Mitarbeiterin auf vier Pfoten

Maltipoo Maily wird zum Kindergartenhund ausgebildet

Ein voller Stundenplan: Hundetrainerin Heike Brinkmann (links) bildet Maily gemeinsam mit ihrer Besitzerin Kerstin Niedentahl in den kommenden zwölf Wochen für den Einsatz im Kindergarten aus.
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Ein voller Stundenplan: Hundetrainerin Heike Brinkmann (links) bildet Maily gemeinsam mit ihrer Besitzerin Kerstin Niedentahl in den kommenden zwölf Wochen für den Einsatz im Kindergarten aus.

Die Erzieher der Kita 4, aber auch die Eltern haben ganze vier Wochen lang versucht, ein kleines Mädchen davon zu überzeugen, seinen Schnuller zur Seite zu legen. Doch das Kind aus dem U3-Bereich blieb standhaft. Erst als sie die Hündin Maily kennenlernte, konnte sich das Mädchen von dem geliebten Nuckel trennen. „Sie wollte ihn Maily in die Schnauze stecken“, erzählt Kindergartenleiterin und Hundebesitzerin Kerstin Niedenthal. Seither lege das Kind seinen Schnuller jeden Morgen in das dafür vorgesehene Kästchen.

Dietzenbach – Genau solche Begegnungen zwischen Tier und Kind sind der Grund, aus dem sich Niedenthal für den regelmäßigen Besuch des Vierbeiners in der Kita und die entsprechende Ausbildung der Hündin entschieden hat. Maily soll vor allem als Ruhepol für unruhige Kinder und als Mutmacher für schüchterne Mädchen und Jungen eingesetzt werden. Doch bevor es so weit ist, haben die Besitzerin und ihr Maltipoo (Anmerkung der Redaktion: Ein Maltipoo ist eine Kreuzung aus Malteser und Pudel) noch viel Arbeit zu erledigen. Schließlich ist der Stundenplan für die kommenden zwölf Wochen prall gefüllt. Die erste Hürde allerdings hat Maily bereits mit Bravour gemeistert.

Denn wie Hundetrainerin Heike Brinkmann erklärt, muss ein Kindergartenhund zunächst einen Wesenstest bestehen. „Das Tier sollte gerne Kontakt suchen und keine Scheu vor Menschen haben“, erläutert sie. Auch sei es wichtig, dass der Vierbeiner auf Einrichtungen wie einen Rollstuhl oder auch auf Kindergeschrei nicht aggressiv reagiert. „Dennoch darf der Hund ruhig anzeigen, wenn ihm eine Situation unangenehm ist“, so die Eigentümerin der Hundeschule „Good Dogs“. Dies jedoch, indem er etwa Schutz bei seinem Besitzer sucht. Maily habe sich während des Tests als sehr freundliche, zugewandte und gelehrige Hündin gezeigt, sodass ihrer Ausbildung nichts mehr im Wege stehe.

Dabei wird die künftige Kita-Mitarbeiterin aus dem Tierreich insbesondere lernen, auf die Blicke von Kerstin Niedenthal zu reagieren. „So soll sie etwa verstehen, wann sie ein Leckerli nehmen darf und wann nicht“, erklärt Brinkmann. Wenn die Kinder lediglich mit den Leckerbissen spielten und der Hund komme plötzlich zu ihnen, könne das schnell zu einem negativen Erlebnis werden.

Aber auch in anderen Situation ist es wichtig, dass der Begleithund bereits auf die kleinsten Signale seiner Besitzerin reagiert. Etwa, wenn die Kindergartenkinder gemeinsam mit Maily eine Aufgabe bewältigen sollen. So kann sie den Kleinen etwa helfen, die Farben zu lernen. „Dazu nimmt man beispielsweise eine Toilettenpapierrolle, in die man ein farbiges Tuch und ein Leckerli steckt“, erläutert Heike Brinkmann. Kennt das Kind die richtige Antwort, bekommt der Hund ein möglichst verdecktes Zeichen und darf das Tuch aus der Rolle ziehen. Nicht nur für das Tier, vor allem für die Mädchen und Jungen sei das Erfolgserlebnis wichtig.

Bevor der kleine Maltipoo sein Können im Alltag unter Beweis stellen kann, muss er Ende des Jahres zunächst die erste von zwei Prüfungen ablegen. „Die Besitzer müssen dazu einen Stundenverlaufsplan entwickeln“, macht Brinkmann deutlich. In diesem Plan werde festgehalten, was Maily während einer Arbeitseinheit machen soll. Gemeinsam mit einem Trainer werde über die Einheit geschaut und eventuelle Verbesserungsvorschläge eingearbeitet.

In den darauf folgenden Wochen wird die Hündin dann in den Kindergarten eingeführt. „Es ist wichtig, dass sie nach und nach alles kennenlernt, damit sie nicht überfordert ist“, betont Brinkmann. Zum Schluss stehe dann eine weitere Prüfung an, bei der darauf geachtet werde, ob Maily bei den Aufgaben Vermeidungsverhalten zeigt oder sie alle Aufträge motiviert bewältigt. Hat sie die Herausforderungen bestanden, kann sie ihre Arbeit als Kindergartenhund aufnehmen. (Von Anna Scholze)

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