Ursache ist bislang unklar

Mysteriöses Fischsterben: Tausende Kadaver treiben auf Angelweiher 

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Ungeklärte Ursache: Tausende kleine und mittelgroße tote Fische treiben ans Ufer des Angelweihers.

Dietzenbach – Es sind unruhige Tage, die Jürgen Weisser, Vorsitzender des Angelsportvereins (ASV), derzeit erlebt. „Es ist eine Situation, die wir so noch nicht hatten“, sagt der Sportfischer. Von Burghard Wittekopf und Ronny Paul

„Es kommt immer mal vor, dass Fische sterben, aber meistens finden wir die Ursache sehr schnell.“ Doch diesmal ist es anders, denn innerhalb weniger Tage sind mehrere Tausend Fische verendet. „Die jetzt gestorbenen Fische sehen vollkommen normal aus“, sagt Weisser und zeigt Aufnahmen, die er erst kürzlich gemacht hat. „Die Kiemen sind rötlich, die Augen klar und sie haben keine äußeren Verletzungen.“

Alle Arten, die in dem Dietzenbacher Gewässer heimisch sind, seien betroffen: Brasse, Forelle, Hecht, Zander, Rotfeder, Rotauge und Aal. Und es hat nicht nur Jungfische getroffen. Weisser hat am Sonntag einen großen toten Hecht aus dem Weiher gefischt. Ein kleiner Hecht schwamm ebenfalls benommen am Ufer und konnte mit der Hand gefangen werden. Schnell haben die Angler den kleinen Hecht in das benachbarte Aufzuchtbecken gesetzt, aber die Rettung kam zu spät. Der Kleine ist ebenfalls verstorben.

Massensterben am Angelweiher: Jürgen Weisser vom AGV-Vorstand holt tote Fische aus dem Weiher.

Hunderte Fische in Dietzenbach ans Ufer gespült - Polizei vor Ort

Alles ging sehr schnell: Erst vergangene Mittwoch hat ein AGV-Mitglied Aale am Ufer gesehen. „Das ist sehr ungewöhnlich“, sagt Gewässerwart Thomas Kunz. „Das ist viel zu früh, denn Aale und Karpfen liegen jetzt noch unten am Grund.“ Am Freitag kam dann die erste Schreckensnachricht, denn an dem Tag sind viele Hundert Fische durch den Wind ans Ufer gespült worden. „Wir haben die Polizei gerufen, die den Sachstand aufgenommen hat“, sagt Weisser. „Dann haben wir Wasserproben an den unterschiedlichsten Stellen genommen.“ Der Fischweiher wird vom Kaupenwiesengraben, der aus Richtung Hexenberg kommt, gespeist und fließt dann in Richtung Rödermark ab. Die Wasserproben am Zu- und Ablauf und die Proben des Gewässers sind gesichert und bereits durch Schnelltests auf Auffälligkeiten untersucht worden, aber bisher konnten keine Abweichungen von Normalwerten festgestellt werden. „Das Ganze ist sehr mysteriös“, findet Weisser. „Alle Werte, auch der Sauerstoffgehalt, sind normal.“

Inzwischen waren Mitarbeiter der Unteren Wasser- und Bodenschutzbehörde des Kreises Offenbach vor Ort und haben sich genau über die Sachlage informiert und das weitere Vorgehen besprochen. Auf Nachfrage teilt Kreissprecherin Ursula Luh mit, nach erster Ansicht sehe der Weiher gut aus, es gebe keine Verfärbungen. Die Fachleute der Behörde seien weiter auf der Suche nach der Ursache für das Fischsterben. Man müsse nun zunächst über die weitere Vorgehensweise beraten. Als erste Vorsichtsmaßnahme wurde von Mitgliedern des Angelvereins der Zufluss zum Kaupenwiesengraben geschlossen.

Massensterben am Angelweiher: Jürgen Weisser vom AGV-Vorstand holt tote Fische aus dem Weiher.

Fischereiverband ist eingeschaltet

Auch der Fischereiverband ist eingeschaltet. „Wir wollen wissen, ob es vielleicht ein klimatischer Effekt ist und ob das auch in anderen Gewässern passiert ist“, sagt Weisser. „Abwegig ist das nicht, denn der sehr lange, sehr heiße Sommer war für die Raubfische schon sehr anstrengend“, erläutert Kunz. „Wenn es heiß ist, dann fressen sie weniger, haben weniger Reserve und sind im Frühjahr anfälliger. Das ist wie bei uns Menschen, wir essen ja auch weniger, wenn es draußen sehr warm ist.“

Als nächstes wollen die Sportangler den Weiher mit einem Echolot abfahren. „Wir hatten schon mal einen Kühlschrank, den jemand in unserem See versenkt hat“, berichtet Weisser. „Der rostete und hat seine Giftstoffe an das Wasser abgegeben.“

Warum uns die Natur so gut tut

Die toten Fische werden aus dem Gewässer mit dem Köcher entfernt. Wenige werden für spätere Untersuchungen gefrostet, einige Exemplare werden schnellstens in ein Labor gebracht und weiter untersucht. Weisser: „Wir müssen der Sache genau auf den Grund gehen. Zum einen ist uns ein nicht unerheblicher wirtschaftlicher Schaden entstanden, zum anderen müssen wir eine absichtliche oder unabsichtliche Vergiftung unseres Gewässers ausschließen.“

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