Kritik an Umsetzung

Sollen Erstklässler sich selbst testen? Corona-Tests sorgen an Schulen für große Verunsicherung

Es geht los: Auch an der Aueschule in Dietzenbach sollen nun Corona-Schnelltests für die Schulgemeinde ausgeführt werden.
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Es geht los: Auch an der Aueschule in Dietzenbach sollen nun Corona-Schnelltests für die Schulgemeinde ausgeführt werden.

Nach den Osterferien beginnt der Unterricht an Hessens Schulen. Doch die Schülerinnen und Schüler dürfen nur am Unterricht teilnehmen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Dietzenbach – Lehrkräfte und Schulleitung sind verunsichert. Auch an Dietzenbachs Schulen ist man verwundert über die Art der Umsetzung und äußert Kritik. „Das wird eine extreme Herausforderung für uns“, sagt Rektor Jochen Schepp von der Sterntaler Schule, „wir haben Schülerinnen und Schüler in den Vorklassen und welche mit sonderpädagogischen Förderbedarf, es bleibt abzuwarten, wie gut das umzusetzen ist.“

Schepp fragt: „In den Testzentren müssen die Tests von geschulten Personal ausgeführt werden, ich darf es nicht selbst, aber jetzt sollen es Erstklässler zuverlässig machen?“ Schepp sieht auch die Kurzfristigkeit der Entscheidung kritisch, die den Schulen kaum Vorbereitung eingeräumt habe, auch wenn er verstehe, dass in der aktuellen pandemischen Lage keine langfristigen Planungen möglich seien.

Schulen in Dietzenbach (Offenbach): Corona-Tests dürfen nicht älter als 72 Stunden sein

Konkret müssen Schüler, die am regulären Unterricht teilnehmen wollen, ein Testergebnis aus einem Testzentrum vorlegen, das nicht älter als 72 Stunden ist. Tests können auch in der Schule stattfinden. Die Schulen erhalten dafür Corona-Schnelltests vom Land. Die Tests sollen dann von den Schülerinnen und Schüler unter Aufsicht und Anleitung selbst gemacht werden. Privat vollzogene Tests sind nicht zulässig als Nachweis.

Doch genau das würde sich Sabine Wunderlin, Rektorin der Aueschule wünschen: „Es ist doch viel besser, wenn die Kinder die Tests daheim machen und dann gleich zuhause bleiben können oder mit einem Testmobil noch vor dem Unterricht getestet werden.“ Die Schul-Tests werden viel Zeit kosten, der eigentlich für Unterricht geplant ist, so Wunderlin. Sie fürchtet auch um die Gesundheit ihrer Lehrkräfte: „In Testzentren haben die Angestellten einen Ganzkörperanzug an, um sich vor eine Infektion zu schützen, die Lehrkräfte sind allerdings ungeschützt, vor allem wenn es einen positiven Fall gibt.“

Corona-Tests: Schule in Dietzenbach musste sich selbst um die Schulung kümmern

Die Lehrkräfte wurden beispielsweise an der Aueschule von Mitarbeitern des Arbeiter-Samaritär-Bund (ASB) geschult und bekamen gezeigt, auf was es bei den Corona-Schnelltests ankommt. „Darum mussten wir uns allerdings als Schule selbst kümmern, dass wir diese Schulung bekommen“, sagt Rektor Schepp von der Sterntaler Schule.

Bei einem positiven Testergebnis muss der betroffene Schüler unverzüglich von den Eltern abgeholt werden und anschließend einen PCR-Test machen, der den Schnelltest dann bestätigt oder nicht. Nur mit einem negativen PCR-Test kann der Schüler wieder am Unterricht teilnehmen.

Kreis Offenbach: Corona-Tests an Schulen in Dietzenbach sind eine zusätzliche Belastung

„Ob das dann alles so klappt, werden wir in der Praxis sehen, sicherlich werden wir unsere Pläne noch anpassen müssen“, sagt Schepp.

Laut Wunderlin herrsche auch große Unsicherheit unter den Eltern: „Es ist ja nicht gerade eine Leichtigkeit für mehrere Kinder mehrmals die Woche einen Termin in einem Testzentrum zu kriegen und dann auch noch jedes mal hinzufahren, zumal es mit Terminen aktuell dort häufig schon knapp wird.“

Die kommenden Tage und Wochen werden zeigen, wie die Schulen mit der zusätzlichen Belastung umgehen. Wunderlin: „Wir sind aufgeregt, ob das klappt; aber eigentlich darf das nicht Aufgabe der Schule sein, medizinische Tests durchzuführen. Ob die Kinder auch alles korrekt machen, stellt die Aussagekraft der Tests in Frage.“ (Von Lukas Reus)

Ebenfalls im Kreis Offenbach haben Eltern eine Klage gegen die Corona-Maßnahmen an Schulen eingereicht. Sie halten die Test-Pflicht für „Psychoterror“.

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