Dietzenbach

Sachliche und nüchterne Diskussion um „Dietzenbacher Schulprobleme“

Vor 50 Jahren: Etwa 30 Dietzenbacher waren zum ersten politischen Frühschoppen der SPD in die „Linde“ gekommen. Sie ließen sich über die Zukunft der Schulen in der Gemeinde informieren.
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Vor 50 Jahren: Etwa 30 Dietzenbacher waren zum ersten politischen Frühschoppen der SPD in die „Linde“ gekommen. Sie ließen sich über die Zukunft der Schulen in der Gemeinde informieren. 

Vor 50 Jahren: Der politische Frühschoppen der SPD in der Linde in Dietzenbach zum Bau neuer Schulen.

Dietzenbach – Vor einem halben Jahrhundert war Dietzenbach noch eine kleine Gemeinde mit rund 10. 300 Einwohnern. In dieser Zeit wurden die Weichen gestellt für die rasante Entwicklung des Ortes. Anhand zeitgenössischer Beiträge in der Offenbach-Post und der Gemeinde- Post zeigen wir, was die Bürger damals bewegt hat.

Die „Dietzenbacher Schulprobleme“ nehmen im Mai des Jahres 1970 großen Raum in der Berichterstattung der Gemeinde-Post ein. So berichtet die Zeitung, das Thema habe im Mittelpunkt des ersten politischen Frühschoppens, veranstaltet vom SPD-Ortsverein, gestanden. „Im Gasthaus Zur Linde konnte der Erste Vorsitzende Erwin Greiner etwa 30 interessierte Dietzenbacher Bürger begrüßen, dazu Bürgermeister Hermann Kocks und Ersten Beigeordneten Jürgen Heyer.“

In einem kurzen Überblick habe der Bürgermeister berichtet, dass die Dietzenbacher Kinder aktuell die Dietrich-Bonhoeffer-Schule als Grundschule und die Ernst-Reuter-Schule als Haupt- und Realschule mit Förderstufe besuchten. Weiter heißt es: „Bis zum Herbst 1970 wird in Dietzenbach-Steinberg eine Grundschule gebaut und in Betrieb genommen. Bis zum Jahr 1974 soll in dem Gebiet zwischen Frankfurter Straße und Bahn eine weitere Grundschule erstellt werden. Das Gebiet Hexenberg-Wingertsberg wird bis zum Jahre 1975 eine Grundschule erhalten. Gleich nach dem Jahr 1975 wird die fünfte Dietzenbacher Grundschule für das Gebiet westlich der Frankfurter Straße gebaut werden.“

Über diese „Schulentwicklung“ hinaus sei geplant, die Ernst-Reuter-Schule als Gesamtschule auszubauen und spätestens in fünf Jahren eine zweite Gesamtschule in Steinberg zu errichten. Die Gemeinde-Post schreibt weiterhin: „Bis 1972 soll in Dietzenbach-Steinberg eine Sonderschule gebaut werden, die in der Endstufe 16 Klassen haben wird für die Kinder aus Dietzenbach und Heusenstamm.“ Gerade das Thema „Sonderschule“ sei ein Schwerpunkt in der ansonsten „sachlichen und nüchternen Diskussion“ des Frühschoppens gewesen: „Sonderschulen sind ein gesellschaftspolitisches Problem, leider werden Kinder, die sie besuchen, auch heute immer noch etwas abqualifiziert und es ist schwer, dieses Vorurteil zu beseitigen. Es wurde vorgeschlagen, Sonderschulklassen innerhalb der Gesamtschulen zu belassen, zumal ja auch die Grundschule immer differenzierter und durchlässiger werde und so die Kinder an einzelnen Kursen und Fächern hier durchaus teilnehmen könnten. Bevor Sonderschulen schwerpunktmäßig gebaut würden, solle man die weitere Entwicklung erst einmal abwarten und die Sonderschulklassen in den einzelnen Städten und Gemeinden belassen, wurde vorgeschlagen.“

Neues weiß die Zeitung ebenso über die griechischen Lehrer zu berichten, die bereits länger im Verdacht standen, ihre Zöglinge im „faschistischen Sinne“ zu erziehen: „Zum zweiten Mal trafen sich die Mitglieder des kürzlich gegründeten Aktionskomitees zur Bekämpfung faschistischer Tendenzen zu einer internen Sitzung.“ Dabei habe Erwin Huvart, der Leiter des Ortsjugendrings, bekannt gegeben, dass die Bemühungen bereits erste Erfolge gezeigt hätten. In dem Artikel heißt es: „Die beiden griechischen Lehrer, die bisher auf unserer Schule tätig waren und diese Tätigkeit dazu verwandt haben sollen, die Kinder im faschistischen Sinne zu erziehen und sie auf dem Schulhof exerzieren zu lassen, seien mittlerweile vom Dienst suspendiert worden und würden in den nächsten Wochen aus der Bundesrepublik ausgewiesen.“ Dazu habe ein griechischer Mitbürger zugesagt, dass er Informationsmaterial, das von der griechischen Militärregierung unter den hiesigen Griechen verteilt werde und einwandfrei faschistische Tendenzen zeige, beschaffen und übersetzen werde.

VON BARBARA SCHOLZE

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