Hoffen auf Hilfe

Frau fürchtet wegen Corona um ihr Reisebüro - Jetzt schreibt sie an die Bundesregierung

Inhaberin Carla Schenk-Akbulut bangt um die Existenz ihres Reiseateliers Meilenweit.
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Inhaberin Carla Schenk-Akbulut bangt um die Existenz ihres Reiseateliers Meilenweit.

In Zeiten der Corona-Pandemie ist es ruhig am Himmel geworden. Während die einen die flugzeugarme Stille freut, ist dies für andere eine Bedrohung ihrer Existenz. Wohl kaum eine Branche trifft es so hart wie die Reiseunternehmen.

  • Die Reisebranche ist hart von Corona getroffen worden
  • Carla Schenk-Akbulut fürchtet um ihre Existenz
  • Sie hat einen offenen Brief an die Bundesregierung geschrieben

Dietzenbach – Gerade die stationären Reisebüros trifft es gleich mehrfach, denn die Rückforderungen der Veranstalter fressen jetzt sogar die aufgebauten Rücklagen auf. Zwölf Reisebüro-Organisationen haben sich deshalb mit einem offenen Brief an die Bundesregierung gewandt und dringend benötigte Hilfen gefordert. Unterstützt wird der Aufruf auch von Carla Schenk-Akbulut, die das Dietzenbacher „Reiseatelier Meilenweit“ betreibt.

Reisebüro Dietzenbach: „Vor Corona hatten wir wirklich gute Monate“

„Vor Corona hatten wir wirklich gute Monate“, berichtet Schenk-Akbulut, die das Reisebüro seit 2011 leitet, „doch seit Februar haben wir keine Neubuchungen mehr“. Nicht nur der fehlende Umsatz belastet. Die Reiseveranstalter sagen wegen der Warnungen der Bundesregierung alle ihre Reisen ab, die Vermittler wie Carla Schenk-Akbulut müssen deshalb auch die erhaltenen Provisionen wieder zurückerstatten. Hinzu kommt noch die Rückerstattung des Reisepreises an Kunden, die schon vor der Corona-Krise ihren Urlaub gebucht haben.

Reisebüro in Dietzenbach versucht finanziellen Schaden trotz Corona klein zu halten

Ursprünglich planten die Veranstalter nur Reisegutscheine an diese Kunden auszugeben, um den finanziellen Schaden möglichst kleinzuhalten, doch das stützte sich auf keine gesetzliche Grundlage. „Rund 70 Prozent fordern eine Auszahlung“, sagt die Inhaberin, „wir haben jetzt jede Buchung quasi das zweite oder dritte Mal in der Hand, um die Stornierung abzuwickeln“. Im Reiseatelier seien sie aktuell nur noch mit Stornierungen beschäftigt, die nicht nur kein Geld abwerfen, sondern auch die in den vergangenen Monaten aufgebauten Rücklagen aufzehren.

Reisebüro in Dietzenbach in der Corona-Krise: „Unsere Branche wird noch länger brauchen“

„Wenn nicht schnell gehandelt wird, läuft die deutsche Gesellschaft Gefahr, bald keine echten Anlaufstellen mehr für ihre Fragen rund um das Thema Reisen zu besitzen“, mahnen die zwölf Reisebüro-Organisationen in dem Schreiben an die Regierung an. Sie fordern unter anderem, dass die Veranstalter für die Corona-Zeit nur Reisegutscheine ausgeben dürfen. Der Staat soll außerdem für diese bürgen, damit die Kunden im Falle einer Insolvenz des Veranstalters trotzdem ihr Geld wiederbekommen. „Während bei anderen nach der Corona-Pandemie das Geschäft wieder voll losgehen kann, wird es in unserer Branche noch länger brauchen“, gibt Schenk-Akbulut zu bedenken, „denn die Leute werden weniger Geld haben und deshalb auch weniger reisen.“

Forderungen zu Hilfe in der Corona-Krise: Reisebüro in Dietzenbach mit offenem Brief an die Bundesregierung

Deshalb gehen die Forderungen noch weiter: Die Regierung soll auch einen Hilfsfonds für die Reisebüros einrichten. Zwar habe Schenk-Akbulut gleich die Corona-Soforthilfe beantragt, doch „das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Rund 10 000 Euro hat sie dadurch als Unterstützung erhalten. Dies reiche gerade so, um die laufenden Fix-Kosten zu decken. Aber gerade die Rückerstattungen an die Veranstalter zehren sehr an den Rücklagen und bedrohten damit die Existenzen.

Jüngst hat erst das Außenministerium die internationale Reisewarnung bis auf den 14. Juni verlängert. Zeitgleich demonstrierten vergangene Woche in ganz Deutschland Inhaber von Reisebüros, um auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen. „Wir wollen die Regierung und die Menschen sensibilisieren“ appelliert die Inhaberin, „und hoffen, dass die Leute nach Corona lieber ins Reisebüro gehen, anstatt online zu buchen; sonst wird es vielerorts bald keine persönliche Reiseberatung mehr geben.“

Schon einmal durchlebte die Inhaberin des „Reiseateliers Meilenweit“ eine Krise, aber nicht wegen Corona. Diese dauerte sechs Wochen und war ebenfalls eine schwere Zeit.

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