Friedhof

Dietzenbach: Manches blüht auch im Winter

Die Banane auf dem Friedhofsgelände wurde frostsicher verpackt, das Exemplar im Gewächshaus trägt Früchte. Die Mitarbeiter haben auch im Winter gut zu tun.
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Die Banane auf dem Friedhofsgelände wurde frostsicher verpackt, das Exemplar im Gewächshaus trägt Früchte. Die Mitarbeiter haben auch im Winter gut zu tun. 

Zu Allerheiligen und am Ewigkeitssonntag herrscht der meiste Betrieb auf dem Friedhof an der Offenthaler Straße. In der Adventszeit hingegen kommen die Menschen zur Ruhe. 

Dietzenbach – „Ewigkeit“ ist ein Begriff, dessen Bedeutung sich für Lutz Berger über die Jahre verschoben hat. Schon sein Vater war Friedhofsverwalter, das Elternhaus stand auf einem entsprechenden Gelände. „Es wird einem bewusst, dass man endlich ist“, beschreibt Berger, „doch gleichzeitig weiß man das ,Jetzt’ mehr zu schätzen. “ Während für manche der Kreislauf des Lebens auf dem Friedhof endet, lebt für andere die Erinnerung an einen lieben Menschen auf ewig fort. Das macht den Friedhof zu einem Ort mit besonderer Atmosphäre und schürt doch Vorurteile. „Nein, mein Beruf ist gar nicht so ,traurig’, wie viele immer denken“, sagt der Friedhofsverwalter von den Städtischen Betrieben.

Mit etwa 160 bis 200 Bestattungen im Jahr machen Beerdigungen, die durchaus Empathie erfordern, nur rund 20 Prozent der Beschäftigung aus. Die übrige Arbeit ist ziemlich lebendig. Als Abteilungsleiter regelt er zusammen mit seinem Team alles, was den meisten Besuchern der letzten Ruhestätte verborgen bleibt. „In verregneten Sommern müssen wir zum Beispiel bis zu zwölf Mal mähen“, berichtet Berger. Bei 9,1 Hektar kommen so einige Arbeitsstunden zusammen. Im Herbst entledigen sich die alten Eichen, Birken und Rosskastanien ihres Laubkleides. Und auch in den Wintermonaten gibt es genug zu tun, wenn die Kamelie und der Weißdorn blühen.

Auch die übrige Bepflanzung auf dem Friedhofsgelände erfordert die Aufmerksamkeit und Pflege des Friedhofteams. Im ehemaligen Gewächshaus an der Grenzstraße überwintert das „mobile Grün“. Das sind Kakteen, Farne oder kleine Obstbäume in Kübeln, die gut geschützt auf mildere Temperaturen warten. „Die Besucher pflücken sich gerne im Vorbeigehen etwas“, weiß Berger, der eigentlich Gärtnermeister ist. Die hintere Ecke des gläsernen Häuschens versinkt in Bananenblättern. Berger schiebt das dichte Grün beiseite und offenbart eine Bananenblüte. „Die trägt sogar Früchte“, erzählt er. Um die Größe der Frucht anzuzeigen, genügt dem Verwalter die Spanne zwischen Zeigefinger und Daumen.

Die Bananenpflanze, die auf dem älteren Teil des Friedhofs in der Erde sitzt, wurde vor ein paar Wochen frostsicher eingepackt. „Die treibt aber nicht aus, der ist es zu kalt“, meint Berger und schaut das Paket aus Luftpolsterfolie und Schnüren fast verständnisvoll an. Mit braunen, vertrockneten Halmen sehen die Blühflächen, die den Sommer über ein buntes Bienenparadies waren, nun ein wenig trist aus. Die Sonnenblumen lassen zwar kraftlos die Köpfe hängen, doch bieten sie den heimischen Vögeln eine Nahrungsquelle im Winter. So ist er eben, der Kreislauf der Natur.

Für das kommende Frühjahr hat der Gärtnermeister auch schon Pläne. „Ich versuche immer, einen Hingucker zu kreieren oder etwas, worüber die Menschen sprechen“, sagt der 58-Jährige. Die Dietzenbacher seien sehr kommunikationsfreudig, sagt er weiter, er freue sich über Resonanz. Auch außerhalb der Friedhofsmauer sieht man Bergers Liebe zum Detail. An der SG-Kreuzung verbindet er Kunst mit Botanik. Derzeit ziert ein beleuchteter Schlitten den kleinen Hügel.

„In erster Linie ist ein Friedhof für die Menschen da“, findet Berger. Um in sich zu gehen, um atmen zu können, um Trauer und andere Emotion bewältigen zu können. „Und unsere Aufgabe ist, die Natur auf dem Areal zu erhalten und zu gestalten.“

VON LISA SCHMEDEMANN

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