"Meine Arbeit ist getan"

Langjährige Leiterin Petra Lück verabschiedet sich zum Monatsende von der Volkshochschule

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Letzte Tage im Stadtteilzentrum: Die „Abschiedstour“ hat für Vhs-Leiterin Petra Lück begonnen.

Im Februar kommenden Jahres hätte Petra Lück ihr Zehnjähriges als Leiterin der örtlichen Volkshochschule gefeiert. Wäre nicht der Zufall dazwischengefunkt.

Dietzenbach – Eine Freundin erzählte ihr im Frühjahr, dass die Deutsche Bahn in Frankfurt eine Referentin für integrierte Managementsysteme sucht. Das klang für Lück „total spannend“. „Da kam mir der Gedanke, mich noch einmal zu verändern. “ Gesagt, getan. Aktuell ist Lück auf Abschiedstournee: „Diese Woche sind noch viele Veranstaltungen und Verabschiedungen. “ 

Kommenden Montag gebe sie die Schlüssel für die Kreis-Vhs ab, am Dienstag dann die fürs Stadtteilzentrum, in dem die Vhs beherbergt ist. Sie gehe mit einem weinenden Auge, aber auch mit großer Zufriedenheit. „Ich habe das Gefühl, meine Arbeit ist getan. “ Nun sei die Zeit für etwas Neues gekommen. 

Dietzenbach: In ihrem Leben gibt es zwei Standbeine

 „Ich schließe damit an das an, was ich vor der Vhs gemacht habe“, sagt Lück, die 2010 von der Zertifizierungsstelle DQS zur Volkshochschule gewechselt ist. In ihrem Leben habe es immer zwei Standbeine gegeben, das Umweltmanagement und die Weiterbildung, sagt Lück, die in Dietzenbach aufgewachsen ist und in Rodgau wohnt. Auch zur Vhs habe sie der Wunsch nach Weiterentwicklung und Veränderung getrieben. Die Stelle in Dietzenbach war für Lück auch eine Rückkehr, hat sie doch ihre Banklehre bei der heutigen Volksbank Dreieich, damals noch Spar- und Kreditbank Dietzenbach, absolviert. „Ich habe viele bekannte Gesichter wiedergetroffen. “ Übrigens hat Lück auch privat in diesem Jahr ein neues Kapitel aufgeschlagen und mit dem Harfespielen begonnen, „als Ausgleich für die stressigen Momente“.

An ihre Anfangszeit als Leiterin erinnert sich Lück noch gut. Damals habe es zwischen der Vhs und der Stadt ein schwieriges Verhältnis gegeben. Einer ihrer ersten Termine führte sie zum erst seit Kurzem amtierenden Bürgermeister Jürgen Rogg. „Wir haben gesagt, wir sind beide neu, also Schwamm über die alten Geschichten.“ Die Zusammenarbeit mit der Stadt habe seither gut funktioniert, auch bei den „schwierigen Themen“ Bezuschussung und Mietzahlungen. Der Umgang sei immer verständnisvoll gewesen. Die Vorsitzende des gemeinnützigen Vhs-Vereins, Gudrun Rahn, habe einmal zu Lück gesagt, ihr sei es gelungen, die Vhs-Arbeit bei der Stadt gut darzustellen.

Dietzenbach: Umbau des Stadtteilzentrums 2015

Mit Rahn und deren Stellvertreter Dieter Klühspies habe sie eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet, betont Lück, ansonsten haben sich die Gesichter im Vorstand in den vergangenen zehn Jahren verändert. Auch langjährige Kursleiterinnen hat sie in der Zeit verabschiedet: „Das sind besondere Momente“, betont Lück und nennt die Kursleiterinnen die Dreh- und Angelpunkte der Volkshochschule, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

In ihre Zeit als Leiterin fällt auch der Umbau des Stadtteilzentrums 2015, die Einführung einer neuen Verwaltungssoftware und in dem Zuge auch eine Neugestaltung. „Wir haben den Blick auf Effizienz und Effektivität gelegt, um Freiraum für Beratungen und Gespräche zu bekommen.“ Das Angebot wurde unter Lücks Ägide verschlankt und vor allem kleinere Angebote wie Workshops und Abendveranstaltungen, die weniger gut besucht waren, reduziert. „Wir haben geschaut, wo gibt es Bereiche, die nicht so gut ankommen.“ Und so hat sich das Angebot von 12 000 Unterrichtseinheiten mit etwa 400 Kursen im Laufe der vergangenen zehn Jahre auf etwa 10 000 Unterrichtseinheiten mit rund 300 Kursen eingependelt. Lück findet, das war eine gute Entscheidung – Qualität geht vor Quantität. Das Reisenangebot etwa wurde umstrukturiert und der Gesundheitsbereich „stabil aufgestellt“.

Dietzenbach: viele bürokratische Hürden in der Zeit

Auch die Flüchtlingswelle und die rapide gestiegene Nachfrage nach Integrationskursen hat Lück miterlebt und damit auch die gestiegenen bürokratischen Hürden des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). „Früher mussten wir nur eine Teilnehmerliste mit Kreuzchen ans BAMF schicken, heute müssen wir in einem hochautomatisierten System tagesaktuell ans BAMF berichten.“ Die große Anzahl an Geflüchteten habe man bei der Vhs gut gemeistert, „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, das Angebot weiterzuführen und nicht auszubauen, damit es nicht zulasten anderer Bereiche geht“, sagt Lück.

Das alles hätte sie in den vergangenen Jahren aber nicht ohne ihre Mitarbeiter geschafft, betont sie. Auf diese kommt in den kommenden Monaten Mehrarbeit zu. Aber da hat sie keine Sorge: „Sie sind kompetent und engagiert – sie werden es gut weiterführen.“

Dietzenbach: Es gibt keinen lückenlosen Übergang

Denn einen lückenlosen Übergang in der Vhs-Leitung gibt es nicht. Die Stelle war ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist ist beendet. Realistisch könne mit ihrem Nachfolger in den ersten Monaten des neuen Jahres gerechnet werden, schätzt Lück. Doch auch für die Überbrückungsmonate sei die Vorarbeit gemacht. Das neue Programm stehe bereits, „es ist viel vorbereitet“. Sie habe die große Hoffnung, dass die Vakanz vonseiten der Teilnehmer und Kursleiter nicht so wahrgenommen wird.

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