jürgen Rogg dementiert weiterhin, dass das Schwimmbad aufgrund seiner privaten Feierlichkeiten früher geschlossen wurde.
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Bürgermeister Jürgen Rogg dementiert weiterhin, dass das Schwimmbad aufgrund seiner privaten Feierlichkeiten früher geschlossen wurde.

Die Diskussion über die Hochzeitsfeier des Dietzenbacher Bürgermeisters geht weiter. Die SPD wirft ihm vor, das Waldschwimmbad für eine private Feier früher geschlossen zu haben.

Dietzenbach – Die Vorwürfe der SPD gegenüber Bürgermeister Jürgen Rogg haben für Furore gesorgt. Die Sozialdemokraten beschuldigen den Rathauschef, die Vorzüge seines Amtes im Rahmen seiner Hochzeit 2018 missbraucht und das Waldschwimmbad dazu widerrechtlich genutzt zu haben. Rogg indes weist die Anschuldigungen zurück und erklärt, dass die Feierlichkeiten zu seiner Vermählung auf dem Gelände des Open-Air-Kinos stattgefunden haben. Doch Rogg zeigt auch Reue. Der Bürgermeister sagt, dass er die Feierlichkeiten nicht noch einmal auf diese Weise veranstalten würde. „Die damals spontane Idee war nicht gut. Dazu stehe ich“, betont das Stadtoberhaupt. Er habe diesbezüglich nie etwas verheimlicht. „Wenn ich eine private Feier in Dietzenbach mache, kann ich das gar nicht verheimlichen.“

Seine Angabe zur gezahlten Miete korrigiert der Verwaltungschef hingegen. Hatte er in der vergangenen Woche von rund 400 Euro gesprochen, erklärt er nun: „Am 18. September 2018 bekam ich 273,50 Euro vom Bereich Kultur und Bürgerhaus – dem heutigen Capitol – in Rechnung gestellt.“ Mit diesen Einnahmen wurden seines Wissens nach die Mietkosten des Kühl- und Verkaufswagens gedeckt, der normalerweise für das Freiluftkino genutzt wird. Bezahlt habe er die Summe am 24. September desselben Jahres. Für das Gelände an sich hat Rogg jedoch nichts gezahlt. Die Diskrepanz zwischen den Summen erklärt er damit, dass er sich aufgrund der Zeit, die seit seiner Hochzeit verstrichen ist, falsch erinnert habe. Jetzt habe er allerdings die noch vorhandenen Rechnungen durchgesehen.

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Neben der gezahlten Miete nimmt der Bürgermeister auch zu einem eventuellen Einsatz von städtischen Mitarbeitern während seiner Hochzeit Stellung. War doch bisher ungeklärt, wer etwa die Endreinigung, beziehungsweise die Säuberung der sanitären Anlagen übernommen hatte. Rogg: „Bei Auf- und Abbau haben mir circa zwölf bis 15 Verwandte, Freunde und Bekannte geholfen.“ Diese sowie die übrigen 70 Gäste könnten auch bezeugen, dass kein Angestellter der Stadt während der Feier im Einsatz war. Die Reinigung der Toiletten und des Platzes sei ebenso von ihm und seinen Gästen übernommen worden. Detailreich teilt Rogg mit: „Wir haben auf eigene Kosten zwei neue Toilettenbürsten und vierlagiges Toilettenpapier gekauft.“

Zu den Vorwürfen der SPD, Rogg habe das Waldschwimmbad für seine Feier früher schließen lassen, erklärt er: „Grundsätzlich finden während der Schwimmsaison parallel nicht nur Kinoveranstaltungen, sondern auch Musikveranstaltungen auf dem Gelände des Kinos statt.“ Durch den separaten Eingang und die autarke Infrastruktur des Kinogeländes störten sich beide Betriebsarten nicht. „Warum sollte es bei meiner Feier anders gewesen sein?“, fragt er.

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Dennoch bleibt weiterhin ungeklärt, wieso das Freizeitgelände entgegen einer Ankündigung zu Saisonbeginn nicht am 2., sondern bereits am 1. September in die Winterpause ging. Zudem gibt es keine Erklärung dafür, aus welchem Grund die Saison – anders als in den Jahren davor und danach – 2018 bereits Anfang des Monats beendet wurde. Aus Veröffentlichungen auf Facebook geht hervor, dass 2016, 2017 und auch 2019 das Waldschwimmbad erst Mitte September geschlossen wurde. Auf der Homepage der Stadt heißt es außerdem, das Bad habe an „circa 150 Tagen in der Saison“ geöffnet, diese Formulierung legt nahe, dass man pro Jahr mit einer etwa fünfmonatigen Öffnung plant. Da die Badesaison meist im Mai startet, müsste also eigentlich der September miteingerechnet werden, um auf die angegebenen Tage zu kommen. Warum also die Schließung Anfang des Monats – trotz sommerlicher Temperaturen?

Licht ins Dunkel könnten die Verantwortlichen der Städtischen Betriebe bringen: Thomas Vollmuth, Geschäftsführer der Stadtwerke und Kaufmännischer Leiter der Städtischen Betriebe, teilt mit, dass ihm der Grund für die Schließung des Waldschwimmbads 2018 nicht bekannt sei. Vollmuth war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei den Stadtwerken beschäftigt, er folgte erst im Oktober 2019 Christian Locke auf seinen heutigen Posten. In einer erneuten Nachfrage will unsere Redaktion von Vollmuth wissen, warum es nicht möglich sei, den Grund der Schließung herauszufinden und ob es über solche Vorgänge offizielle Beschlüsse oder schriftliche Dokumentationen gebe. „Nach Sichtung interner Unterlagen kann ich keine Vorgaben finden, die einen Zeitpunkt der Schwimmbadschließung definieren“, antwortet der Stadtwerke-Geschäftsführer. Seit ein paar Jahren spielten allerdings die wirtschaftlichen Aspekte eine große Rolle: „Das Schwimmbad ist ein Zuschussbetrieb. Der Zuschuss wird mit jedem Tag der Öffnung größer“, sagt er. (Anna Scholze und Niels Britsch)

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