Tatbeteiligung nicht nachweisbar

Schöffengericht spricht Dietzenbacher vom Vorwurf der Erpressung frei

Ein Dietzenbacher wird vom Vorwurf der Erpressung freigesprochen.
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Ein Dietzenbacher wird vom Vorwurf der Erpressung freigesprochen.

Ein Dietzenbacher soll einem ehemaligen Kollegen zusammen mit zwei Unbekannten mit Mord gedroht haben, um Geld zu erpressen. Der 23-Jährige musste sich vor dem Schöffengericht in Offenbach verantworten. Der Prozess endete mit einem Freispruch.

Dietzenbach – Rechtsanwältin Anja Dobat hatte ihrem Mandanten K. geraten, sich zu den Vorwürfen von Staatsanwalt Dirk Schillhahn zu äußern. Schillhahn verdächtigte K., am 18. November vergangenen Jahres auf einer Großbaustelle in Offenbach den Geschädigten A. gemeinsam mit zwei unbekannten Männern mit dem Tod bedroht zu haben, wenn dieser ihnen am nächsten Tag nicht 1000 Euro übergäbe. Der Angeklagte bestreitet den Tatverlauf nicht gänzlich, schildert seine eigene Rolle jedoch ganz anders. Mit den Geschädigten sei K. zuvor befreundet gewesen, bei der Baufirma hätte er schon drei Monate zuvor gekündigt: „Ich wurde verarscht, bekam nur 120 statt 150 Stunden bezahlt“. Im November sei er an seinem ehemaligen Arbeitsplatz erschienen, um A. zu treffen. Anschließend habe er auf dem Heimweg an der S-Bahn-Haltestelle Kaiserlei mit seiner Frau telefoniert.

Angeklagter: „Als ich dort auftauchte, empfing mich die Polizei.“

Nach dem Telefonat kam er mit zwei Männern ins Gespräch, „weil die mich serbisch hatten reden hören“. Die zwei Unbekannten hätten ihm erzählt, sie wollten A. auf der Baustelle suchen. Um ihnen dabei zu helfen, habe K. sie zum Geschädigten geführt. Im Anschluss habe er aus einer Entfernung von drei bis vier Metern mitbekommen, dass die beiden Männer aufgrund irgendwelcher Papiere und geplatzter Arbeitsverträge Geld von A. forderten. Der Geschädigte habe konstatiert, „ihr könnt mich umbringen, ich habe kein Geld“. Er selbst habe A. versichert, mit dem Geschehen nichts zu tun zu haben.

Anschließend sei er zur S-Bahn, die er erneut nicht genommen habe, da sein ehemaliger Betriebsleiter mit der Bitte anrief, er solle in den Bürocontainer kommen. „Als ich dort auftauchte, empfing mich die Polizei.“

Angeklagter behauptet, er sei in einem Dietzenbacher Wettbüro von fünf Männern zusammengeschlagen worden

Einer Woche später habe man ihm erst telefonisch gedroht, dann sei er in einem Dietzenbacher Wettbüro von fünf Männern zusammengeschlagen worden. Anwältin Dobat erklärt, dass ihr Mandat aufgrund des Vorfalls in einem Krankenhaus behandelt werden musste. K. vermutet, der Vorfall hänge mit einer Razzia auf der Baustelle zusammen, „die behaupteten, ich hätte ihnen den Zoll geschickt“.

Der Geschädigte lässt sich als Nebenkläger von Rechtsanwalt Sinisa Celic vertreten. A. sagt aus, die Unbekannten hätten erklärt, ihr Chef G. habe sie geschickt, die 1000 Euro einzutreiben. Er kenne jedoch keinen G. und könne nur vermuten, dass man auf ihn gekommen sei, weil sich herumgesprochen hätte, dass er Ersparnisse besitzt. „Ganz aus der Luft gegriffen sind solche Forderungen ja eher selten“, meint Richter Manfred Beck. Seine Frage, ob A. den Männern versprochen habe, ihnen einen Job zu vermitteln, verneint der Geschädigte. A. vermutet, er könne in die Bredouille geraten sein, „weil viele wissen, dass ich naiv bin“. Anders als damals bei der Polizei, sagt der Geschädigte nicht aus, dass K. in bedroht habe. Staatsanwalt Schillhahn erklärt, der Sachverhalt stünde nur rudimentär fest. Die Rolle des Angeklagten sei nicht ausreichend zu klären. „Das alles reicht für eine Verurteilung nicht aus.“ Anwältin Dobat kommentiert: „Der Staatsanwalt fasst das sehr schön zusammen.“ Rechtsanwalt Celic teilt nach kurzer Absprache mit seinem Mandanten mit, nicht zu plädieren.

Richter Beck und die beiden Schöffen sprechen den Dietzenbacher schließlich vom Vorwurf der Erpressung frei, „es ließ sich nicht zweifelsfrei klären, dass ihre Rolle einer Tatbeteiligung gleich kam“. (Stefan Mangold)

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