Mehrheit fürs Kreisel-Provisorium

Kreisel-Provisorium: Stadtverordnete stimmen über den Abschnitt Mitte der L 3001 ab

Wie bringt man die Interessen von verschiedenen Verkehrsteilnehmern unter einen Hut? Dieser Frage müssen sich Dietzenbachs Parlamentarier bei den Abstimmungen zur L 3001 stellen 
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Wie bringt man die Interessen von verschiedenen Verkehrsteilnehmern unter einen Hut? Dieser Frage müssen sich Dietzenbachs Parlamentarier bei den Abstimmungen zur L 3001 stellen

Erneut hat der radverkehrsfreundliche Umbau der L 3001 in Dietzenbach auf der Tagesordnung der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung gestanden.

Dietzenbach – Es werde immer etwas zu finden sein, das man noch prüfen könne und auch immer wieder Bedenken geben, befand Harald Nalbach (WIR-BfD), Nils Steinheimer (Grüne) forderte: „Wir müssen einfach mal was machen. Erneut hat der radverkehrsfreundliche Umbau der L 3001 (wir berichteten) im Abschnitt Mitte zwischen Rathaus- und Wappenkreisel auf der Tagesordnung der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung gestanden. Grundlage dafür waren auch die Informationen, die es von Sandra Homberg, Leiterin des Fachbereichs Bau- und Immobilienmanagement, im Ausschuss für Städtebau, Verkehr und Umwelt gegeben hatte. Demnach könnten die Maßnahmen „Radweg“ und „Kanal“ voneinander getrennt werden, die Kanäle liegen im östlichen und westlichen Gehwegbereich, den man bei einer „kleinen Lösung“ zur L 3001 nicht anfassen würde. Bei einer Kamerabefahrung war festgestellt worden, dass die Ableitungskanäle zwischen der Aue- und Dreieichstraße fast vollständig verlandet und verwurzelt sind.

Inga Windolf von der Abteilung Stadtplanung hatte den Politikern in dem Ausschuss dann einen Vorschlag unterbreitet, der in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zur Abstimmung kam. Der Magistrat möge unter Fortschreibung der Vorzugsvariante eine Überarbeitung der Entwurfsplanung des Abschnitts Mitte beauftragen, heißt es darin. Konkret wird südlich des Knotens von Vélizystraße und L 3001 eine Reduzierung der Fahrspuren von vier auf zwei und die Einrichtung eines Radfahrstreifens durch Markierungen aufgeführt. Die Ampel am Knoten von Heppenheimer Allee und L 3001 soll erhalten und gegebenenfalls im Hinblick auf den Radverkehr angepasst werden. Außerdem soll ein provisorischer Kreisverkehr errichtet werden, wo sich Offenbacher Straße und Rodgaustraße treffen. Ebenfalls beschließen sollten die Stadtverordneten eine Teilaufhebung des Sperrvermerks für Haushaltsmittel in Höhe von 30 000 Euro. Mit den Stimmen von SPD, WIR-BfD, Grünen, FDP und Linken wurde diese Vorlage des Magistrats beschlossen.

Mit knappen Mehrheiten abgelehnt wurden die Änderungsanträge der CDU und der DL/FW-UDS. Die Christdemokraten wollten keinen provisorischen Kreisel. Mit seinen „bunten Plastikmarkierungen“ sei dieser abträglich für das Stadtbild, außerdem sei ein Ausbau des provisorischen Kreisverkehrs zum vollen Preis in den kommenden Jahren ohnehin vorgeschrieben, aus der „unschönen Übergangslösung“ ergebe sich keine Ersparnis. Deshalb plädiere man für eine „schnelle und kostengünstige“ Variante mit einer Neumarkierung eines Schutzstreifens für Radfahrer unter Beibehaltung und Ertüchtigung der Lichtsignalsteuerung. „Uns ist klar, dass der Kreisel kommt, wenn wir einen provisorischen haben“, argumentierte Stephan Gieseler (CDU). Was die Sanierung der Kanäle angehe, seien außerdem einige Fragezeigen aufgetaucht, weshalb die CDU auch den letztlich abgelehnten Änderungsantrag der DL/FW-UDS unterstützte. Diese wollte der Magistratsvorlage eine Studie vorschalten lassen, mit dem Ziel, „das Thema Kanalsanierung in seiner Problematik, den Lösungsmöglichkeiten und finanziellen Auswirkungen für die Stadtverordneten transparent zu machen“. Alleine die Anzahl der Anträge zeige schon, wie sehr das Thema alle bewege, sagte Jens Hinrichsen (DL/FW-UDS). „Wir müssen wissen, was gemacht werden muss und was es kostet.“

Für die Magistratsvorlage und damit den Kreisel sprach man sich bei der SPD aus. Ein solcher sei laut Bengü Karakuz schnell und ohne Hindernisse passierbar, außerdem sei das „Verkehrsrecht nicht nur für Autofahrer da“. Rainer Engelhardt fügte später an, die CDU sei auf verringerte Sicherheitsvorschriften aus gewesen, weil sie etwa das Wort „Radfahrstreifen“ in deren Antrag noch durch „Schutzstreifen für Radfahrer“ ersetzt hatte.

Andrea Wacker-Hempel (Grüne) fand den Vorschlag der Verwaltung „sehr gut“. Mit einem Kreisverkehr senke man die Geschwindigkeit des Autoverkehrs. Einen eigenen Antrag habe man zugunsten der Variante aus dem Bauausschuss zurückgezogen, erläuterte ihr Fraktionskollege Nils Steinheimer. Für Sven Hartmann (FDP) haben die Diskussionen zur L 3001 gezeigt, dass „es die eine wahre Lösung nicht gibt“. Was die von der CDU prognostizierte Zwangsläufigkeit angeht, nach der ein provisorischer Kreisverkehr in eine Dauerlösung mündet, sehe er das „weniger fatalistisch“. „Wir sollten einfach markieren und gucken, wie’s funktioniert.

Nachdem der Antrag angenommen wurde, beauftragt der Magistrat nun eine angepasste Entwurfsplanung, einen Markierungsplan und eine Ausführungsplanung für den Kreisverkehr.

VON CHRISTIAN WACHTER

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