Nabu startet Spendenaktion

Himmelsteich im Dickicht

+
Mit einigen weiteren Engagierten renaturiert Ludwig Schneefeld das Nabu- Gelände am Kaupenwiesengraben.

Dietzenbach - Die Nabu-Ortsgruppe möchte ihr Gelände am Kaupenwiesengraben renaturieren. Es sollen sich Amphibien, Vögel und Fledermäuse ansiedeln. Während sich vieles in Eigenregie regeln lässt, fehlt es an Geld zum Entfernen eines Betonfundaments und einer Mauer. Von Christian Wachter 

Dafür wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.
Ludwig Schneefeld, Vorsitzender der Dietzenbacher Nabu-Ortsgruppe, und seine Mitstreiter halten kurz inne. Hoch oben haben sie einen Rotmilan entdeckt und mutmaßen, wo das Weibchen ist. Um sie herum ist Grün, viel Grün. Die Stimmen der Naturschützer sind aus dem Dickicht heraus jedenfalls schon lange zu hören, bevor man sie sieht. Und das, obwohl sie schon allerlei entfernt haben, was ihrem Ziel in die Quere wächst, das Nabu-Gelände im Landschaftsschutzgebiet am Kaupenwiesengraben zu renaturieren. So haben sie zahlreiche Neophyten – Pflanzen, die in Gebieten vorkommen, in denen sie eigentlich nicht heimisch sind – aus dem Boden geholt, Lorbeerkirschen oder Essigbäume etwa. Das soll auch der Amphibienförderung dienen. Außerdem wollen die Nabu-Mitglieder eine Fledermauskolonie aufbauen und eine Wildblumenwiese anlegen. Die Arbeit verteilt sich auf eine überschaubare Anzahl Schultern. 73 Mitglieder hat die Gruppe, zehn finden regelmäßig Zeit, am Kaupenwiesengraben anzupacken.

Alles lässt sich dann doch nicht in Eigenregie regeln. Da gibt es etwa die Betonmauer, die einst zwischen den längst aufgegebenen Gärten errichtet wurde. Diese und ein 36 Quadratmeter großes Betonfundament, erläutert Schneefeld, behinderten die Amphibien und andere Arten und verhinderten den Pflanzenwuchs. Um den Beton zerschneiden, abtransportieren und entsorgen zu können, müsse allerdings eine Fachfirma her. Und so hat die Gruppe eine Crowd-Funding-Kampagne über die Volksbank Dreieich ins Leben gerufen, welche die Ziele unter dem Motto „ein Trittstein für die Natur“ zusammenfasst. 1000 Euro sollen zusammenkommen. „Wenn wir das Ziel nicht erreichen, geht das Geld wieder an die Spender zurück“, sagt Schneefeld und hofft, das genau das nicht passiert. Die Bank indes beteiligt sich an jeder Spende von fünf Euro oder mehr mit fünf Euro.

Knochenarbeit gibt es aber auch für die Ehrenamtler noch reichlich. Schließlich sind da noch die mit Schlamm gefüllten Gräben. Wie Schneefeld berichtet, waren das in den 60er Jahren einmal Karpfenteiche. Schon bald sollen dort „Himmelsteiche“ zu bestaunen sein. Gewässer also, die keinen Zulauf haben und ausschließlich durch Regen gefüllt werden. Um die Schlammmassen herauszubekommen, haben die Engagierten ein Holzbrett angebracht, das in die Grube führt. An einem Seil wird eine Schubkarre darauf hinuntergelassen und befüllt wieder nach oben gezogen – wieder und wieder. Wenn sich der Spaten in die Erde gräbt, knackt es. Die Wurzeln des Röhrichts liegen tief, sagt Schneefeld. Bei den Teichen wolle man auch darauf achten, dass die Amphibien sich zurückziehen können, gerade, wenn es ans Überwintern geht.

Über erste Erfolge konnte sich die Gruppe schon freuen. Es sollen nämlich auch Vogelarten angesiedelt werden. Auf dem Gelände wurden schon Ringeltauben, Kohlmeisen, Gartengrasmücken, Kleiber und Stare gesichtet.

Wer die die Crowdfunding-Kampagne unterstützen möchte, findet online auf vobadreieich.viele-schaffen-mehr.de/ein-trittstein-fuer-die-natur alle Infos.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare