Die Frage nach dem Kind

Rund 180 Teilnehmerinnen treffen sich zum Frauenfrühstück

Poetry-Slammerin Dominique Macri stand während des Frauenfrühstücks auf der Bühne. Ihre Gedichte thematisieren die Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
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Poetry-Slammerin Dominique Macri stand während des Frauenfrühstücks auf der Bühne. Ihre Gedichte thematisieren die Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

In 57 Jahren könnte es so weit sein. „Wenn man sich messbare Parameter anschaut, ist die Gleichberechtigung der Frau erst dann richtig da“, sagt Bettina Kuse, Gleichstellungsbeauftragte der Kreisstadt.

Dietzenbach – Zusammen mit den Volkshochschulen (VHS) Kreis Offenbach und Dietzenbach sowie dem Capitol begrüßt Kuse rund 180 Gäste zum 42. Frauenfrühstück. Diesmal mit einem kleinen Bonus: Es ist genau auf den Weltfrauentag am 8. März gefallen.

Sich fernab vom Alltag mit den besten Freundinnen zusammensetzen und entspannte Stunden genießen, ist der Anreiz des Frauenfrühstücks. Hin und wieder „verirren“ sich auch männliche Gäste ins Capitol. Der Herr, der sich diesmal in den Reihen versteckt, ist Daniel Spielmann. Dieser hat seit Anfang des Monats die Leitung der Dietzenbacher VHS inne. „Meine erste Arbeitswoche endet also mit dem Frauenfrühstück, ein schöner Zufall“, meint er. Spielmann gibt sich zurückhaltend auf der Bühne, als er als neuer Leiter vorgestellt wird. „Hier ist ein Raum für Frauen geschaffen worden, da wäre es falsch, mich ins Rampenlicht zu stellen“, sagt er danach.

Dass das Frühstück nicht nur einen Kaffeeklatsch mit guten Freundinnen darstellt, sondern in einen kulturellen Rahmen eingebunden ist, begrüßt er als Leiter einer Bildungsinstitution. „Darüber hinaus ist eine solche Veranstaltung fast nötig“, findet Spielmann. „Frauen nehmen sich damit etwas, das sich Männer in Form von Stammtischen in der Kneipe schon längst genommen haben“, führt er aus.

Auch die Verse von Dominique Macri fassen das Thema auf, dass die Gleichberechtigung noch viel zu weit entfernt ist. An ihre, für die Slampoetik typische, lebendige Lyrik gewöhnt sie das Publikum zunächst mit einem interaktiven Gedicht. Ein enthusiastisches „Es ist schön“ soll immer dann den Raum erfüllen, wenn die Poetin mit einer Handbewegung dazu auffordert. Daraufhin können sich die Gäste auf die Strophen einlassen, in der Macri Dinge anspricht, die vielleicht auf viele Zuschauerinnen zutreffen. So erzählt die zweifache Mutter etwa mit liebevollen Worten von ihrem Sohn, der gleichzeitig ihr aufmerksamster Zuhörer ist. Als Mutter hat sie eine Sache besonders intensiv erlebt: die Geburt. Ein Thema, das selbstverständlich und wundervoll sein sollte, sich jedoch in der Realität als Marathon für hastende Hebammen zwischen mehreren Kreißsälen äußert. „Laut der Weltgesundheitsorganisation soll eine Habamme für eine Frau zuständig sein“, betont die Poetin in einigen Einleitungssätzen. Doch oftmals liegen werdende Mütter alleine in den Wehen oder erleben sogar Gewalt – psychisch wie physisch. „Dabei geht doch das Thema uns alle etwas an, denn wir alle werden geboren“, sagt Macri. Das Gedicht wechselt von weichen Worten zu harten Fakten, von Hochgefühl zur Zornesröte. In dem Gedicht „Unsere Zeit“ steht Macri noch einmal für ihr Geschlecht, und damit für (fast) den ganzen Saal, ein. Die Vereinbarkeit von Kind und Karriere wird beleuchtet. „Kein Vater wird gefragt, wo seine Kinder sind, während er arbeitet, aber einer Mutter wird diese Frage so gut wie immer gestellt“, sagt die 39-Jährige. „Wir sind noch immer nicht gleich, wie wir hier sehen“, lautet ein Vers, „wir wollen Abschlüsse in Arbeit umsetzen.“

Für eine besondere Wertschätzung hat Kuse „gehamstert“: Um an rund 180 Rosen zu kommen, hat die Frauenbeauftragte viele Läden besucht. „Dass das Frühstück auf diesen Tag fällt, ist natürlich ein Grund zu feiern“, findet sie. So erhält jede Besucherin beim Verlassen des Capitols ein Exemplar. Dass diesmal mal nicht an der 300-Besucher-Marke gekratzt worden ist, sieht Kuse positiv: „Das ist eigentlich auch mal ganz entspannt und die Schlange am Buffet ist auch nicht lang.“ Das nächste Frauenfrühstück findet am 25. Oktober mit der Musikgruppe „Kick la Luna“ statt.

VON LISA SCHMEDEMANN

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