Haus der Integration soll auch Stadtteilzentrum sein

Runder Tisch gegen Probleme im Viertel

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Im Haus der Integration bündeln sich soziale Kräfte: Es diskutieren Walter Fontaine, Fachbereichsleiter Soziale Dienste (von links), Erster Stadtrat Dieter Lang, Johannes Leva von der Projektstelle Gemeinwesenarbeit, Bonhoeffer-Schulsozialarbeiterin Anja Straubel sowie Hans-Jürgen Daum, Abteilungsleiter Jugendhilfe und Soziale Arbeit. 

Dietzenbach - Im Haus der Integration bündeln sich die sozialen Kräfte der Kreisstadt. Auch, um dem Strukturwandel im Quartier Herr zu werden. Von Ronny Paul

Das Haus der Integration an der Justus-von-Liebig-Straße 19 ist, wie berichtet, bezugsfertig. Am 31. Januar ziehen mehr als 60 Geflüchtete dort ins erste und zweite Obergeschoss ein. Doch das Haus solle nicht nur Unterkunft für Geflüchtete sein, sondern der ganzen Stadt zugute kommen, betont Erster Stadtrat Dieter Lang. Auf drei Etagen und 2570 Quadratmetern gibt es auch Schulungsräume und einen großen Saal für etwa Chorproben oder Informationsveranstaltungen.

Darüber hinaus haben die städtische Projektstelle Flüchtlinge, zwei Mitarbeiter des Fachbereiches Bau- und Immobilienmanagement sowie Johannes Leva, Sozialarbeiter der Projektstelle Gemeinwesenarbeit im Fachbereich Soziale Dienste, ihre Büros dort. Ebenso vertreten sind vier Sozialarbeiter der Arbeiterwohlfahrt, eine Mitarbeiterin der Diakonie sowie die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Detlef Bittner, Kontaktbeamter der Dietzenbacher Polizei, bietet dort in Zukunft einmal die Woche Beratungen an. Erster Stadtrat Lang lobt das Dietzenbacher Netzwerk: „Sowas findet man in keiner anderen Stadt im Kreis.“

Die Vernetzung im Quartier, die bis hoch zur Volkshoch- und Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) reicht, manifestiert sich auch an einem Runden Tisch, der sechsmal im Jahr tagen soll. Daran sitzen unter anderem die im Haus der Integration beheimateten Akteure, die Sozialarbeiterinnen der Bonhoeffer- und der Ernst-Reuter-Schule, Vertreter der Stadt, der Vhs, der Hausaufgabenhilfe und der Polizei.

Das soll Kräfte bündeln und auch Probleme in dem Wohngebiet beheben. Dort, zwischen Messenhäuser-, Robert-Koch- und Max-Planck-Straße, habe sich ein „grundsätzlicher Strukturwandel“ vollzogen, sagt Hans-Jürgen Daum, Abteilungsleiter Jugendhilfe und Soziale Arbeit. Das belegt er mit Zahlen: 2010 lebten in den vier Wohnblocks rund 660 Menschen, 2016 waren es bereits 944. „44 Prozent der Anwohner sind aus Osteuropa“, informiert Daum. Hauptsächlich Menschen aus Bulgarien und Rumänien, die sich dort niedergelassen haben. Auch dazu hat Daum Zahlen parat: 394 Menschen stammen aus den beiden Ländern, 2010 waren es lediglich 45.

In den Wohnblocks haben früher vornehmlich türkische Mitbürger gewohnt, überwiegend aus Düzbag. Doch die Bevölkerungsstruktur habe sich innerhalb von drei bis vier Jahren verändert. „Das hatten wir gar nicht so auf dem Schirm“, gesteht Daum. Er berichtet von Überbelegungen in den Wohnungen und von Konflikten zwischen muslimischen Mitbürgern und Osteuropäern. Dabei gehe es häufig um Probleme mit Lautstärke, Alkohol und Kleiderordnung. Der Strukturwandel wirke sich auch auf die DBS, die im Einzugsgebiet der Wohnblocks liegt, aus, berichtet Walter Fontaine, Fachbereichsleiter Soziale Dienste. Zum einen in Sprachproblemen und zum anderen in Konflikten unter den Eltern und auch Schülern. Fontaine informiert, dass die Stadt versuche, erneut in das von Bund und Land geförderte Programm „Soziale Stadt“ zu kommen. Zehn Jahre lang habe die Kreisstadt im Spessartviertel vom Programm profitiert. Das möchte Fontaine nun für das Quartier um die Robert-Koch-Straße herum erreichen. „Das wäre für die Wohngegend außerordentlich wichtig“, betont er.

Zwei neue Mitarbeiter der Stadt, Johannes Leva und DBS-Schulsozialarbeiterin Anja Straubel, haben schon „in kurzer Zeit ihr Fachwissen nachgewiesen“, lobt Fontaine. Leva hat sein Büro im Haus der Integration, Straubel in der DBS. Die beiden und ihre Aufgaben stellen wir in demnächst vor.

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