Dietzenbachs Partnerstadt Kunming

Magdalena Cholewa berichtet über den Alltag in Partnerstadt: Wochen ohne menschlichen Kontakt

Unter Quarantäne: Zwei Monate lang herrscht der absolute Ausnahmezustand in Kunming, das im Südwesten Chinas liegt. Die „Stadt des ewigen Frühlings“ war wie ausgestorben. 
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Unter Quarantäne: Zwei Monate lang herrscht der absolute Ausnahmezustand in Kunming, das im Südwesten Chinas liegt. Die „Stadt des ewigen Frühlings“ war wie ausgestorben.

Während in Deutschland die Auswirkungen des Coronavirus jetzt zu spüren sind, geht China langsam wieder zum Alltag über – ab heute wird die Quarantäne in der Provinz Yunnan aufgehoben.

Dietzenbach – Aus Dietzenbachs Partnerstadt Kunming, die in dieser Provinz liegt, meldet sich Englisch- und Sachkundelehrerin Magdalena Cholewa. Die Obertshausenerin lebt seit mehr als sieben Jahren im Südwesten Chinas und berichtet unserer Zeitung von ihrem momentanen Alltag in Kunming.

„Schon Ende Dezember hatten meine Freunde und ich von diesem neuen Virus in Wuhan gehört und uns noch an Silvester gefragt, ob wir uns Sorgen machen sollten. Nur einen Tag nach dem chinesischen Neujahr erreichte uns die Nachricht, dass wir die Bar, in der ich manchmal als Aushilfe arbeite, bis auf weiteres geschlossen lassen sollen. Von der Schule bekam ich einen Anruf, dass auch diese nicht wie geplant am 1. Februar wieder aufmacht.

Noch am gleichen Abend verbreitete sich schlichtweg Massenpanik auf den sozialen Netzwerken wie Wechat und Weibo. Menschen stürmten in die Supermärkte um alles zu hamstern, was noch da war. Fakenews überrollten uns, von abgesperrten Straßen, von leergekauften Supermärkten, von überforderten Krankenhäusern. Masken waren nach nur einem Tag komplett ausverkauft. Die Menschen trauten sich nicht mehr aus ihren Wohnungen. Die Stadt stand still und war leer.

Die erste Woche wusste niemand, was vor sich geht oder was die nächsten Tage bringen würden. Nur selten ging man zum Einkaufen raus. Die Einkaufsapp Meituan wurde unser bester Freund. Es hieß, Schulen, Bars, Restaurants und so weiter bleiben bis März geschlossen oder dürfen nur zum Mitnehmen oder Liefern öffnen. Die Situation wurde mit der Zeit transparenter. Mehr Informationen und weniger Panikmache führten dazu, dass wir gelernt haben, in der jetzigen Situation zu leben. Nicht zuletzt dank der GoKunming-Journalisten, die die ersten Wochen Nachrichten von Fakenews separiert haben und einen Bericht zur aktuellen Lagen bieten.

Nach und nach trauten wir uns wieder raus, uns auch wieder Freunde zu treffen oder einen Kaffee im Freien zu trinken. Gute drei Wochen lebten wir fast ohne jeglichen menschlichen Kontakt. Um nicht verrückt zu werden, belegte ich einige Onlinekurse zu Themen, die mich interessieren.

Inzwischen ist der Frühling zurück in der „Stadt des ewigen Frühlings“. Schulen operieren jetzt online über Videoanrufe. Für die öffentlichen Schulen wurde ein eigener Sender eingeführt, der für jeden Jahrgang „Online-Klassen“ sendet. Hausaufgaben werden dann an die Lehrer geschickt.

Zwei Mal die Woche sehe ich meine Schüler nur über das Internet. Ich suche Videos für sie als Vorbereitung auf unser Thema oder mache kurze Präsentationen. Sie schicken mir ihre Hausaufgaben als Word-Datei. Wir gewöhnen uns daran. Masken sind immer noch Pflicht, wenn wir das Haus verlassen. Überall an Cafés, Shops und Hauseingängen wurden QR-Codes angebracht, die man beim Betreten oder Verlassen scannen muss. Damit man sehen kann, wer sich mit einem Infizierten am gleichen Ort aufgehalten hat. Überall wird Fieber gemessen. Feuchttücher und Desinfektionsgel sind unsere ständigen Begleiter. Immer wieder packt sie jemand aus und „schmeißt eine Runde“. Leben kehrt langsam wieder ein in Kunming. Noch ist es nicht, wie es mal war, aber für uns ist das Schlimmste hoffentlich vorbei.“

Von Yvonne Fitzenberger

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