Hamsterkäufe

Unter Quarantäne: In Dietzenbachs Partnerstadt Kunming sind die Straßen wie leer gefegt 

Dietzenbach Kunming: Corona-Virus (Wuhang)- Straßen sind leer
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Vorbereitung auf den Ernstfall: In Dietzenbachs Schwesterstadt bereiten sich die Bewohner auf den Notfall vor. Auswanderin Magdalena Cholewa (oben links) stockt wie viele ihre Vorräte auf. Durch das chinesische Neujahrsfest sind die Supermärkte bereits auf Großeinkäufe vorbereitet. 

Leere Straßen in Kunming sind nicht üblich. Auch nicht während der chinesischen Neujahrsfeiern. Zurzeit sind dennoch beliebte Plätze wie leer gefegt. 

Dietzenbach/Kunming . Die Dietzenbacher Schwesterstadt Kunming bereitet sich auf den Notfall vor trotz der weiten Entfernung zu Wuhan, wo der Coronavirus ausgebrochen ist.

Sieben Fälle sind in der baldigen Partnerstadt Dietzenbachs bekannt. Alle Personen stammen aus Wuhan. Aufgrund des Neujahrsfests sind viele Chinesen vereist. Weiter verbreitet habe sich der Virus in Kunming allerdings noch nicht.

Die Quarantäne der Stadt sei daher eine reine Vorsichtsmaßnahme, berichtet Magdalena Cholewa auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Obertshausenerin zog vor rund sieben Jahren in die Stadt des ewigen Frühlings. Sie arbeitet als Privatlehrerin in einem Institut, das zurzeit – wie auch reguläre Schulen, Kinos oder Restaurants – geschlossen ist. „Alles, wo sich mehr Menschen aufhalten, wurde gebeten, zu zu bleiben“, sagt Cholewa.

Große Supermärkte hingegen sind noch geöffnet. „Durch das Neujahrsfest sind die gut aufgefüllt“, berichtet die gebürtige Polin. Das sei hilfreich, da die Bewohner der nordwestlich gelegenen Stadt Einkäufe hamstern. „Die Regale sind noch recht voll, nur frisches Gemüse ist schnell vergriffen.“

Ebenfalls vergriffen sind Masken, berichtet Norbert Kern. Der Dietzenbacher Unternehmer regte durch seine Bekanntschaft zu Abenteurer Jin Feibao zunächst eine Freundschaft der Kreisstadt und Kunming an, die nun bald zu einer Städtepartnerschaft wird (wir berichteten). „Meinen Freunden geht es soweit gut“, sagt Kern, „aber sie haben gebeten, dass ich ihnen ein Paket mit Mundschutz schicke“n

Mit einem solchen ist auch Magdalena Cholewa nun unterwegs, wenn sie das Haus verlässt, aber „nur zum Einkaufen“. Zurzeit verbringt sie die Tage daher in ihrer Wohnung oder trifft sich in kleiner Runde mit anderen Auswanderern. „Klar, man ist eingeschränkt, aber trotzdem haben wir noch ein Leben“, resümiert die Englischlehrerin.

Cholewa sieht keinen Grund zur Panik, „Wuhan ist von uns ungefähr genauso weit entfernt wie Frankfurt von Madrid“ zieht sie den Vergleich. Sie hat den Eindruck, gut informiert zu werden und nimmt Nachrichten wie das Zurückholen von zum Beispiel US-Amerikanern mit Vorsicht auf. Auch die Bundesregierung plane, deutsche Staatsbürger aus China zurückzuholen. „Davon haben wir noch nichts mitbekommen“, berichtet Cholewa und ist sich unsicher, inwiefern diese Maßnahme für sie gelte und in Frage komme. „Viele von uns haben Haustiere, die lassen wir nicht zurück“, erläutert sie. Gebe es für die Vierbeiner ebenfalls eine Möglichkeit, würde sie tatsächlich zurückreisen.

China-Experte Norbert Kern sieht ebenfalls keinen Grund zur Panik. „Unsere Freunde sind wohl auf“, berichtet er. Die Einladung zur 800-Jahr-Feier ist ebenfalls an Kunming ausgesprochen. „Es läuft alles wunderbar“, resümiert er. Vorsicht sei natürlich dennoch wichtig.

Das Auswärtige Amt rät zum Beispiel von Reisen nach China ab. Auf der Website empfiehlt es zudem, sich gegen Influenza impfen zu lassen, um „zur Vermeidung unnötiger Verdachtsfälle“ beizutragen.

Auch im Kreishaus in Dietzenbach sind die Mitarbeiter, die Kontakt mit vielen unterschiedlichen Nationen haben, angewiesen, ihre Hände und Arbeitsplätze beispielsweise zu desinfizieren. „Es stehen Informationen zu dem Thema für alle Abteilungen im Intranet bereit“, berichtet Ursula Luh, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Von Yvonne Fitzenberger

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