Jubiläum vertagt

Von Langeweile keine Spur

Seit Längerem hat sich der Jahrgang 1940 nicht mehr persönlich getroffen. Margarete Fenchel (mit blauem Halstuch) fehlen die Zusammenkünfte. ArchivFoto: Jochum

Das Jahr hat sich Margarete Fenchel anders vorgestellt. 

Dietzenbach – Margarete Fenchel weiß, dass sie und ihr Mann Robert sich glücklich schätzen können. Gerade jetzt zu Corona-Zeiten. Sie haben ein Haus mit Garten auf dem Hexenberg, außerdem eine Kleingarten-Parzelle auf dem Wingertsberg. Viel Platz und reichlich zu tun also.

Vor allem aber sind sie nicht alleine. Sie haben sich und auch einer der Söhne wohnt mit im Haus, kümmert sich um die Eltern und deren Einkäufe. Dass es viele gibt, die aktuell schlechter dran sind, ist Margarete Fenchel klar. „Viele sind ja alleinstehend“, sagt sie. Gerade für die sei es wegen der eingeschränkten Sozialkontakte schwer.

Margarete Fenchel erzählt von ihrem ehrenamtlichen Engagement in der Christus-Gemeinde, wo sie zum Beispiel das Frauenfrühstück mitorganisiert oder die älteren Gemeindemitglieder besucht. Normalerweise. All das kann derzeit natürlich nicht passieren. Das sei nicht einfach für die, die alleine sind. Aber Margarete Fenchel hat andere Wege gefunden. „Ich telefoniere jetzt viel“, sagt sie. Sie ruft die Leute an, spricht mit ihnen, singt vor, erzählt Geschichten.

Von Langeweile ist bei Margarete Fenchel, die selbst 80 Jahre alt ist, trotz Corona keine Spur. Sie und ihr Mann Robert sind beschäftigt. Er werkelt im Garten. Sie arbeite vor allem im Büro, am Computer und am Telefon. Für die Kirche oder auch für ihren Schuljahrgang 1940, bei dem sie Teil des Organisations-Teams ist, das derzeit beratschlagt, ob und wie die abgesagte 80-Jahr-Feier, die coronabedingt ausfallen muss, nachgeholt werden kann. „Wir haben auch viele Freunde und Bekannte, mit denen wir oft telefonieren“, erzählt Fenchel. Trotzdem geht Corona an ihr und ihrem Mann nicht spurlos vorüber. Eigentlich wollte sie ihren 80. Geburtstag am 20. März groß feiern. Mit Freunden und Familie. Alle waren eingeladen, alles war vorbereitet. Dann kam Corona. Zunächst habe sie die ganze Sache wie so viele nicht richtig ernstgenommen. Als das Virus dann aber immer näher rückte, war klar, dass Margarete Fenchel in diesem Jahr nicht wird feiern können. Jedenfalls nicht so, wie es geplant war. Eine Woche vor ihrem Geburtstag sagte sie alles ab, gab ihren Gästen Bescheid, stornierte das Essen, ihre Kinder und Enkelkinder cancelten die Anreise. Letzten Endes verbrachte sie den Tag mit ihrem Mann und ihrem Sohn. „Es war trotzdem ein schöner Tag“, sagt sie. „Viele haben an mich gedacht, angerufen oder Blumen vor die Tür gestellt.“ Traurig, dass sie nicht so feiern konnte, wie sie es sich gewünscht hatte, ist sie dennoch. „Aber die Gesundheit ist jetzt natürlich wichtiger.“

Auch dass sie einen Großteil ihrer Familie nicht sehen könne, sei natürlich schwer. Ein Sohn arbeitet derzeit in New York, zwei Enkelkinder leben in Italien, in der Lombardei. „Um die hatten wir natürlich besonders Angst. Aber es gibt heute ja viele Möglichkeiten, trotzdem Kontakt zu halten.“ Facetime oder Whatsapp zum Beispiel, übers IPad. „Ich bin da schon immer modern gewesen und offen“, sagt Margarete Fenchel. Das komme ihr gerade jetzt in dieser Ausnahmesituation zugute. „Persönliche Kontakte fehlen dennoch.“ Mit Familie und Freunden, beim Gottesdienst oder beim Jahrgangstreffen.

Und dann sei da natürlich auch die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Alleine aufgrund ihres Alters gehören Margarete Fenchel und ihr Mann Robert, er ist 83 Jahre alt, zur Risikogruppe. „Vor allem am Anfang sei die Angst groß gewesen.“. Zum Arzt gehen sie nur noch, wenn es wirklich nötig sei. Einkäufe erledigt der Sohn. Auch Freunde und Bekannte helfen. „Nur manchmal gehe ich mit“, sagt sie. Ab und zu wolle sie eben auch mal selbst einkaufen. Ein mulmiges Gefühl habe sie aber immer, wenn sie draußen unterwegs ist.

An manchen Tagen kann sie das Ganze immer noch nicht glauben. In den letzten 80 Jahren habe sie viele Höhen und Tiefen erlebt. „Aber so was noch nicht.“ Nicht nur um sich und ihre Familie mache mache sie sich Sorgen, sondern um alle. „Zum Beispiel um die Kinder, die jetzt nicht zur Schule können, um die Familien.“ Margarete Fenchel hofft darum, dass all das bald vorbei ist und das Leben wieder in gewohnten Bahnen verläuft. Dann will sie auch ihren Geburtstag nachfeiern, das hat sie fest vor. „Irgendwas werde ich auf jeden Fall noch machen.“ Bis es so weit ist, sei es aber auch wichtig, positiv zu denken.

Von Lena Jochum

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