Hohe Aufklärungsquote

Polizei verzeichnet niedrigstes Straftatenaufkommen seit 2010

Vorbildfunktion: Dietzenbachs stellvertretender Dienstellenleiter Andreas Bamberg und seine Kollegin, Polizeihauptkommissarin Julia Witthuhn tragen aktuell natürlich Masken bei der Arbeit. Foto: ron

Zahlen verheißen gerade in der aktuellen Krisenzeit meist nichts Gutes. So ist es etwa beim Blick auf Corona-Infizierte oder Arbeitslose.

Dietzenbach –  Angesichts der aktuell „merklich zurückgegangenen Straftaten“, wie Polizeihauptkommissar Andreas Bamberg informiert, könnte man meinen: Auch die Kriminellen sind arbeitslos. Dennoch haben die Beamten auf der Dietzenbacher Wache viel zu tun. „Die Aufgaben sind nicht weniger, sondern anders geworden“, berichtet der stellvertretende Dienststellenleiter. „Wir müssen zusammen mit dem Ordnungsamt Verstößen gegen das Infektionsgesetz nachgehen. “ Da gebe es schon mal den ein oder anderen Ausreißer.

Wenn Bamberg dieser Tage auf ganz bestimmte Zahlen angesprochen wird, kann er sich ein zufriedenes Lächeln kaum verkneifen. Denn die ihm vorliegende Kriminalitätsstatistik fürs vergangene Jahr simmt positiv: 327 erfasste Fälle weniger als noch 2018 und erstmals seit 2014 wieder die 2000er-Marke unterschritten. In sämtlichen Straftatkategorien sind die Zahlen rückläufig. Zwar belegt Dietzenbach weiterhin, gemessen an den erfassten Taten (1789) den zweiten Platz unter den Kreiskommunen nach Neu-Isenburg (2285). Doch schon der Blick auf die sogenannte Häufigkeitszahl, die die registrierten Fälle auf 100 000 Einwohner errechnet, macht deutlich: In Dietzenbach tut sich was. Diese (5259) ist im Vergleich zu 2018 um 15,7 Prozent gesunken. Damit steht die Kreisstadt an fünfter Stelle im gesamten Polizeipräsidium Südosthessen; hinter Offenbach, Hanau, Neu-Isenburg und Heusenstamm.

„Die Kriminalitätsentwicklung in Dietzenbach ist auf einem Rekordtief seit 2010“, sagt der designierte Nachfolger des bald in Pension gehenden Dienstellenleiters Klaus Hofmann. Als Bambergs Nachfolgerin ist wiederum Julia Witthuhn vorgesehen, die im Februar vom 1. Revier in Offenbach auf die Dietzenbacher Wache wechselte. Beide sind sich einig: Dietzenbach ist auf einem guten Weg. „Ich wohne hier und fühle mich wohl“, sagt die Polizeihauptkommissarin über die Kreisstadt, deren Ruf nicht immer der beste war. „Dietzenbach hat sich gemacht, es ist lange nicht mehr so schlimm wie früher“, stimmt ihr Bamberg zu, der sich noch gut an Streifenfahrten in Dietzenbach in den 2000er-Jahren für die Heusentammer Polizeistation erinnern kann.

Nichtsdestotrotz, tritt Bamberg auf die Bremse, gebe es noch einige Probleme. Etwa eine Drogenszene, „mit der wir uns täglich beschäftigen“. „Wir haben zwar keine offene Drogenszene in Dietzenbach, aber viele Straßendealer, die neben Marihuana und Amphetaminen vermehrt Kokain anbieten“, sagt der 54-Jährige. Daher sei es wichtig, einen „extrem hohen Kontrolldruck auf die Straße zu bringen“. Das scheint zu gelingen: Bei 257 erfassten Rauschgiftdelikten liegt die Aufklärungsquote bei 89,1 Prozent und ist damit bei fast gleichbleibender Fallzahl noch mal um rund fünf Prozent zum Vorjahr gestiegen. Man besitze eine hohe Szene-Kenntnis und arbeite eng mit dem für Rauschgiftdelikte zuständigem Kommissariat 34 in Offenbach zusammen.

Neben seinen Kollegen auf der Wache lobt Bamberg auch die Stadt. Er habe in seiner gesamten Laufbahn noch nie so eine gute Zusammenarbeit mit einer Kommune erlebt wie in Dietzenbach. Er telefoniere fast täglich mit dem Ordnungsamt, man mache viele gemeinsame Aktionen. „Es läuft ausgesprochen gut“, findet auch Witthuhn. Auch Bürgermeister Jürgen Rogg, freut sich über die „traditionell gute Zusammenarbeit mit der Polizei“ und sagt: „Wenn man über den Dienst nach Vorschrift hinausgeht, führt das zu diesem hervorragenden Erfolg.“

Denn besonders beachtlich in der Kriminalitätsstatistik ist die hohe Aufklärungsquote von 64,8 Prozent (2018: 62,6 Prozent). Bei Diebstählen aus der Wohnung (2018: 5,8; 2019: 32,1) und bei Tageswohnungseinbrüchen (2018: 3,8; 2019: 46,7) etwa, ist diese deutlich gestiegen. Das sei mit ein Verdienst aufmerksamer Dietzenbacher: „Das A und O ist, dass die Bürger uns anrufen und Verdächtiges melden“, betont Bamberg. Immer noch drückt der Schuh bei den Fahrraddiebstählen. Da sind die Fallzahlen von 83 (2018) auf 120 (2019) gestiegen. Witthuhn rät den Besitzern unbedingt zur Registrierung des eigenen Velos – oder zumindest zum Notieren der Rahmennummer.

An einen „schönen Ermittlungserfolg“ erinnert sich Bamberg noch gut. Ein Straßenräuber hatte im vergangenen Dezember für Verunsicherung gesorgt. Der 18-Jährige war jeweils spätabends aus der S-Bahn mit weiblichen Fahrgästen ausgestiegen, hatte sie anschließend brutal umgestoßen und die Handtaschen geraubt. Vor der dritten Tat konnte sich die Polizei durch Täterbeschreibung von Zeugen und durch Videoaufzeichnungen ein Bild von dem Mann machen, nachdem er sich hinter Mülltonnen versteckt hatte. Kurz vor Weihnachten wurde der 18-Jährige dann durch Dietzenbacher Polizisten in der S-Bahn entdeckt und am Bahnhof Steinberg festgenommen. Er sitzt bis heute in Untersuchungshaft.

VON RONNY PAUL

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