Netter Plausch mit Fahrtwind

Dietzenbach: Auf der „RuDi“-Tour warten interessante Fakten und ländliche Idyllen

Eine Gruppe Fahrradfahrer fährt einen Weg entlang.
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Vorbei an Kornfeldern, hinein in den Wald, hinauf auf den Berg: Die RuDi-Tour zeigt die schönsten Seiten Dietzenbachs. Dabei lohnt es sich, Augen und Ohren offen zu halten.

Zusammen mit Ersten Stadtrat Dieter Lang begibt sich eine Gruppe Radfahrer auf die „RuDi“-Tour. Diese führt sich durch und um die Kreisstadt herum. Bei mehreren Stopps erhalten die Teilnehmer Hintergrundinformationen zur Geschichte und Natur Dietzenbachs.

Dietzenbach – „Da ist gar nichts drin“, lautet das Fazit des zweijährigen Selim, nachdem er einen mehr oder minder fachmännischen Blick in den gähnenden Schlund geworfen hat. Was der Junge nicht ahnt: Der Schacht auf dem Götzenhainer Feld führt zu einem Stollen, in dem bis vor etwa 100 Jahren Schwerspat (Baryt), ein Mineral, abgebaut worden ist. Die übrigen Teilnehmer der „RuDi“-Tour stellen selbst mit Erstaunen fest, dass sie gerade über einem etwa zwölf Meter langen Stollen stehen. Der Leiter der Tour, Erster Stadtrat Dieter Lang, betont: „Dass man Bergbau in der Metropolregion Rhein-Main vorfindet, ist schon faszinierend.“ Die „Grube Anna“ ist eine von vielen sehens- und bemerkenswerten Stationen, die die Teilnehmer der Fahrradtour um und in Dietzenbach ansteuern.

Auch allein lässt sich die Strecke rund um die Kreisstadt gut mit dem Drahtesel bewältigen. Eingezeichnet ist „RuDi“ auf der Freizeitkarte Dietzenbach. Sie führt über Felder mit Heuballen, Sonnenblumen und Erdbeerpflanzen. Damit man jedoch auf seiner Tour nicht etwa an der unscheinbaren Überdachung der Grube vorbei radelt, gibt sich die Magistratsspitze die Ehre und legt auf einer etwa dreistündigen und rund 22 Kilometer langen Tour informative Stopps ein.

Fahrradhelm statt Bergbauhelm: Der zweijährige Selim erkundet die Schwerspatgrube Anna.

Nach dem Stollen steuert die Truppe eine alte Stieleiche an, die auf den ersten Blick zwar schon imposant wirkt, aber durch die Erklärungen des Biologen Lang noch mehr an Größe gewinnt. Mit einem Wurzelwerk, das der Größe seiner Krone entspricht, trotzt der Baum seit geschätzt 200 Jahren jedem Sturm auf dem Feld zwischen Dietzenbach und Götzenhain.

Durch den Wald und durch die ehemalige Landwehr, geht es wieder zurück auf den Kreisstädter Grund. Das moderate Tempo lädt zum Plausch während der Fahrt mit dem Fahrradnachbarn ein. Bei seichtem Wind und angenehmen Temperaturen wirkt die Tour mehr entspannend als anstrengend. Am Waldschwimmbad begründet der Erste Stadtrat in nüchternen Zahlen noch einmal die Entscheidung, das Bad in diesem Jahr geschlossen zu halten.

Selim zeigt sich von Fakten wenig beeindruckt – er erkundet das Gebiet lieber auf eigene Faust und läuft seinem Vater Cengiz Hendek immer wieder davon. Die Zeit in der Natur war auch der Ansporn, weshalb sich Hendek mit seinem Sohnemann auf das Fahrrad geschwungen hat. „Das ist eine schöne Gelegenheit, mal etwas zu unternehmen – es gibt ja gerade nicht viel.“ Während die Natur ohnehin in ihrer Schönheit glänzt, ist der Sprendlinger Volker Nischwitz von Steinberg fasziniert. Dort entstehen im letzten Bauabschnitt alsbald 49 Wohnungen, wie eine tiefe Grube am Rathauskreisel verrät. Im Sommer 2022 soll das Quartier fertig sein. Dennoch meint der 80-Jährige: „Wenn ich noch mal jung wäre und ein Haus kaufen würde, wäre das auf dem Wingertsberg.“

Wildkräuter auf dem Geschichtspfad: Was manche für Unkraut halten, zeugt von Artenvielfalt.

Denn auch dorthin verschlägt es die Gruppe als Abweichung von der eigentlichen „RuDi“-Route. Am Fuße des nach wie vor geschlossenen Aussichtsturmes können sich die Radler mit einem Panoramablick belohnen. Das gut sichtbare Kohlekraftwerk Staudinger greift der Tourleiter in einem Beitrag über das Klima, den Energiewandel und die energetische Versorgung Dietzenbachs auf. (Lisa Schmedemann)

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