Immer wieder wird von den Gräbern auf dem Friedhof gestohlen

Letzte Ruhestätten nicht vor Dieben sicher

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Auf dem Dietzenbacher Friedhof wird regelmäßig Grabschmuck entwendet.

Dietzenbach - Das letzte Hemd hat keine Taschen, so die Redensart. Langfinger hat das in der Vergangenheit häufig allerdings nicht davon abgehalten, ihr Unwesen auf dem Dietzenbacher Friedhof zu treiben. Und auch andere Ruhestätten sind betroffen. 

Auch eine Leserin musste diese leidvolle Erfahrung vor Weihnachten machen – und das nicht zum ersten Mal. Kurz vor Weihnachten habe sie ein großes Gesteck aufs Grab der Schwiegermutter gestellt. Schon am nächsten Tag sei es gestohlen gewesen. „Ich war entsetzt, habe zuvor noch gedacht, dass sich meine Schwiegermutter da oben bestimmt freuen würde. “ Auch an Ostern sei von der Ruhestätte schon Grabschmuck samt einem großen Topf gestohlen worden. „Die müssen eine Schubkarre dafür benutzt haben, so etwas regt mich auf, die Toten können sich ja nicht selbst schützen“, sagt die Leserin.

Das Problem ist Michael Würz, Leiter der Städtischen Betriebe, bekannt, auch wenn er vom jüngsten Vorfall zum ersten Mal hört. Er empfiehlt eine Anzeige bei der Polizei in solchen Fällen, selbst wenn die Erfolgschancen für eine Aufklärung überschaubar seien. Dass es in Dietzenbach keinen Schließdienst für die Friedhofstore gibt, sei organisatorisch bedingt und habe finanzielle Hintergründe. „Von einem verschlossenen Tor ließen sich die Diebe wohl auch nicht wirklich abschrecken, so etwas ist völlig unverständlich und für mich schon Grabschändung.“ Im Zweifelsfall, so Würz, würden die Eindringlinge eben über eine Mauer oder einen Zaun steigen. „Die Kosten für einen Wachdienst wären allerdings erheblich.“ Mit dem Thema Videoüberwachung hat man sich indessen schon beschäftigt. „Das wäre natürlich in so mancher Hinsicht problematisch, es ist aber auch nicht ausgeschlossen“, sagt Würz.

Und auch in anderen Teilen der Region häufen sich die Meldungen über Diebe und Vandalen. Ein Hanauer zum Beispiel soll unter anderem mehr als 100 Grablichter von Friedhöfen im benachbarten Unterfranken gestohlen haben. Auf dem Friedhof in Bessungen haben Vandalen innerhalb von sechs Monaten gleich drei Mal gewütet und dabei mehrere Holzkreuze aus den Gräbern gerissen und verteilt. In Offenbach und Frankfurt beschweren sich Angehörige ebenfalls über Vandalismus. Unbekannte klauten hier Urnen aus Fächern.

In Zellhausen dagegen werden in den vergangenen Monaten wiederum fast täglich die Toilettenanlagen auf dem alten Friedhof verschmutzt und Einrichtungsgegenstände zerstört. Auf dem Friedhof in Darmstadt haben Unbekannte außerdem drei tonnenschwere Bronzefiguren entwendet. Diese gehörten zu einem Denkmal für die Opfer des Krieges. Und kurz vor Weihnachten war auch der Friedhof in Rodgau das Ziel von Langfingern. Mindestens 41 Grablichter klauten die Unbekannten. (wac/jo)

Grabsteinkontrolle auf dem Hauptfriedhof Frankfurt: Bilder

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