Während die Eltern schliefen

Künstlerin Sandra Homberg: Sie malt, seit sie Kind ist

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Hauptberuflich ist Sandra Homberg Leiterin des Fachbereichs Bau- und Immobilienmanagement der Kreisstadt. Ihre Kunst kommt dennoch nicht zu kurz.  

Bleibende Leidenschaft: Künstlerin Sandra Homberg aus Dietzenbach hat die Liebe zur Kunst schon in jungen Jahren entdeckt.

Dietzenbach – Die Liebe zur Kunst entdeckte Sandra Homberg schon früh. Farben und Papier standen schon neben dem Kinderbett und dienten als Beschäftigung, wenn die Eltern noch schliefen. In der Jugend wurde der obligatorische Kunst-Leistungskurs in der Oberstufe gewählt und auch während des Architekturstudiums ließ sich die heute 58-Jährige in Aquarell-Malerei prüfen. Der Werdegang der Künstlerin mag sich zwar nach den Interessen gestaltet haben, doch hatten die verschiedenen Stationen Einfluss auf das Künstlerdasein. „Als Architektin brauche ich Formen, Raum und Tiefe“, sagt Homberg. Aus diesem Grund könne sie sich nicht vorstellen, abstrakt zu malen.

Die Werke, die Homberg nun bis Ende Juli in der Ratsstube präsentiert, sind entweder mit weichem Pinsel sanft zu Papier gebracht oder mit einer Spachtel in lebendigen Acrylfarben festgehalten. Meistens sind es Naturmotive, die die Künstlerin im Urlaub entdeckt hat. „Deswegen sind es gerade viele Wassermotive“, erläutert Homberg. Die Malstile mögen gegensätzlich wirken, doch zeigen im Grunde nur zwei Facetten derselben Person. „Beim Aquarell fasziniert mich, dass es eigentlich nur eine Chance gibt“, beschreibt sie. Wenn ein Pinselstrich „daneben geht, kann man das Bild wegschmeißen“. Über die Architektenkammer hat die Künstlerin immer wieder an Kursen teilgenommen, an deren Leiter sie sich mit einem Lächeln zurückerinnert. „Ein Mentor – damals schon über 80 – war ein Kriegsgefangener“, erzählt sie. Seine Zeit habe er damit verbracht, mit Kohlestücken in wenigen Strichen die anderen Gefangenen zu zeichnen. Diese Fertigkeit wusste er auch mit Kugelschreibern umzusetzen. „Das hat mich wahnsinnig fasziniert, wie viel Leben dabei in die Bilder kam“, sagt Homberg.

Die Spachteltechnik, mit der die Künstlerin hauptsächlich Natur- und Tiermotive festhält, wirkt ähnlich. Homberg erinnert sich: „Das war ein ziemlich warmer Sommer vor ein paar Jahren: Wir haben in einem Kurs draußen mit Acrylfarben gemalt.“ Eine Spachtel anstatt eines Pinsels zu verwenden, hatte sie bis dahin selbst noch nicht ausprobiert. Als sei das neue Werkzeug nicht bereits eine Herausforderung gewesen, kam damals auch eine weitere Hürde hinzu. „Weil es so heiß war, trocknete die Farbe schnell – wir konnten also nicht lang überlegen, wohin wir einen Strich setzen wollen.“ Geboren aus der Situation entstehen also Bilder unter gewissem Zeitdruck. „Das führt eben dazu, dass die Werke diese Lebendigkeit widerspiegeln – und das gefällt mir an dem Stil so gut“, meint Homberg.

In ihrem Atelier stehen aber nicht nur Leinwände auf der Staffelei. Auch Skulpturen schmücken die Ecken und Fensterbänke des Raumes. Ein kleines Gerät zum Erwärmen von Wachs steht daneben, denn auch das findet seinen Weg auf die Leinwand. „Eben immer mal etwas Neues ausprobieren und das für sich übernehmen, das passt“, sagt die 58-Jährige. Gerade steht ein Werk auf der Staffelei, das mit viel Blau und Weiß zu einer schillernden Wasseroberfläche wird. Dort entsteht derzeit das neue Werk, das bei der Ausstellungsreihe „Kunst in der Ratsstube“ versteigert werden soll. Das Bild, das ursprünglich dafür vorgesehen war, ist bereits verkauft. Die Künstlerin berichtet: „Jetzt hängt es in Berlin und macht dort Menschen glücklich.“ Über solche Resonanz freue sie sich besonders. Bei Auftragsarbeiten ist die Freude quasi garantiert, doch solche Betrachter, die sich mit einem Blick in ein Bild verlieben, seien etwas Besonderes. „Man hängt als Künstler immer selbst an seinen Werken, an den einen mehr, an den anderen weniger“, sagt Homberg. Es gibt allerdings auch Stücke, deren Wert sich in Gold nicht aufwiegen lässt: Ein Porträt von Hundedame Paula. Der Schnauzer hat die Familie im Sommer verlassen, was bleibt, ist das Bild.

Die Werke von Sandra Homberg hängen noch bis zum 27. Juli in der Ratsstube, danach gehört die Fläche Kunstkollegin Dorita Jung. Das Geld, das bei der Versteigerung am 24. Juli zusammenkommt, will Homberg in Spielgeräte für behinderte Kinder investieren. „Ich mache mich derzeit schlau, welche Geräte in Dietzenbach sinnvoll sein könnten“, sagt die Künstlerin, die hauptberuflich die Fachbereichsleitung Bau- und Immobilienmanagement der Kreisstadt innehat.

VON LISA SCHMEDEMANN

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