Die Kirche in der Region sichtbar gemacht

Nach zwölf Jahren als Dekan des Dekanats Rodgau übernimmt Carsten Tag eine neue Aufgabe

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Abschied nach zwölf Jahren: Dekan Carsten Tag tritt im März den Vorsitz der Diakonie Hessen an.

Der Schreibtisch ist so aufgeräumt wie in den Jahren zuvor nicht, sagt Carsten Tag und muss schmunzeln.

Dietzenbach –  Der Dekan des Dekanats Rodgau hat in seinem Büro im zweiten Stock des Hauses der Evangelischen Kirche am Theodor-Heuss-Ring noch einmal jeden Ordner und jede Akte in die Hand genommen und Wichtiges von Unwichtigem getrennt. Er habe den Eindruck, das, was er habe machen können, zu Ende gebracht zu haben, sagt Tag rückblickend auf seine zwölf Jahre im Amt. Ab März wartet auf den 55-Jährigen eine neue berufliche Aufgabe als Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, die ihren Sitz in Frankfurt hat. Er freue sich auf die neue berufliche Herausforderung, sagt der in Rödermark lebende Theologe.

Bis dahin heißt es: Abschied nehmen. Etwa am Sonntag, 16. Februar. Da wird Tag bei einem Gottesdienst in der Christuskirche (Darmstädter Straße) von der Pröbstin für Starkenburg, Pfarrerin Karin Held, entpflichtet. Beginn des Gottesdienstes ist um 17 Uhr, anschließend gibt es einen Empfang.

Zwei Meilensteine seiner Amtszeit sind für Tag im Haus der Evangelischen Kirche allgegenwärtig: die Kita Unterm Regenbogen sowie die Krippe – im Parterre und im ersten Obergeschoss des Gebäudes. „Ich find’s großartig“, sagt der gebürtige Gladbecker über das Tür-an-Tür-Dasein mit dem Nachwuchs. Er findet es klasse, im Büro zu sitzen und tobende, spielende Kinder zu hören: „Das prägt die Atmosphäre im Haus und füllt es mit Leben.“ Auch die ein oder andere Andacht hat er in der Krippe geleitet. Da habe er mal wieder die Möglichkeit gehabt, als Pfarrer wirken zu können. Als solcher war er von 2000 bis 2008 in einer Gemeinde in Nieder-Weisel in Butzbach tätig.

Die Schwerpunkte seiner Arbeit lagen in der Unterstützung anderer, Verantwortung zu übernehmen, sowie in der Kinder- und Jugendarbeit, betont der evangelische Theologe. Er sei dankbar für die Möglichkeit, dass er das Amt zwölf Jahre ausüben durfte und für die Zusammenarbeit mit den Menschen im Dekanat, für die er seit Februar 2008 da ist.

2004 gab es eine Dekanatsstrukturreform mit dem Ziel, die sogenannte mittlere Ebene zu stärken. Das heißt, das Dekanat als Bindeglied zwischen den Kirchengemeinden und der Landeskirche sowohl personell als auch finanziell besser aufzustellen. Das fällt in Tags Amtszeit. Ein wesentlicher Schwerpunkt seiner Arbeit war und ist es, die Evangelische Kirche in der Region fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen. „Als ich 2008 kam, ging es darum, das Ganze aufzubauen und Handlungsfeldern ein Gesicht, eine eigene Bedeutung zu geben.“ Er hat berufsübergreifende Treffen eingeführt und so die Zusammenarbeit verschiedener Jobgruppen, etwa Pfarrer, Referenten und Pädagogen, gestärkt. „Ein wesentlicher Baustein, um Kirche in der Region sichtbar zu machen, war die Einführung eines Jahresthemas sowie eines Gottesdienstes zu Jahresbeginn, zu dem alle Bevölkerungsgruppen eingeladen sind“, sagt Tag. Auch das in Kooperation mit DGB, Kreis Offenbach und Katholischer Kirche initiierte Sozialpolitische Forum im Kreishaus hat er mit ins Rollen gebracht.

Aktuelles Beispiel für die engere Zusammenarbeit ist die im vergangenen Jahr an den Start gegangene gemeindeübergreifende Trägerschaft für evangelische Kindertagesstätten, die Kirchengemeinden von zahlreichen administrativen Aufgaben entlastet. Derzeit gibt es acht Kitas unter dem Dach des Dekanats Rodgau, das von Mühlheim und Hanau im Norden bis Rödermark im Süden reicht und dem 16 Kirchengemeinden angehören. Auch an der für Januar 2021 vorgesehenen Fusion der Evangelischen Dekanate Rodgau und Dreieich, die das Ziel hat, ein Dekanat in den Grenzen des Kreises Offenbach abzubilden und Ressourcen zu bündeln, hat Tag entscheidend mitgearbeitet. Den Sitz wird das neu verschmolzene Dekanat an die Rodgaustraße verlegen. Dort, wo aktuell das Rut-Gemeindezentrum ist, sei zusammen mit der Christus-Gemeinde und der Landeskirche ein Neubau mit Räumen für Gemeinde und Dekanat geplant, verrät Tag.

Wer sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird, weiß Tag nicht. Denjenigen oder diejenige bestimmt die Synode des aus den Dekanaten Rodgau und Dreieich fusionierten neuen Kirchenkreises bei der konstituierenden Sitzung im Januar 2021. Bis dahin wird voraussichtlich die stellvertretende Dekanin Sonja Mattes die wesentlichen Amtsaufgaben übernehmen. Die Geschäftsführung des Kirchenkreises liegt beim Dekanatssynodalvorstand. Tag indes beginnt seinen neuen Job am 2. März gleich mit einer Andacht in Kassel.

VON RONNY PAUL

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