Keine Auftritte mehr

„Ich mache das bis zum Ende“ Alligator-Mann durch Corona in Not

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„Ich mache das bis zum Ende“ Alligator-Mann durch Corona in Not

Die Corona-Krise macht dem Dietzenbacher "Alligator-Flüsterer" Oratio Martino. Doch er hat eine findige Idee, wie er sich aus der finanziellen Not befreien kann.

Dietzenbach – Oratio Martino finanziert sein Leben und das seiner tierischen Mitbewohner durch Auftritte und Schauen. Normalerweise findet man ihn, seine Alligatoren und Echsen auf großen Festen oder er empfängt Gäste direkt bei sich zu Hause. Doch zurzeit ist es eher ruhig bei ihm. 

Dietzenbach: Alligator-Mann steckt in der finanziellen Krise

Denn das Coronavirus beeinflusst auch sein „L‘alligatore“: Große Feste, Auftritte in Einkaufszentren und die kleinen Feiern und Schauen, die er bei sich im Allemannenweg 4 anbietet, fallen seit Mitte März weg. „Von heute auf morgen habe ich von niemanden mehr etwas gehört“, sagt der Italiener. Seine gesamten Einnahmequellen fielen von einem auf den anderen Tag weg.

Alligator-Farm in Dietzenbach durch Corona in der Not

Für den Unterhalt der Tiere benötigt Martino 5000 bis 8000 Euro im Monat. Geld, dass er durch den Wegfall von Großveranstaltungen nun nicht mehr erwirtschaften kann. Das sorgte für schlaflose Nächte. „Du fragst dich, wovon sollst du leben?“ Martino berichtet, wie er und andere selbstständige Freunde Panik bekommen hatten. Andere Geschäfte mussten teils für immer schließen. „Dann fängst du an, zu planen“, sagt er. Schließlich müsse es ja weitergehen.

„Ich lebe sehr sparsam“, berichtet der 61-Jährige. Er fahre nicht in den Urlaub, sei sehr genügsam. Seine Einnahmen verwendet er für das Haus, die Tiere und lege einen Teil zur Seite. Dies reichen aber nicht bis ins Unendliche. Er nahm daher die Hilfsangebote des Bundes in Anspruch. „Das gibt Ruhe und Sicherheit“, sagt er, man könne planen.

Oratio Martino ist als L’alligatore in der Kreisstadt bekannt.

Seine neue Bühne sind die sozialen Netzwerke – vor allem Instagram. Martino macht regelmäßig Fotos und Videos mit seinen Mitbewohnern, teilt diese auf Facebook, Youtube und Co. „Ich kriege Anfragen über Instagram“, berichtet er. So zum Beispiel von Fernsehteams oder von Musikern, die eines seiner Tiere in ihren Videos als Statist haben möchten.

Alligator-Farm in Dietzenbach erobert Instagram und Co

Der Italiener erhalte viel positiven Zuspruch in den sozialen Netzwerken. Er zeigt, wie sein Alltag aussieht, wie viel Arbeit in die Pflege seiner Tiere steckt. „Ich mache das bis zum Ende“, sagt er. Denn, dass sein Gewerbe jemand irgendwann übernimmt, das glaubt er nicht. „Die Arbeit hat keinen Anfang und kein Ende.“

Wobei, als Arbeit sehe er das nicht. Dem 61-Jährigen macht es Spaß, mit den Reptilien, Amphibien und Echsen zusammenzuleben. Es scheint vielmehr Berufung anstatt Beruf zu sein. So nimmt Martino immer wieder Fundtiere auf oder auch solche, die vom Besitzer nicht mehr gehalten werden können.

Alligator-Farm in Dietzenbach: Jetzt gibt es sogar wieder tierischen Nachwuchs

Der jüngste Familienzuwachs ist Schwein Billy. Er weicht dem Italiener, der seine neue Bezugsperson ist, nicht mehr von der Seite. „Schweine brauchen andere Schweine, sonst sind sie unglücklich“, erläutert Martino. Allerdings habe das nicht funktioniert. „Er ist mein Glücksschwein“, sagt Martino und tätschelt dem Tier, das seit Beginn der Corona-Zeit bei ihm lebt, den Kopf. Billy gebe ihm Hoffnung.

Etwas Hoffnung und Freude will Martino auch Familien geben, die ihn wieder besuchen dürfen. „Die Führungen sind günstig, damit sich das jeder leisten kann“, sagt er. Denn es sei ihm wichtig, dass Kinder die exotischen Lebewesen hautnah kennenlernen können, betont der Tierfreund.

VON YVONNE FITZENBERGER

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