Selbstversuch

Lebensmittel ohne Plastik kaufen - ist das möglich?

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Gut vorbereitet funktioniert‘s: Zumindest einige Lebensmittel lassen sich gut ohne Verpackung einkaufen.

Obst und Gemüse, Wurst und Käse – in den Geschäften sind viele Lebensmittel in reichlich Plastik verpackt. Wir waren in drei Dietzenbacher Supermärkten unterwegs und haben versucht, ohne Verpackungen einzukaufen.

Dietzenbach – Rund 220 Kilogramm Verpackungsmüll hat 2016 alleine jeder Deutsche produziert, das teilte das Bundesumweltamt im vergangenen Jahr mit. In Europa ist Deutschland damit Spitzenreiter. Grund genug, sich an die eigene Nase zu fassen und selbst etwas zu ändern. Das Ziel ist klar: Abfallreduzierung. Und die fängt beim Einkauf an. Noch gibt es in der Kreisstadt keinen Unverpackt-Laden, funktioniert ein verpackungsfreier Einkauf dennoch?

Ausgerüstet mit Einkaufstasche und Brotdose – ohne die wird’s nichts – geht es zunächst in den Rewe-Markt an der Rathenaustraße. Ein Apfel und ein paar Tomaten landen im Stoffbeutel, ganz ohne Plastiktüte, ganz ohne Probleme. Alternativ bietet Rewe seit einiger Zeit wiederverwendbare Obst- und Gemüsebeutel an. Käse fürs Abendbrot steht ebenfalls auf dem Einkaufszettel, von der Frischetheke, nicht abgepackt. Auf die Frage, ob es möglich sei, den Aufschnitt in die mitgebrachte Box zu packen, schüttelt die Mitarbeiterin den Kopf. „Nein, das machen wir nicht“, sagt sie. Bald soll sich das allerdings ändern, teilt die Rewe-Pressesprecherin Katrin Allstädt auf Anfrage mit. „In wenigen Wochen wird es in vielen unserer Märkte möglich sein, an der Servicetheke Wurst, Fleisch und Käse in mitgebrachte Behältnisse füllen zu lassen.“ Außerdem habe Rewe bereits bei diversen anderen Produkten auf Verpackung verzichtet oder sie zumindest umweltfreundlicher gestaltet. Ohne Verpackung geht’s dann auch bei der Glocken-Bäckerei im Eingangsbereich des Supermarktes an der Rathenaustraße. Die beiden georderten Brötchen, einmal Roggen, einmal Dinkel, packt die Angestellte ohne Weiteres in den Beutel.

Auch bei Edeka Richter an der Gallischen Straße und bei Tegut am Masayaplatz ist der Kunde mit mitgebrachten Beuteln, Körben und Behältnissen gut bedient. Zwar sind in beiden Läden nach wie vor zahlreiche Produkte in der Obst- und Gemüseabteilung abgepackt, lose Alternativen gibt es aber bei einigen Sorten. „Wir wollen immer mehr weg von den dünnen Knotenbeuteln“, sagt Paul Lazar, stellvertretender Tegut-Filialleiter. Deshalb gebe es auch bei ihnen wiederverwendbare Beutel für Obst und Gemüse. Dass nach wie vor ein großer Teil der Ware verpackt ist, liege daran, dass es entsprechende Kennzeichnungspflichten gebe. Vor allem bei Ware aus biologischem Anbau verlange der Gesetzgeber, dass die Herkunft vermerkt ist, bestätigt auch Jürgen Richter von Edeka Richter. „Grundsätzlich wird aber immer weniger verpackt, es hat sich schon viel geändert.“ Bei Tegut landen also zwei Äpfel, eine Banane und einige Tomaten in der Einkaufstasche. Auch an der Selbstbedienungs-Backtheke kann auf die ausliegenden Tüten verzichtet werden, die Brötchen kommen ebenfalls in den mitgebrachten Beutel. Zum Wiegen muss an der Kasse zwar alles bis auf die Backwaren noch einmal raus aufs Kassenband – ein Aufwand, der durchaus zu verkraften ist. Obst und Backwaren, die gibt‘s dann auch im Edeka an der Gallischen Straße und der hauseigenen K&U-Bäckerei völlig ohne Verpackung.

In beiden Supermärkten – Edeka und Tegut – ist es anders als bei Rewe außerdem bereits möglich, Fleisch, Wurst und Käse in eigenen Boxen mit nach Hause zu nehmen. Die Ausnahme: Hackfleisch, Geschnetzeltes, Fisch. Aus Hygienegründen, weil derlei Produkte besonders sensibel seien, was Bakterien anbelangt, begründen beide Märkte diese Regel. Jeweils 100 Gramm Salami und Gelbwurst packt die Tegut-Mitarbeiterin aber gerne in die Plastikbox. Weil die Mitarbeiter nicht mit den externen Behältnissen in Berührungen kommen dürfen, muss die zuvor auf ein Tablett gestellt werden, nur das fasst die Angestellte an. Bei Edeka Richter ist das Prozedere das gleiche. 100 Gramm Butterkäse und ein Stück Brie in die mitgebrachte Box? „Das kriegen wir hin“, sagt der Mann hinter der Theke.

Angenommen werde das Angebot bisher nur in Maßen, sagt Jürgen Richter. „Es hat sich noch nicht so umgestellt, wie wir uns das wünschen.“ Trotzdem zeigt er sich zuversichtlich für die Zukunft, glaubt aber, dass der Wandel noch Zeit brauche.

VON LENA JOCHUM

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