Corona-Kontrollen

„Ich bringe dich um!“ Mitarbeiter vom Ordnungsamt leben immer gefährlicher

Kontrolle der Maskenpflicht in Offenbach (Symbolbild)
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Kontrolle der Maskenpflicht in Offenbach (Symbolbild)

In Dietzenbach werden Corona-Kontrollen für Mitarbeiter des Ordnungsamtes immer gefährlicher. Sie werden bedroht, beleidigt und sogar angefahren.

  • Mitarbeiter des Ordnungsamts Dietzenbach kontrollieren, ob die Corona-Regeln eingehalten werden.
  • Es kommt zu Angriffen und Beschimpfungen auf Mitarbeiter der Stadt.
  • Dietzenbachs Bürgermeister will seine Mitarbeiter jetzt besser vor.

Dietzenbach – Eigentlich sollte es nur eine Routinekontrolle sein: Ein Team des Ordnungsamts war im Rathauscenter Dietzenbach unterwegs, um zu überprüfen, ob Kunden und Ladenbetreiber die geltenden Corona-Regeln einhalten. Dabei habe eine seiner Kolleginnen in einem Geschäft einen Mitarbeiter entdeckt, der nicht wie vorgeschrieben eine Mund-Nasen-Bedeckung trug, erzählt der Leiter des städtischen Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, Markus Hockling. Als sie den jungen Mann darauf aufmerksam machte, habe dieser gleich ungehalten reagiert.

Corona-Kontrollen: Angriffe auf Ordnungsamt-Mitarbeiter

Auch bei der einen oder anderen Nachkontrolle ging das so, immer wieder wurde der Mann von der gleichen Ordnungsamtsmitarbeiterin aufgefordert, eine Maske zu tragen, begegnete ihr jedes Mal aggressiver. „Das ging von ,Ich finde raus, wo du wohnst‘ bis ,Ich bring dich um‘“, berichtet Markus Hockling. Schließlich landete die Angelegenheit beim Gesundheitsamt des Kreises, dass sich um die entsprechenden Bußgeldverfahren kümmert. Die Ängste und Sorgen seiner Leute blieben.

Markus Hockling arbeitet seit 17 Jahren im Fachbereich Sicherheit und Ordnung, hat selbst die eine oder andere brenzlige Situation erlebt und weiß darum, was solche Erfahrungen mit den Mitarbeitern machen. „Wir sprechen intern natürlich offen über Sorgen und Ängste“, erzählt er. Er könne aber auch verstehen, wenn die Leute nach einem solchen Vorfall erst mal nicht mehr raus wollen.

Noch sind die Kontrollen, ob die jeweils aktuellen Regeln zur Eindämmung des Coronavirus im Stadtgebiet eingehalten werden, relativ neu im Aufgabenspektrum von Hockling und seinen Mitarbeitern. „Die Gesellschaft verändert sich meiner Meinung nach“, beobachtet der Fachbereichsleiter aber bereits seit Jahren. Die jüngsten Vorfälle etwa in Steinberg, aber auch in anderen deutschen Städten, wo es immer wieder zu Übergriffen auf Einsatzkräfte kommt, seien nur einige Beispiele und Teil dieser Entwicklung.

Stadtpolizist vorsätzlich angefahren: Angriffe auf Dietzenbacher Ordnungsamt nehmen zu

„Die Zeiten, in denen Feuerwehrleute oder Polizisten in Uniform Respektspersonen waren, sind längst vorbei“, sagt Hockling. Als Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung fallen nicht nur Ordnungsangelegenheiten in seinen Verantwortungsbereich, sondern auch Buß- und Verwarngeldstelle, Stadtpolizei, Bürgerservice und Feuerwehr. Aggressionen, respektloses Verhalten und Übergriffe erfahren die Mitarbeiter in allen Abteilungen. Ständig gebe es Diskussionen, Beschimpfungen und Angriffe, berichtet Markus Hockling.

Erst kürzlich sei etwa ein Stadtpolizist bei einer Geschwindigkeitskontrolle vorsätzlich von einem betrunkenen Mann auf einem Roller angefahren worden, erzählt er. Zu viert waren die Stadtpolizisten an dem Abend an der Frankfurter Straße im Einsatz, ein Rollerfahrer fiel ihnen durch sein provozierendes Verhalten auf. Als sie ihn anhalten wollten, um seine Personalien aufzunehmen, fuhr er einen der Polizisten um. „Der Kollege kann immer noch nicht arbeiten, er hat einige Prellungen und Schürfwunden und eine gebrochene Nase“, berichtet der Fachbereichsleiter. „Und da hätte noch viel mehr passieren können.“

In einer Pressemitteilung der Stadt nimmt auch Bürgermeister Jürgen Rogg Stellung zu den jüngsten Vorfällen. „Hier wird eine Grenze absolut überschritten“, sagt der Rathauschef. „Wir werden die Ausstattung sowie die Schulungsmaßnahmen für Deeskalation und Selbstschutz weiter verbessern und ausbauen müssen.“ Letzteres wird etwa dadurch unterstützt, dass die Mitarbeiter Selbstverteidigungskurse besuchen, in denen sie darin geschult werden, angespannte Situationen zu deeskalieren. „Dafür hat der Bürgermeister sich eingesetzt“, berichtet der Fachbereichsleiter.

Trotz Angriffen: Dietzenbacher Bevölkerung gibt insgesamt Rückhalt

Trotz all der unschönen Vorkommnisse, von denen er berichten kann, weiß Markus Hockling, dass es für ihn und sein Team auch viel Rückhalt in der Bevölkerung gibt. Viele Dietzenbacher sind dankbar für die Kontrollen im Straßenverkehr, in der Gastronomie, in überbelegten Wohnungen. „Einiges machen wir ja vor allem, weil die Bürger uns darauf aufmerksam machen.“ Im Endeffekt gehe es dabei schließlich um die Sicherheit aller. Generell würde sich Markus Hockling aber wünschen, dass die Menschen etwas respektvoller miteinander umgehen. „Das würde vieles erleichtern und allen wäre geholfen“, betont er. (Von Lena Jochum)

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