Verschiedene Szenarien

Dietzenbach: Noch keine Entscheidung zur 800-Jahr-Feier getroffen

Aktuell keine Veranstaltungen: Wie es im Capitol weitergeht, ist noch unklar. Die Stadt schließt Kurzarbeit für die Mitarbeiter nicht aus. Foto: ron
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Aktuell keine Veranstaltungen: Wie es im Capitol weitergeht, ist noch unklar. Die Stadt schließt Kurzarbeit für die Mitarbeiter nicht aus.

Es hätte so schön werden können, Dietzenbachs 800. Jahr und gleichzeitig ein halbes Jahrhundert Stadtwerdung. Das Programmheft listet fürs ganze Jahr Veranstaltungen, die Merchandise-Artikel liegen aus, die Vereine haben sich viel vorgenommen.

Dietzenbach – Dann kam die Corona-Pandemie. Und seit der Wochenmitte ist klar: Großveranstaltungen dürfen bis Ende August nicht stattfinden. Was das etwa für das Weinfest, die für Mitte August geplante Festwoche und andere große und kleine Feiern bedeutet, ist abzusehen. Trotzdem hat die Stadt bezüglich der Festwoche und anderer Events noch keinen Beschluss gefasst.

Auf Nachfrage heißt es von der Verwaltung, man verfolge die Medienberichte zu den Großveranstaltungen intensiv. Weil die Verordnung des Landes Hessens noch nicht vorliege, in der Details zu den Beschlüssen und Vereinbarungen aufgelistet sind, habe man noch keine Entscheidungen getroffen, da noch Konkretisierungen fehlten, unter anderem wann eine Veranstaltung den Zusatz „Groß“ bekomme. Mit Details seitens der Landesregierung sei erst kommende Woche zu rechnen. Davon sei etwa auch abhängig, wie es mit dem Capitol und dessen Team weitergehe. „Kurzarbeit wird nicht ausgeschlossen“, schreibt die Stadt.

Die Bürgermeister des Kreises Offenbach haben sich in ihrer Telefonkonferenz darauf verständigt, zunächst sämtliche städtische Veranstaltungen im Mai nicht stattfinden zu lassen, verbunden mit einem Appell, dass dies auch sämtliche private Veranstalter so handhaben. Die Kreisstadt hat daraufhin das Fest ohne Grenzen und die Sportlerehrung abgesagt. Veranstaltungen mit Bühnenkünstlern im Capitol konnten bislang verschoben anstatt abgesagt werden (wir berichteten), sodass keine Ausfallhonorarkosten anfallen, teilt die Stadt weiter mit. Auch zukünftig werde man an dem Verfahren festhalten.

Für die vom 20. bis 30. August geplante Festwoche spiele man derzeit verschiedene Szenarien durch, „die je nach Entscheidung des Landes konkretisiert und umgesetzt“ werden. Ein Entschluss bezüglich des Weinfestes werde später getroffen. Man plane in der Verwaltung angesichts der unklaren und sich schnell ändernden Lage in einem Horizont von vier bis acht Wochen.

Auch die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung haben ihre Position zur 800-Jahr-Feier. Der SPD-Fraktions-Chef Jerome Alex hatte analog zu Olympia eine Verschiebung ins kommende Jahr ins Spiel gebracht, auch im Hinblick auf die Situation der Vereine. Das sieht auch Heinrich Eckert, Vorsitzender der AfD-Fraktion, so: „Eine Feier ist so nicht möglich.“ Er plädiert für eine Verlegung. Dieser würden auch die Grünen zustimmen, „und hoffen, dass die 800-Jahr-Feier 2021 mit vielen Beteiligten und mit einer tollen Festwoche stattfindet“, schreibt deren Vorsitzende Andrea Wacker-Hempel. Für Harald Nalbach, Fraktionschef der WIR-BfD erscheint eine Verschiebung „bei den momentan bestehenden Problemen eher unwichtig“. „Die Vermeidung von größeren Ansammlungen von Menschen muss unbedingt Vorrang haben“, betont er. Jens Hinrichsen, Vorsitzender der DL/FW-UDS, sieht in der 800-Jahr-Feier „eher ein medizinisches Problem“: „Allerdings sollte man angesichts der auf uns zurasenden Liquiditätsbredouille darauf verzichten, wenn nicht schon zuviel Geld ausgegeben wurde beziehungsweise vertraglich gebunden ist.“ Ähnlich sieht es die FDP. Die Fraktion erachtet eine Verlegung unter dem Vorbehalt als sinnvoll, „dass damit keine großen finanziellen Zusatzbelastungen verbunden sind“. Denn eine Erhöhung des städtischen Anteils an der Finanzierung zur Sicherung des Festes sei angesichts der Haushaltslage nicht machbar, meint Fraktionschef Sven Hartmann.

Nach den aktuellen Bestimmungen könne das Fest in diesem Jahr nicht stattfinden, meint Manuel Salomon. Der CDU-Fraktionschef schreibt weiter: „Ob und in welchem Umfang das Fest im nächsten Jahr stattfinden kann, sollte von der Stadtverordnetenversammlung entschieden werden, wenn der Magistrat die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Stadt für das Jahr 2021 nachgewiesen hat.“ Nikola Pengacevic, Vorsitzender der Fraktion Die Linke, hat bis zuletzt die Hoffnung, dass die Festwoche stattfindet, erachtet eine zu kurzfristige Vorbereitung aber auch für die Vereine als schwierig und plädiert dann für eine Verschiebung.

Eine Entscheidung folgt.

VON RONNY PAUL

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