Seepferdchen

Streit um Schwimmkurse: Stadt lehnt Antrag von Verein ab – und setzt sich über eigene Regel hinweg

Insgesamt 20 Kinder nehmen an den aktuellen Seepferdchenkursen teil. Archiv: scho
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Insgesamt 20 Kinder nehmen an den aktuellen Seepferdchenkursen teil. Archiv: scho

Das Jugendrotkreuz darf in Dietzenbach bei Offenbach keinen Seepferdchenkurs anbieten. Die Stadt begründet das mit Corona – und bietet nun selbst Kurse an.

Dietzenbach – Die Aktiven im Jugendrotkreuz sind verärgert: Der Ortsverband wollte im Waldschwimmbad einen Seepferdchenkurs anbieten und hat sich dazu mit der Stadt in Verbindung gesetzt. Das Anliegen wurde jedoch abgelehnt. Die Begründung: Solcherlei Angebote seien mit dem aktuellen Hygienekonzept im Schwimmbad nicht vereinbar. Doch siehe da, als nun die Koalition aus SPD, Grünen und Linken einen Antrag zu einem kostenlosen Seepferdchenkurs stellten, wurde das Unmögliche plötzlich möglich. Insgesamt 20 Kinder lernen nun unter der Regie des Schwimmbad-Teams das Schwimmen.

„Für uns Vereine entsteht so der Eindruck, dass unsere Arbeit nicht willkommen ist“, sagt Julia Löhr, Leiterin beim Jugendrotkreuz, merklich verärgert. Ihr und ihrem JRK-Team sei es ein großes Anliegen gewesen, Kindern das Schwimmen beizubringen. „Denn auch wir haben festgestellt, dass es bei uns einigen Nachwuchs gibt, der das nicht kann“, so die Trainerin. Wäre die Kreisstadt die Kooperation eingegangen, hätten sicherlich beide Seiten profitiert: „Die Verwaltung hätte für die Stunden nichts bezahlen müssen und wir hätten sicherlich Unterstützung bei der Logistik erhalten“, sagt Löhr.

Dietzenbach (Kreis Offenbach): Ortsverband muss in andere Schwimmbäder ausweichen

Da die Stadt das Angebot des JRK abgelehnt hat, hat sich der Ortsverband entschieden, mit dem Unterricht in die umliegenden Schwimmbäder im Kreis Offenbach auszuweichen. „Das bedeutet für uns allein aufgrund der Fahrtstrecke deutlich mehr Aufwand“, macht die JRK-Chefin deutlich. Allerdings: „Wir sind dort mit offenen Armen empfangen worden.“ Nach Dietzenbach zurückzukehren komme für sie nicht infrage. Auch wenn die Koalition, die von dem Vorstoß des JRK nichts wusste, zwischenzeitlich auf den Verband zugegangen ist. „Ich habe mit den Bädern Vereinbarungen getroffen“, sagt Löhr. Auch 2022 wolle sie keinen Seepferdchenkurs in Dietzenbach anbieten. „Wenn man einmal so abgeschmettert wird, motiviert das wenig, hier etwas auf die Beine zu stellen“, verleiht sie ihrem Frust weiter Ausdruck.

Doch nicht allein das Jugendrotkreuz kann die Vorgehensweise der Stadt nicht nachvollziehen. Auch die Sportgemeinschaft Dietzenbach ist ähnlich enttäuscht. Wie die Vorsitzende Elke Pithan auf Nachfrage mitteilt, hatte der Verein geplant, einen Kurs für Aquagymnastik im Waldschwimmbad in Dietzenbach anzubieten. „Es ist extrem schade, dass Kurse in diesem Jahr nicht möglich sind“, sagt Pithan. Nach der Entscheidung der Stadt, keine Sportstunden stattfinden zu lassen, hatte die SG ihre Pläne komplett verworfen. „Dabei wäre etwa ein Angebot für Senioren gerade während Corona wichtig gewesen“, betont die Vereinschefin. Hinzu komme, dass ansonsten immerhin ein Teil der Kursgebühren in der SG-Kasse hängen bleibe. Auch wenn es nicht viel sei.

Dietzenbach (Kreis Offenbach): Vereine finden Unterstützung bei CDU und FDP

Fürsprecher finden die Vereine indessen bei CDU und FDP. So haben die Freidemokraten eine Anfrage an den Magistrat gestellt, um die Situation aufzuklären. Für den Parteivorsitzenden Lothar Meixner stellt sich dabei sogar die Frage, ob die Koalition sich „auf Kosten der Dietzenbacher Steuerzahler profilieren“ wolle. Treffe dies zu, sei das ein „fatales Signal für das bürgerschaftliche Engagement“, so der FDP-Fraktionsvorsitzende Sven Hartmann.

Vonseiten der Städtischen Betriebe, die für das Schwimmbad zuständig sind, heißt es hingegen, dass neben dem Hygienekonzept auch die aktuelle Vergabe von Zeitslots das Vereinsschwimmen verhinderten. Denn die Kursteilnehmer hätten sonst die maximal zulässige Personenzahl im Schwimmbad verringert. Den Bürgern hätte so ein noch begrenzteres Kartenkontingent zur Verfügung gestanden. Aufgrund dieser Argumentation könne es keine weiteren Kurse sowie Angebote der Vereine im Verlauf der Saison 2021 geben. (Von Anna Scholze)

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