Liegestütz und Strecksprung im Flieger

Dietzenbach: Maya Möller springt in Tokio zum Vize-Weltmeistertitel

Zum Weltmeistertitel gesprungen: Die zwölfjährige Maya Möller hat Deutschland bei der Trampolin-Weltmeisterschaft in Tokio erfolgreich vertreten. 
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Zum Weltmeistertitel gesprungen: Die zwölfjährige Maya Möller hat Deutschland bei der Trampolin-Weltmeisterschaft in Tokio erfolgreich vertreten. 

Maya Möller aus Dietzenbach erzählt von ihren Erlebnissen in Tokio. Aus Japan hat die zwölfjährige Trampolinerin auch einen Vize-Weltmeister-Titel mitgebracht. 

Dietzenbach – Im Zimmer der zwölfjährigen Maya Möller hängen bunte Bilder mit Sprüchen an der Wand. „Smile“ lautet etwa eine dieser Motivationen, über dem Bett prangt das Wort „Trampolin“. Origamivögel in den Farben der deutschen Flagge und einige Medaillen lassen allmählich auf die Interessen des Mädchens schließen, eine Stange für Klimmzüge über dem Türrahmen rundet das Bild ab. Ihre neuen Errungenschaften präsentiert die Siebtklässlerin Maya stolz: Neben typischen Souvenirs wie T-Shirts oder Kühlschrankmagnete hat Maya eine Bronze- und eine Silbermedaille aus Japan mitgebracht.

Die junge Turnerin wurde jüngst als Vize-Weltmeisterin im Trampolinspringen gefeiert (wir berichteten). Im Einzelwettkampf bei der World Age Group Competition in Tokio bestieg Maya ebenfalls das Treppchen. Doch der „Höhenflug“ beschränkt sich bei der zwölfjährigen lediglich auf bis zu sieben Meter über dem Sportgerät.

Im Gegensatz zu ihren Altersgenossen hat Maya wohl schon mehr von der Welt gesehen. Das vergangene Jahr über hat sie an verschiedenen Qualifikationen quer durch Europa teilgenommen und ist im Dezember im rund 9 300 Kilometer entfernte Japan angetreten. Ob der Zwölfjährigen das bewusst war? „Wir sind ja schon mal lange nach Spanien gefahren, aber in einem Flugzeug ist es doch etwas anderes“, erinnert sie sich, zuckt mit den Schultern und zeigt ein breites Zahnspangengrinsen. „Aber wir haben ein paar Burpees hinten im Gang gemacht“, erzählt sie. Mit dieser Mischung aus Liegestütz und Strecksprung haben sich die WM-Teilnehmer die Zeit vertrieben, bis sie schließlich in Japan gelandet sind. „Wir sind drei Tage später hinterher geflogen“, berichtet Mutter Katja Möller. Die Kosten für die Reise, Unterbringung und Verpflegung der Turnerin musste die Familie selbst tragen. Ihr Mann Dirk war kurz zuvor geschäftlich in Tokio und hat sich im Zuge dessen bereits das Stadion angeschaut, das gerade wegen Olympia neu errichtet wurde. „Während der Qualifikationsphase hat Maya schon gesagt, dass sie dorthin möchte“, berichtet der Vater.

Gesagt, getan. Mit einer 30-köpfigen Gruppe sind die deutschen Teilnehmer in Fernost gelandet. Am ersten Wochenende haben sie sich die Zeit genommen, das Land und seine Kultur kennenzulernen. Ausflüge zum Kaiserpalast oder zur großen Shibuya Kreuzung standen auf dem Plan. „Dort gibt es Zebrastreifen, die diagonal über die Straße gehen“, erzählt Maya mit großen Augen. Und viele hohe Häuser. Und keine Mülleimer auf der Straße.

Handstand vor malerischer Kulisse: Maya Möller genießt die Zeit im Land der aufgehenden Sonne.

Nach dem ersten Wochenende ging es mit dem Training los. Mit Shuttlebussen wurden die Gruppen zu den Sporthallen gebracht. „Das war alles ganz streng“, beschreibt Maya, „nur wer einen Pass hatte, durfte rein.“ Dasselbe Prinzip galt auch bei der Verpflegung. „Da mussten wir richtig aufpassen, an unsere Essensmarken zu denken“, sagt sie und lacht. Eine Kameradin sei fast leer ausgegangen.

Das Essensbüffet fiel bei 40 unterschiedlichen Nationen vielfältig aus und hielt nicht nur die japanische Küche bereit. Das Mädchen erzählt: „Es gab schon morgens Pommes.“ Das sei in den ersten drei Tagen der Renner gewesen, doch verlor recht bald an Brisanz. Strenger als zu Hause war hingegen die Bettruhe geregelt, die um zehn Uhr abends die jungen Sportler zur Ruhe zwang.

Doch die war nötig; die zehn Tage waren kein Urlaub. Während Maya durch die Lüfte wirbelte, drückten zu Hause ihre Klassenkameraden in der Ernst-Reuter-Schule die Schulbank. Einige Arbeiten musste sie vor- oder nachschreiben, weshalb die Schulbücher fester Bestandteil des Gepäcks waren. „Die Noten stimmen, das beruhigt uns natürlich als Eltern“, sagt Vater Dirk Möller. „Andernfalls würden wir uns aber auch etwas einfallen lassen, wir unterstützen Maya in allem“, betont die Mutter.

Die Ziele setzt sich die Zwölfjährige in kleinen Schritten. Um sie zu erreichen, trainiert sie bis zu fünfmal in der Woche. „Andere in meinem Alter treffen sich wahrscheinlich öfter mit Freunden“, vermutet Maya. Die Trampolinspringerin schmiedet bereits neue Pläne: Ende Februar beginnen die Qualifikationen für die Europameisterschaft in Schweden. „Dort will ich mindestens meinen Titel verteidigen“, verkündet die junge Sportlerin.

VON LISA SCHMEDEMANN

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