Starkes Zeichen

Zwölfjährige Dietzenbacherin spendet ihre Haarpracht für krebskranke Kinder

Haarpracht für krebskranke Kinder: Die „Mähne“ reichte Arwen Löhr ursprünglich bis zur Hüfte.
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Haarpracht für krebskranke Kinder: Die „Mähne“ reichte Arwen Löhr ursprünglich bis zur Hüfte.

Arwen Löhr aus Dietzenbach hat sich ihre Haare um 45 Zentimeter kürzen lassen, um krebskranke Kinder zu unterstützen.

Dietzenbach – Weihnachten steht vor der Tür. Diese märchenhafte Zeit im Jahr, in der das Miteinander wieder in den Mittelpunkt rückt und Wünsche in Erfüllung gehen. Während vielleicht Puppenhaus oder Spielzeugauto ganz oben auf dem Wunschzettel stehen, gibt es Kinder, denen ganz andere Dinge eine Freude machen würden. Die zwölfjährige Arwen Löhr hat sich spontan dazu entschlossen, selbst zur guten Fee zu werden – und hat ihre Haare für krebskranke Kinder gespendet.

Als Michaela Berz die Schere ansetzt, kullern kurz die Tränen. Mit festem Blick und einem Lächeln auf den Lippen verfolgt Arwen Löhr im Spiegel, wie die Friseurmeisterin schließlich auch den zweiten Zopf abschneidet und behutsam beiseitelegt. Die Haare reichten dem Mädchen bis zur Hüfte, gekürzt wurden sie nun um stolze 45 Zentimeter. Eine große Zahl für eine Zwölfjährige.

Hilfe für krebskranke Kinder: Beim Haareschneiden ein lachendes und ein weinendes Auge

Auch Mutter Diana Dutiné-Löhr werden die Augenwinkel nass. „Als Mutter ‚leidet‘ man mit“, beschreibt sie den spontanen Friseurtermin, zu dem sie ihre jüngste Tochter begleitet hat. „Aber das ist ein lachendes und ein weinendes Auge“, fügt sie hinzu. Arwen streicht derweil mit ihren Fingern durch die Haarspitzen, dreht ein paar Strähnen um die Finger, schaut sie sich an. Sie erzählt: „Es war ein total komisches Gefühl, als ich die Schere gespürt habe.“ Dennoch habe sie die Entscheidung in keiner Sekunde bereut. Emotional aufgeladen sei es zwar gewesen, aber ein richtiger und wichtiger Schritt. „Jetzt wird sie zur Frau“, sagt Dutiné-Löhr über ihr Nesthäkchen, das im Januar ins Teenageralter kommt. „Sie hat schon jetzt einen starken Charakter.“

Arwen Löhr aus Dietzenbach (Kreis Offenbach) setzt ein Zeichen

Zwar lächelt Arwen ein wenig beschämt, doch weiß für sich genau, dass sie ein starkes Zeichen gesetzt hat. Über die soziale Plattform Instagram ist sie auf die Organisation „haare-spenden.de“ aufmerksam geworden, die mit der Deutschen Kinderkrebshilfe zusammenarbeitet. Weil sie schon länger mit dem Gedanken gespielt hatte, eine neue Frisur auszuprobieren, hat sie sich ein Video angesehen, in dem sich eine Influencerin die Haare vor laufender Kamera abgeschnitten hat.

Sie erzählt: „Ich dachte eigentlich an fünf bis zehn Zentimeter weniger, aber dann habe ich in dem Video von haare-spenden.de erfahren.“ Nach kurzer Recherche hat sie ihrer Mutter von ihrer Idee erzählt, um am Tag darauf direkt einen Friseurtermin auszumachen. Lediglich zwei Freundinnen weihte sie in ihren Plan ein, ihre Klassenkameraden an der Heinrich-Mann-Schule stellte die Zwölfjährige vor vollendete Tatsachen. „Die waren ziemlich beeindruckt“, beschreibt Arwen die Reaktion. Ein bisschen geschockt, aber im positiven Sinne.

12-Jährige aus Dietzenbach lässt ihre Haare abschneiden: Es wird eine Perücke

Obwohl mehr als die Hälfte von den 70 Zentimetern abgeschnitten worden ist, hat Arwen immer noch mittellanges Haar. Ihr Geheimnis? Nicht zu oft waschen und ab und zu ein bisschen Haaröl. Abgesehen von einem unfreiwilligen Haarschnitt, den ihr die große Schwester im Kleinkindalter verpasst hat, hat das Mädchen in den vergangenen Jahren lediglich seine Spitzen schneiden lassen. Als haarige Angelegenheit hatte sich das Waschen in der Vergangenheit erwiesen. Arwen erläutert: „Das gab Nackenschmerzen und es dauerte drei Stunden, bis alles trocken war.“

Probleme, die nun nicht mehr da sind. „Einen solchen Schritt habe ich in meiner 33-jährigen Laufbahn erst zweimal erlebt“, berichtet Friseurin Michaela Berz. Als sie ihrer Chefin von „Konzept Haare“ von Arwens Ansinnen erzählt hat, lautete die Antwort lediglich: „Der Schnitt geht aufs Haus, das müssen wir unterstützen.“ Ihre Zöpfe verschickt die junge Dietzenbacherin eingewickelt in ein schönes Tuch und umschlungen von vielen Haargummis per Post an die Organisation. „Aus vier bis fünf Zöpfen wird eine Perücke hergestellt“, weiß sie. Die Herstellung dauert vier bis acht Wochen. Zwar schafft es damit dieses Geschenk nicht mehr unter den beleuchteten Tannenbaum, doch werden mit großer Sicherheit im neuen Jahr zwei Augen wieder strahlen. (Lisa Schmedemann)

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